29.06.26
Anastasia Kobekina & Kammerorchester Basel
Montag, 29. Juni, 19 Uhr
Let’s Dance!
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Konzertdauer: ca. 45 Min. │ Pause │ ca. 30 min.
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Anastasia Kobekina – Violoncello
Kammerorchester Basel
Daniel Bard – Violine & Leitung
Giacomo Puccini (1858–1924)
Drei Menuette für Streichquartett
(für Kammerorchester bearb. von
Matthias Arter)
Peter Tschaikowski (1840–1893)
Variationen über ein
Rokoko-Thema
für Violoncello und Orchester op. 33
Johannes Brahms (1833–1897)
aus den Ungarischen Tänzen
(für Cello und Orchester bearb. von Vladimir Kobekin)
Nr. 1 Allegro molto
Nr. 19 Allegretto
Nr. 8 Presto
Nr. 20 Poco allegretto
Nr. 17 Andantino
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PAUSE
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Johannes Brahms
(1833–1897)
Serenade A-Dur op. 16
I. Allegro moderato
II. Scherzo. Vivace
III. Adagio non troppo
IV. Quasi Menuetto
V. Rondo. Allegro
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Wem die Melodien der drei Menuette für Streichquartett von Giacomo Puccini bekannt vorkommen, ist ein echter Opernkenner. Denn die anmutige Melodien übernahm er in sein Durchbruchswerk „Manon Lescaut“ von 1893, etwa das zweite Menuett, hier nun spritzig beschleunigt, in der Introduktion. Die charmanten Stücke waren etwa zehn Jahre zuvor entstanden und ihre Verwendung in der Oper, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts spielt, ist ein weiterer Fingerzeig dafür, dass Puccini hier nostalgisch auf die Klassik zurückblickt. Sie bilden somit eine wunderbare Einstimmung auf den zweiten Programmpunkt dieses Abends:
„Rokoko“ ist ein Stilepochenbegriff, der für Architektur und Kunst der 1730er- bis 1780er-Jahre gebraucht wird. In der Musik ist er nicht wirklich zuhause, wo er sein Pendant am ehesten in den Begriffen empfindsamer und galanter Stil hat. In seinen Variationen über ein Rokoko-Thema op. 33 für Violoncello und Orchester (1876/77) setzt Peter Tschaikowsky den Begriff gleichsam in Anführungszeichen und präsentiert nach einer nostalgisch die Vergangenheit heraufbeschwörenden Einleitung ein augenzwinkernd „verzopftes“ Thema, um im Mittelteil einen russisch-romantischen Blick darauf zu werfen. Auch die Variationen selbst sind keine Stilkopien, sondern fest im 19. Jahrhundert angesiedelt. Großen Anteil am mal schwelgerisch sich aussingenden, mal spektakulär die oberen Regionen des Griffbretts erkundenden Solopart hatte der Widmungsträger des Stücks, der deutsche Cellist Wilhelm Fitzenhagen. Er war Tschaikowskys Kollege am Moskauer Konservatorium und griff nicht nur in die Cellostimme ein, sondern stellte auch einzelne Variationen um. Obwohl die Originalversion mittlerweile rekonstruiert wurde, ist Fitzenhagens publikumswirksame Fassung nach wie vor am weitesten im Konzertsaal verbreitet.
Johannes Brahms fühlte sich zeit seines Lebens zu Volksmusik hingezogen, wobei sein Blick sich auch über die Landesgrenzen, insbesondere nach Ungarn richtete. Im Jahr 1850 hatte er den ungarischen Geiger Eduard Reményi und über das Zusammenspiel mit ihm Tänze wie etwa den Czárdás kennengelernt. So begann er entsprechende Melodien zu sammeln und sie für Klavier zu vier Händen, also vor allem für das häusliche Musizieren zu bearbeiten; eine erste, äußerst erfolgreiche Sammlung von Ungarischen Tänzen erschien dann 1869, eine zweite 1880. Daraus hören wir heute fünf Nummern, bearbeitet für Cello solo und Orchester, in denen die rhythmischen Wechsel zwischen elegisch gebremst und feurig vorwärtsdrängend besonders prägnant ausgeformt erscheinen.
Drei Jahre lang verbrachte Johannes Brahms von 1857 bis 1859 jeweils drei Monate in Detmold, wo er beim Fürstenhof als Konzertpianist, Dirigent des Hofchores sowie als Klavierlehrer der Prinzessin Friederike angestellt war. Was das soziale Umfeld betrifft, so war Brahms von diesen Aufenthalten wenig begeistert, doch genoss er die umliegende Natur und war auch kompositorisch sehr aktiv. So entstanden in dieser Zeit unter anderem die beiden Serenaden, wobei Brahms sich in der zweiten Serenade in A-Dur op. 16 stärker an der kleiner dimensionierten klassischen Gattung orientiert, wie sie vor allem Mozart in seinen meisterhaften Bläserserenaden geprägt hatte, die Brahms nachweislich studierte. Entsprechend ist die A-Dur-Serenade auch auf die in Paaren besetzten Bläser zugeschnitten, die – unter Aussparung von Violinen – eine warme, dunkle Grundierung durch Bratschen, Celli und Kontrabässe erfahren. Nach dem als Sonatensatz sich fließend und wie selbstverständlich entfaltenden Kopfsatz bringt das kurze, rhythmisch prägnante Scherzo einen heiter-kecken Tonfall ein. Emotionales Herzstück des Werks ist das tiefsinnige, in melancholischem 12/8-Takt sich wiegende Adagio. Dessen Nachdenklichkeit strahlt noch auf das anschließende Menuett aus, bevor das hinreißende Final-Rondo ländliche Unbeschwertheit versprüht.
Dr. Juan Martin Koch (c) Kulturwald gGmbH 2026
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Anastasia Kobekina
Von Le Figaro als „unvergleichliche Musikerin“ gefeiert, begeistert Anastasia Kobekina ihr Publikum mit beeindruckender Musikalität, vielseitigen Interpretationen und charismatischer Bühnenpräsenz. Sie ist die stolze Preisträgerin des Leonard Bernstein Award 2024. Im Mai 2023 unterzeichnete Anastasia einen Exklusivvertrag mit Sony Classical, und ihr Debütalbum „Venice“ wurde im Februar 2024 veröffentlicht. Im Oktober 2024 wurde sie mit dem renommierten Opus Klassik Award in Deutschland ausgezeichnet. Im Februar 2025 startete der deutsche Fernsehsender ARD eine vierteilige Dokumentationsreihe über sie: „Anastasia Kobekina – Jetzt oder nie“.
Ihr Debüt bei den BBC Proms gab Anastasia 2024 mit der Tschechischen Philharmonie unter Jakub Hrůša, wo sie Dvořáks Cellokonzert spielte. Im Sommer 2025 kehrt sie mit dem BBC Scottish Symphony Orchestra zu den Proms zurück. 2024 war sie zudem Fokus-Künstlerin des Rheingau Musik Festivals. Im Sommer 2025 war sie Artist-in-Residence bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern sowie beim Beethovenfest Bonn.
Zu den Höhepunkten der Saison gehören Konzerte mit dem Tonhalle-Orchester Zürich unter Semyon Bychkov, dem DSO Berlin, dem RAI Orchestra, dem Mahler Chamber Orchestra, der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, dem Royal Philharmonic Orchestra, der Philharmonia Orchestra, der BBC Philharmonic und der Academy of St. Martin in the Fields sowie mit Kammerorchestern aus Basel, München und Stuttgart.
Anastasias Auftritte führen sie in renommierte Konzertsäle und zu bedeutenden Festivals weltweit, darunter die Wigmore Hall, das Concertgebouw Amsterdam, das Lincoln Center, das Konzerthaus Wien, die Berliner Philharmonie, die Tonhalle Zürich, die Elbphilharmonie Hamburg, das Rheingau Musik Festival, das Gstaad Menuhin Festival, das Schleswig-Holstein Musik Festival, das Beethovenfest Bonn, die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern und das Verbier Festival.
Als Solistin arbeitete sie mit namhaften Dirigenten wie Semyon Bychkov, Paavo Järvi, Jakub Hrůša, Krzysztof Penderecki, Heinrich Schiff, Omer Meir Wellber, Vasily Petrenko, Charles Dutoit und Jean-Christophe Spinosi.
Anastasia wurde bei internationalen Wettbewerben ausgezeichnet, darunter der Tschaikowsky-Wettbewerb (St. Petersburg, 2019) und der Enescu-Wettbewerb (Bukarest, 2016). Von 2018 bis 2021 war sie BBC New Generation Artist und erhielt 2022 den Borletti-Buitoni Trust Artists Award.
Geboren in Russland, begann Anastasia im Alter von vier Jahren mit dem Cellospiel. Sie studierte bei Frans Helmerson und Prof. Jens-Peter Maintz in Deutschland, bevor sie ihre Ausbildung in Paris bei Jérôme Pernoo fortsetzte. Zusätzlich absolvierte sie ihr Masterstudium im Fach Barockvioloncello bei Kristin von der Goltz in Frankfurt. Anastasia spielt ein Violoncello von Antonio Stradivari aus dem Jahr 1698, das ihr großzügig von der Stradivari Stiftung Habisreutinger zur Verfügung gestellt wird.
Kammerorchester Basel
Spiellust und musikalischer Entdeckergeist zeichnen das Kammerorchester Basel seit seiner Gründung 1984 aus. Mit grosser Energie und stilistischer Offenheit widmen sich die Musiker:innen einem breiten Repertoire – von Alter Musik auf historischen Instrumenten über Wiener Klassik bis hin zu zeitgenössischen Werken. Dabei entsteht ein lebendiger, unverwechselbarer Klang, getragen von der Begeisterung für gemeinsames Musizieren auf höchstem Niveau.
In Basel fest verankert mit Abonnementreihen im Stadtcasino und dem eigenen Proben- und Aufführungsort Don Bosco, genießt das Ensemble eine hohe internationale Reputation. Über 100 Konzerte pro Saison insgesamt führen das Orchester regelmässig auf große europäische Bühnen und zu renommierten Festivals.
Ausgezeichnet mit dem Schweizer Musikpreis 2019, begeistert das Kammerorchester Basel mit künstlerischer Exzellenz und Ausdauer. Projekte wie Haydn2032, die Aufnahme und Aufführung aller Sinfonien von Joseph Haydn bis 2032, unter der Leitung von Giovanni Antonini oder die Einspielung der späten Haydn-Messen unter der Leitung von René Jacobs zeigen die tiefe Lust an langfristiger, kreativer Auseinandersetzung.
Immer
wieder entstehen inspirierende Partnerschaften mit Künstler:innen wie
Sol Gabetta, Christian Gerhaher, Alexandra Dovgan, Vilde Frang und dem
Collegium Vocale Gent. Die künstlerische Leitung liegt bei den
Konzertmeister:innen sowie Dirigent:innen wie René Jacobs, Heinz
Holliger, Delyana Lazarova oder Pierre Bleuse. Eine preisgekrönte
Diskografie und vielfältige Vermittlungsformate runden das lebendige
Wirken des Orchesters ab. Seit 2019 ist die Clariant Foundation
Presenting Sponsor des Kammerorchester Basel.