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18.05.26

Barbara Hannigan & Bertrand Chamayou

Montag, 18. Mai, 19 Uhr

Barbara Hannigan – Sopran
Bertrand Chamayou – Klavier 

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Konzertdauer: ca. 75 min, keine Pause 
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Olivier Messiaen (1908–1992)

Chants de terre et de ciel (1938)

1. Bail avec Mi (pour ma femme)
Ein Pakt mit Mi (für meine Frau)

2. Antienne du silence (pour le jour des Anges gardiens)
Antiphon der Stille (zum Fest der Schutzengel)

3. Danse du bébé-pilule (pour mon petit Pascal)
Baby Pilules Tanz (für meinen kleinen Pascal)

4. Arc-en-ciel d’innocence (pour mon petit Pascal)
Regenbogen der Unschuld (für meinen kleinen Pascal) 

5. Minuit pile et face (pour la mort)
Mitternacht – Kopf oder Zahl (für den Tod)

6. Résurrection (pour le jour de pâques)
Auferstehung (für den Ostertag)

Alexander Skrjabin (1872–1915)

Poème-nocturne op. 61

Vers la flamme op. 72


John Zorn (*1953)

Jumalattaret (2012)

Proem – Einleitende Anrufung

1. Päivätär (Sonnengöttin)
2. Vedenemo (Mutter der Wasser)
3. Akka (Königin uralter Magier)
4. Louhi (Gastgeberin der Unterwelt)
5. Mielikki (Jägerin)
6. Kuu (Mondgöttin)
7. Tellervo (Waldgeist)
8. Ilmatar (Luftgeist)
9. Vellamo (Meeresgöttin)

Nachspiel

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Dem Liederzyklus „Chants de terre et de ciel“ (Gesänge der Erde und des Himmels) ist sein sehr persönlicher Entstehungsanlass unmittelbar eingeschrieben. Olivier Messiaen komponierte ihn 1938 unter dem Eindruck der Geburt seine Sohnes Pascal im Jahr zuvor. Er dichtete auch die Texte selbst und spannte dabei einen weiten Bogen vom Familiären zum Spirituellen. Dem innigen „Bail avec Mi“ – einem „Pakt“ mit seiner Frau Claire Delbos, genannt „Mi“ – folgen nach einer Anrufung der Schutzengel („Antiphon der Stille“) zwei Lieder für seinen Sohn („Tanz meines Babys Pilule“ und „Regenbogen der Unschuld“), eine apokalyptische Vorahnung des Todes („Mitternacht: Kopf oder Zahl“) und ein hymnisches Heraufbeschwören der „Auferstehung“. Die Tonsprache ist schon weitgehend die, die er kurze Zeit später in seinem „Quartett auf das Ende der Zeit“ zu einer ersten Synthese führen würde. Sie beruht auf einem selbst entwickelten System aus „Modi mit beschränkter Transponierbarkeit“. Dies ist ein sehr charakteristischer Tonvorrat, der die Basis für einen unmittelbar wiedererkennbaren melodischen und harmonischen Stil mit einer Mischung aus tonalen und dissonanten Elementen bildet. In Verbindung mit dem kompromisslosen Einsatz der Sopranstimme als Träger extremer Ausdrucksintensität ergibt dies eines der packendsten und dichtesten Vokalerlebnisse im Repertoire des 20. Jahrhunderts.

„Wie ein flüchtiger Schatten“ – „wie ein verwirrtes Flüstern“ – „mit schlummernder Sinnlichkeit“: Diese und viele weitere im Original französische Vortragsbezeichnungen in den Noten zum „Poème-nocturne“ op. 61, zeigen, dass Alexander Skrjabin zur Entstehungszeit dieses Stücks (1911–1912) mit seiner Klaviermusik mehr im Sinn hatte als unverbindliche Salonmusik oder virtuose Kabinettstückchen. Seit etwa 1905 verschwinden Tonarten-Angaben nach und nach aus Skrjabins Werken, ab 1910 verwendete er sie gar nicht mehr. Stattdessen entwickelte er eine Klangsprache, die unter anderem auf dem nach einem Orchesterwerk benannten, „Prometheus-Akkord“ basiert. Dieser besteht aus sechs in Quarten geschichteten Tönen und aus diesem vertikalen Tonvorrat verstand es der Komponist immer wieder neue horizontale Melodielinien und Strukturen zu erschaffen, die eine ganze eigene, suggestive und bildhafte Klangsprache ausprägen. Im Poème-nocturne geht Skrjabin den umgekehrten Weg: In einer Bogenform verdichtet und steigert sich das Material von flüchtigen Arpeggiomustern hin zu akkordischen Blöcken, um nach und nach wieder in den ursprünglichen Aggregatzustand zurückzukehren.
Eine kompakte, radikale Steigerungsdramaturgie ist in „Vers la flamme“ („Zur Flamme“) op. 72 von 1914 realisiert, eines der letzten Klavierstücke Skrjabins. Aus den akkordischen Glutnestern züngeln nach und nach immer mehr Flämmchen in Form von Sekundmotiven hoch, ehe das Feuer extatisch zum Ausbruch kommt. Musik von brennender Intensität, die das Instrument an seine Grenzen führt.

Dr. Juan Martin Koch (c) Kulturwald gGmbH 2026

Unter Verwendung von Textpassagen aus dem finnischen Epos „Kalevala“ ist „Jumalattaret“ („Göttinnen“, 2012) von John Zorn ein Liederzyklus zu Ehren von neun finnischen Göttinnen aus dem samischen Schamanismus: Päivätär, die Göttin des Sommers – Vedenemo, die Mutter der Gewässer – Akka, die Göttin der Unterwelt – Louhi, eine mächtige Hexe und Gestaltwandlerin – Mielikki, die Göttin der Jagd – Kuu, die Mondgöttin – Tellervo, die Göttin der Wälder – Ilmatar, der jungfräuliche Geist der Luft – Vellamo, die Göttin des Wassers. Die Musik bedient sich einer Vielzahl musikalischer Techniken und Genres und bewegt sich von lyrischer, volksliedhafter Einfachheit hin zu komplexerer atonaler und textureller Pyrotechnik.

John Zorn:
Im Sommer 2015 war Barbara Hannigan in New York City, um im Lincoln Center George Benjamins „Written on Skin“ aufzuführen. Wir trafen uns zum ersten Mal, vorgestellt von gemeinsamen Freunden, zu einem unvergesslichen Mittagessen im thailändischen Restaurant Som Tum Der auf der Avenue A. Wir saßen stundenlang zusammen und sprachen offen über Musik, das Leben, Zusammenarbeit, Improvisation, die Welt der klassischen Musik, Dirigenten und vieles mehr. Es war zutiefst inspirierend – und wir begannen, uns einen Weg in die Zukunft vorzustellen. Ich erinnerte mich an „Jumalattaret“, schickte ihr die Partitur und schlug ihr dies als unser erstes gemeinsames Abenteuer vor.

Barbara Hannigan:
Die Begegnung mit John im Jahr 2015 war ein Wendepunkt in meinem Leben als kreativer Mensch. Die Verbindung zwischen uns als Musiker war sofort da und geradezu magnetisch. Ich begann 2016/17 mit der Arbeit an „Jumalattaret“, merkte aber ziemlich schnell, dass ich mit den virtuosen Anforderungen darin meinem „Waterloo“ begegnet war. Ich war mir nicht sicher, ob ich das schaffen würde, obwohl ich mich schon zuvor an viele „unmögliche“ Stücke gewagt hatte. Schließlich fasste ich den Mut, John meine Bedenken mitzuteilen. Ich hoffte, er würde vielleicht einige Stellen etwas „machbarer“ für mich gestalten.
Wir tauschten mehrere E-Mails aus, und John ging in seiner Antwort auf die Schwachstellen, die ich ihm mitteilte, unglaublich tief ins Detail. Ich hatte noch nie zuvor eine solche Unterstützung von einem Komponisten erfahren. Er war nicht beleidigt. Er war in meinem Kampf wirklich an meiner Seite. John schrieb mir Folgendes:
„Man kann nichts überwinden, wenn man auf sicherem Boden bleibt, und gerade in diesen intensiven Momenten können wir tiefere Wahrheiten finden, Verstand und Herz vereinen – und beginnen, die Seele und ihre Wirkungsweise zu verstehen. In diesem mutigen Moment des Loslassens und des Sich-Darauf-Einlassens wird die Musik auf eine besondere und heroische Weise lebendig werden – auf eine Weise, die über die Noten auf dem Papier hinausgeht.“

John Zorn:
Der lange Weg, den Barbara zurücklegen musste, um das Stück zu meistern, wird in Mathieu Amalrics aufschlussreichem Dokumentarfilm „Zorn III“ wunderschön geschildert. Im Mittelpunkt stehen dabei unser reger Austausch sowie der langwierige Prozess, in dem Barbara „Jumalattaret“ einstudierte, sich damit abmühte, probte und schließlich aufführte.

Barbara Hannigan:
Dank Johns Vertrauen fühlte ich mich von neuer Energie erfüllt und mobilisierte all meine Kräfte, um mich ganz der Musik hinzugeben, bis ich vollständig in sie eingetaucht war und sie ein Teil von mir wurde. Ich habe das Stück inzwischen schon oft bei Festivals aufgeführt, die John Zorns Musik feiern, und wollte es in einen neuen Aufführungskontext stellen, indem ich es zusammen mit Messiaens Liederzyklus „Chant de terre et de ciel“ programmierte. Beide Werke sind zutiefst spirituell, geheimnisvoll, zart und ekstatisch. Während der Messiaen-Zyklus einen eher männlich geprägten Schwerpunkt hat (der Gott des katholischen Glaubens), ist das Werk von Zorn von weiblicher Kraft inspiriert, wie viele von Johns Kompositionen.
John hat inzwischen weitere fünf Werke für meine Stimme geschrieben, mit verschiedenen Instrumentenkombinationen, und es vergeht keine Saison, in der ich nicht irgendwo seine Musik singe. Er ist mir ein sehr lieber Freund und inspirierender Mentor geworden.

Barbara Hannigan & John Zorn

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Übersetzungen der Gesangstexte


Chants de terre et de ciel


1. Ein Pakt mit Mi (für meine Frau)
Dein Auge aus Erde, mein Auge aus Erde, unsere Hände aus Erde,
Um die Atmosphäre zu weben, den Berg der Atmosphäre.
Stern der Stille für mein Herz aus Erde, für meine Lippen aus Erde,
Kleiner Sonnenball, der meine Erde ergänzt.
Der Pakt, süßer Begleiter meiner bitteren Schulter.

2. Antiphon der Stille (zum Fest der Schutzengel)

Stiller Engel, schreibe etwas Stille in meine Hände, Alleluia.
Damit ich die Stille des Himmels atmen möge, Alleluia.

3. Baby Pilules Tanz (für meinen kleinen Pascal)
Pilule, komm, lass uns tanzen,
Malonlanlaine, ma.
Strahlen der Sonne,
Malonlanlaine, ma.
Es ist das Alphabet des Lachens auf den Fingern deiner Mutter.
Ihr immerwährendes Ja war ein friedlicher See.
Malonlanlaine, ma, ma.
Süße der Treppen, Überraschung hinter Türen.
All die leichten Vögel flatterten aus deinen Händen.
Leichte Vögel, Kieselsteine, Refrains, helle Creme.
Geformt wie blaue Fische, wie blaue Monde,
Heiligscheine aus Erde und Wasser,
Eine einzige Lunge in einem einzigen Schilfrohr.
Io, io malonlaine, ma, malonlaine…
Ein entwaffnetes Auge, ein Engel auf deinem Kopf, deine kleine Nase nach oben gerichtet
Zum tiefen Blau, das verschluckt wird, gesäumt von goldenen Schreien
Die gläsernen Horizonte, du hast dein Herz so rein hingehalten.
Singen, singen, singen, ach! Singen,
Sternensammler, Locken des Lebens,
Hättet ihr noch schöner singen können?
Der Wind über deinen Ohren, malonlanlaine, ma,
Spielt Bockspringen, malonlanlaine, ma.
Und die grüne Gegenwart und das Auge deiner Mutter.
Eine Stunde, die ihre Blütenblätter um mein Lächeln streut.
Malonlanlaine, ma.
Um mein Lächeln,
Malonlanlaine, ma, ma, ma, ma, io!
Ha, ha, ha, ha, ha! Io, io!

4. Regenbogen der Unschuld (für meinen kleinen Pascal)
Pilule, du streckst dich wie der erste Buchstabe eines alten Messbuchs
Du bist müde; schau auf deine Hand.
Unzerbrechliches Spielzeug, die Federn funktionieren noch;
Aber dieses hier kannst du nicht wegwerfen
Wie irgendeine hübsche Stoffpuppe.
Träume in den Falten der Stunde;
Webe, webe Vokalisen um die Stille:
Die Sonne wird dir auf die Schulter des Morgens schreiben,
Um Vögel in deinen zahnlosen Mund zu werfen.
Lächle, lächle, das, was du singst, singe, singe,
Hat dich gelehrt zu lächeln.
Das, was du nicht siehst, kannst du davon träumen?
Komm, lass mich dich in den Tag katapultieren
Wie eine Flieger-Libelle!
Da bist du, höher als ich:
Wie schön, all diese Riesen zu beherrschen!
Binde an deine kleinen Handgelenke Regenbögen der Unschuld,
Die aus deinen Augen gefallen sind,
Lass sie in den Winkeln der Zeit zittern.
Ganz weit weg, ganz nah;
Lass uns das Spiel hundertmal spielen!
Wo ist er? So hoch, dass man ihn nicht sehen kann?
Spring, mein Ballspiel-Pilule!
Du hüpfst herum wie der Klöppel einer Osterglocke.
Hallo, kleiner Junge.

5. Mitternacht – Kopf oder Zahl
Stadt, stinkendes Auge, schräge Mitternächte,
Rostige Nägel, in die Ecken der Vergessenheit geschlagen.
Lamm, Herr!
Sie tanzen, meine Sünden tanzen!
Karneval der Desillusion auf dem Kopfsteinpflaster des Todes.
Die Straßen, ein riesiger verwesender Leichnam, im grellen Licht der Laternen.
Kreuzung der Angst!
Decke aus Wahnsinn und Stolz!
Gelächter, werde schriller! Gelächter, verschlinge dich selbst!
Diese Fackeln sind Berge der Nacht.
Festgezogene Knoten der Qual.
Unbekanntes Ungeheuer, das verschlingt,
Das auf meine Brust sabbert.
Kopf, Kopf, solcher Schweiß!
Und ich werde allein gelassen mit dem Tod, der mich umhüllt!
Vater des Lichts, Christus, Rebe der Liebe,
Tröstender Geist,
Tröster der sieben Gaben!
Glocke, meine Knochen vibrieren, eine plötzliche Chiffre,
Ruinen des Irrtums und Kreise auf der linken Seite,
Neun, zehn, elf, zwölf.
Oh! Schlaf ein, mein Kleines!
Unter der zu weiten Luft, in einem blauen Bett,
Die Hand unter dem Ohr,
Mit einem winzigen Nachthemd an.

6. Auferstehung (für den Ostertag)
Halleluja, Halleluja.
Er ist der Erste, der Herr Jesus.
Er ist der Erstgeborene unter den Toten.
Sieben Sterne der Liebe für den Durchbohrten,
Leg dein Gewand des Lichts an.
„Ich bin auferstanden, ich bin auferstanden;
Ich singe: für Dich, mein Vater, für Dich, mein Gott, Halleluja.
Ich gehe von der Erde zum Himmel.“
Ein Engel.
Er ist auf dem Stein gelandet.
Weihrauch, Tor, Perle, ungesäuertes Brot der Wahrheit.
Halleluja, Halleluja.
Wir haben Ihn berührt, wir haben Ihn gesehen.
Mit unseren Händen haben wir Ihn berührt.
Ein einziger Strom des Lebens in Seiner Seite,
Zieht euer Gewand des Lichts an.
„Ich bin auferstanden, ich bin auferstanden.
Ich steige auf: zu Dir, mein Vater, zu Dir, mein Gott, Halleluja.
Ich gehe vom Tod zum Licht.“
Brot.
Er bricht es, und ihre Augen werden geöffnet.
Weihrauch, Tor, Perle, wascht euch in der Wahrheit.


Jumalattaret

Proem – Einleitende Anrufung
Von einem impulsiven Verlangen, von einem mächtigen inneren Drang getrieben, bin ich nun bereit zu singen, bereit, den Gesang zu Ehren der Göttinnen zu beginnen!

3. Akka – Königin uralter Magier
Es gibt noch andere Zauberworte, Beschwörungsformeln, die ich gelernt habe.

4. Louhi – Gastgeberin der Unterwelt
Fertigte mit bloßen Händen und mithilfe ihrer Magie ein Paar gefiederte Flügel an.

7. Tellervo – Waldgeist
Geheimes Zeichen, auf den Felsen gezeichnet.

8. Ilmatar – Luftgeist
Es wäre besser gewesen, wenn ich die luftige Jungfrau geblieben wäre.

Nachspiel
Goldener Mond und silberne Sonne, Verbergt eure Gesichter in den Höhlen Von Pohyolas düsterem Berg; Leuchtet nicht mehr, um das Nordland zu erfreuen, Bis ich komme, um euch die Freiheit zu schenken, Zugen von neun Rössern, Schwarz wie die Nacht, Rösser einer einzigen Mutter!

(Die nicht aufgeführten Lieder werden auf Vokalisen gesungen)

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Barbara Hannigan

Erste Gastdirigentin der Göteborgs Symfoniker (seit 2019)
Associate Artist des London Symphony Orchestra (seit 2022)
Erste Gastdirigentin des Lausanne Chamber Orchestra (seit 2024)
Chefdirigentin und künstlerische Leiterin des Iceland Symphony Orchestra (ab August 2026)
Reinbert-de-Leeuw-Professorin für Musik an der Royal Academy of Music London (seit 2023)
Juilliard Creative Associate (2025–2026)

Die Sopranistin und Dirigentin Barbara Hannigan verkörpert Musik mit einer unvergleichlichen dramatischen Sensibilität und ist eine Künstlerin an der Spitze des kreativen Schaffens. Seit mehr als drei Jahrzehnten hat sie außergewöhnliche künstlerische Partnerschaften mit weltweit führenden Musikern, Regisseuren und Choreografen aufgebaut, darunter Bertrand Chamayou, John Zorn, Romeo Castellucci, Simon Rattle, Sasha Waltz, Claus Guth, Kent Nagano, Christoph Marthaler, Katie Mitchell, Vladimir Jurowski, Andris Nelsons, Esa-Pekka Salonen, Kirill Petrenko, Krzysztof Warlikowski und Andreas Kriegenburg. Der verstorbene Dirigent und Pianist Reinbert de Leeuw hatte einen außerordentlichen Einfluss auf ihre Entwicklung als Musikerin und war ihr eine große Inspiration.

Die mit dem Grammy und dem Juno Award ausgezeichnete kanadische Musikerin hat sich intensiv der Musik unserer Zeit verschrieben und fast 100 neue Werke uraufgeführt. Hannigan hat mit Komponisten wie Boulez, Zorn, Benjamin, Abrahamsen, Dutilleux, Ligeti, di Castri, Stockhausen, Khayam, Sciarrino, Barry, Dusapin und Dean zusammengearbeitet. Zu den jüngsten Uraufführungen zählen Golfam Khayams „I am Not a Tale to be Told“ mit dem Isländischen und dem Londoner Sinfonieorchester, John Zorns „Split the Lark“ und „Star Catcher“ sowie Zosha di Castris „In the Half Light“ mit den Sinfonieorchestern von Toronto und Montreal. In dieser Saison wird sie die Weltpremiere von Laura Bowlers „The White Book“ für Sopran und Orchester (mit einem Text der Nobelpreisträgerin Han Kang) mit dem Göteborger Symphonieorchester, dem London Symphony Orchestra und dem Kopenhagener Philharmonischen Orchester unter der Leitung von Bar Avni aufführen.

Hannigan, die von der „New York Times“ als „… eine mutige Sängerin und Maestra, die sich einen Ruf für innovative Programmgestaltung erworben hat“ gepriesen wurde, verbindet neues und älteres Repertoire auf höchst dramatische und authentische Weise. Zuletzt war sie Musikdirektorin und Solistin bei Romeo Castelluccis hochgelobtem „Stabat Mater“, das Werke von Scelsi und Pergolesi vereinte und in der Genfer Kathedrale St. Pierre eine bemerkenswerte Reihe ausverkaufter Aufführungen bot.

Hannigan, die ihre Tätigkeit als Dirigentin und Sopranistin unter einen Hut bringt, pflegt langjährige Beziehungen zu ihren Kollegen aus den Bereichen Orchester, Oper und Kammermusik. In der Saison 2025/26 kehrt Barbara zum Göteborger Symphonieorchester (als Erste Gastdirigentin), zum London Symphony Orchestra (als Associate Artist), zum Orchestre de Chambre de Lausanne (als Erste Gastdirigentin) und zum Iceland Symphony Orchestra (wo sie ab der Saison 2026/27 die Position der Chefdirigentin und künstlerischen Leiterin antreten wird). Außerdem kehrt sie zu den Münchner Philharmonikern, dem Schwedischen Rundfunk-Sinfonieorchester, dem Cleveland Orchestra, dem Royal Concertgebouw Orchestra, dem Montreal Symphony Orchestra und der Juilliard School (als Creative Associate) zurück. Sie wird ihr Dirigierdebüt bei den New York Philharmonic geben und dort ihre einzigartige Version von Poulencs Oper „La Voix Humaine“ aufführen, in der sie sowohl die Rolle der Elle singt als auch das Orchester dirigiert. Diese gefeierte Inszenierung wird sie im Rahmen ihrer Residenz beim Prager Frühlingsfestival auch an die Mailänder Scala, zum Borusan Istanbul Philharmonic Orchestra in Istanbul und zur Tschechischen Philharmonie bringen. Ihre Recital-Tournee mit Bertrand Chamayou (Werke von Messiaen, Skrjabin und Zorn) wird in der Saison 2025/26 fortgesetzt, und sie begibt sich auf eine weitere Europatournee zusammen mit dem Quatuor Belcea, bei der sie den Sopranpart in Schönbergs Streichquartett Nr. 2 singt.

Zu Hannigans bekanntesten Opernrollen zählen Lulu (Inszenierungen unter der Regie von Warlikowski und Marthaler), Melisande (Inszenierungen unter der Regie von Warlikowski und Mitchell), Marie in „Die Soldaten“ (Regie: Kriegenburg), Agnes in „Written on Skin“ (Regie: Mitchell) sowie „La Voix Humaine“ (Inszenierungen unter der Regie von Warlikowski und Guth sowie ihre eigene Inszenierung mit Live-Video).
Als gefeierte Aufnahmekünstlerin begann Barbara Hannigans fruchtbare Zusammenarbeit mit Alpha Classics 2017 mit der Veröffentlichung von „Crazy Girl Crazy“, das 2018 den Grammy Award für das beste klassische Solo-Vokalalbum sowie einen Edison (Niederlande) und einen Juno (Kanada) gewann. Es folgten fünf von der Kritik gefeierte Aufnahmen, darunter „Vienna: fin de siècle“ mit dem Pianisten Reinbert de Leeuw, „La Passione“ mit Werken von Nono, Haydn und Grisey, „Infinite Voyage“, bei dem sie gemeinsam mit ihren Kollegen vom Emerson String Quartet auf deren letztem Album Werke von Schönberg, Hindemith, Berg und Chausson interpretierte, „MESSIAEN“ mit dem Pianisten Bertrand Chamayou und „Electric Fields“ mit den Pianistinnen Katia und Marielle Labeque, inspiriert vom Leben und der Musik Hildegard von Bingens mit neuen Kompositionen von David Chalmin und Bryce Dessner. „Hannigan Sings Zorn“, Band 1 und 2, Live-Aufnahmen von John Zorns Kompositionen, erschienen 2024 beim Label Tzadik.

Barbaras Engagement für die jüngere Generation von Musikern veranlasste sie zur Gründung der Mentoring-Initiativen „Equilibrium Young Artists“ (2017) und „Momentum: our Future Now“ (2020), die jungen professionellen Künstlern sowohl Beratung als auch Auftrittsmöglichkeiten bieten. Sie setzt ihre Arbeit mit Nachwuchskünstlern durch Meisterkurse sowie in ihrer Funktion als Reinbert-de-Leeuw-Professorin für Musik an der Royal Academy of Music in London und als Creative Associate an der Juilliard School fort. 

Zu ihren Auszeichnungen und Ehrungen zählen die Verleihung des Governor General’s Performing Arts Award (2026), der Polar Music Prize 2025, die Auszeichnung als „Musical America Artist of the Year“ 2025, die Ernennung zum „Accademico Onorario (Ehrenakademikerin) (2025) an der Accademia di Santa Cecilia, den Order of Canada (2016), den Titel Officier des Arts et des Lettres in Frankreich (2022) sowie die Auszeichnung „Künstlerin des Jahres 2022“ des Gramophone Magazine, den deutschen Faust-Preis (2015), Schwedens Rolf-Schock-Preis für Musikkunst (2018) und das Kulturstipendium der Stena-Stiftung 2021, den Glashütte Original Preis der Dresdner Musikfestspiele (2020), Dänemarks Léonie-Sonning-Musikpreis (2021) sowie Kanadas De-Hueck-und-Walford-Preis für das Lebenswerk (2023). 

Barbara lebt im Finistère an der Nordwestküste Frankreichs und blickt auf eine Bucht, die direkt über den Atlantik zu ihrem Heimatort Waverley in Nova Scotia führt. 

Bertrand Chamayou

Der Pianist Bertrand Chamayou hat sich ein umfangreiches Repertoire angeeignet und besticht durch seine Sicherheit, seinen Einfallsreichtum, seinen künstlerischen Ansatz und seine bemerkenswerte Beständigkeit in seinen Darbietungen. Er zeichnet sich durch seine Vielseitigkeit als Pianist, Kammermusiker und Verfechter zeitgenössischer Musik aus.

Als besonders gefragter Interpret französischer Musik umfasst sein sehr breites Repertoire auch mehrere bedeutende Gesamtwerke, wie Ravels gesamte Klavierwerke, Liszts „Études d'exécution transcendante“ und „Années de pèlerinage“ oder sogar „Vingts Regards sur L'Enfant-Jésus“ von Olivier Messiaen.

In dieser Saison tritt Bertrand Chamayou mit dem Orchestre National de France, dem Orchestre National du Capitole de Toulouse, dem Orchestre National de Lille, dem Orchestre National de Montpellier, Orchestre de Chambre de Lausanne, mit Les Siècles in ganz Frankreich, Gothenburg Symphony, Singapore Symphony, Antwerp Symphony, Philharmonia Orchestra, BBC Symphony, Dresdner Philharmonie, Orchestre Philharmonique de Radio France, Atlanta Symphony, Orquestra Nacional de Espana, Orchestre de Chambre de Genève, hr-Sinfonieorchester Frankfurt, Danish National Symphony, Bergen Philharmonic, Bamberger Symphoniker und dem Euskadi Orchester.

Bertrand Chamayou ist in der Saison 2025/26 erneut in intensiver Zusammenarbeit mit Barbara Hannigan, Sol Gabetta, Antoine Tamestit, Leif Ove Andsnes und dem Belcea Quartett zu erleben: 

Mit Barbara Hannigan: Duo-Konzerte mit Liedzyklen von Olivier Messiaen, Alexander Skrjabin und John Zorn, u.a. in der Wigmore Hall London, Muziekgebouw Amsterdam, Bozar Brüssel, Madrid, Wiener Konzerthaus, im Boulez Saal Berlin, Philharmonie Paris, Elbphilharmonie Hamburg, Concertgebouw Amsterdam, beim Prague Spring Festival und Palau de la Música Barcelona. Die Programme verbinden französische Moderne mit zeitgenössischer Vokal- und Klavierliteratur.

Mit Leif Ove Andsnes: Klavierduo-Abende mit Werken von György Kurtág und Franz Schubert, darunter das Rondo D 951, Allegro D 947 „Lebensstürme“, die Fantasie D 940 und ausgewählte Stücke aus Kurtágs Játékok. Auftritte u.a. Madrid, Oslo, Brüssel, Amsterdam, Dijon, im Boulez Saal Berlin, Musikverein Wien, Kölner Philharmonie, Liederhalle Stuttgart und Tonhalle Zürich.

Bertrand Chamayou tritt mit den renommiertesten Orchestern auf: den Wiener Philharmonikern, New York Philharmonic, den Orchestern von Cleveland, San Francisco und Pittsburgh, Chicago, Atlanta, Montreal, Wien und London, dem Orchestre de Paris, dem Tonhalle-Orchester Zürich, dem Orchestre National de France und dem Orchestre Philharmonique de Radio France, dem Gewandhausorchester Leipzig, der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, den Rundfunkorchestern in München, Frankfurt, Köln und Kopenhagen sowie dem NHK Symphony Orchestra, dem Seoul Philharmonic Orchestra und Pierre Boulez und Sir Neville Marriner zu spielen und arbeitet mit Dirigenten wie Esa-Pekka Salonen, Herbert Blomstedt, Semyon Bychkov, Charles Dutoit, Mikko Franck, Santtu-Matias Rouvali, Krzysztof Urbanski, Philippe Herreweghe und Gianandrea Noseda, Philippe Jordan, Andris Nelsons, François-Xavier Roth, Tugan Sokhiev, Sir Antonio Pappano und Elim Chan.

Als hochgeschätzter Kammermusiker zählen zu seinen Partnern namhafte Künstler wie Sol Gabetta, Barbara Hannigan, Vilde Frang, Renaud und Gautier Capuçon, Leif Ove Andsnes, das Quatuor Ebène und Antoine Tamestit. Er engagiert sich sehr für neues Repertoire und hat auch mit Henri Dutilleux und György Kurtág sowie in jüngerer Zeit mit Thomas Adès, Bryce Dessner und Michaël Jarrell zusammengearbeitet, der ihm sein letztes Klavierkonzert widmete.

Bertrand Chamayou veröffentlichte eine große Anzahl sehr erfolgreicher Aufnahmen, darunter eine mehrfach ausgezeichnete Naïve-CD mit Musik von César Franck. Für seine Aufnahme der Klavierkonzerte Nr. 2 und 5 von Camille Saint-Saëns wurde er mit dem Gramophone Recording of the Year Award 2019 ausgezeichnet. Er ist der einzige Künstler, der fünfmal den renommierten französischen Victoires de la Musique gewonnen hat, hat einen exklusiven Plattenvertrag mit Warner/Erato und wurde 2016 mit dem ECHO Klassik für seine Aufnahme von Ravels Gesamtwerk für Klavier solo ausgezeichnet. 

Bertrand Chamayou wurde in Toulouse geboren. Sein musikalisches Talent wurde schnell von dem Pianisten Jean-François Heisser erkannt, der später sein Professor am Pariser Konservatorium wurde. Er vervollständigte seine Ausbildung bei Maria Curcio in London. Er ist künstlerischer Leiter des Ravel Festivals, einem großen internationalen Festival zu Ehren von Maurice Ravel im wunderschönen Baskenland rund um Saint-Jean-de-Luz (Frankreich).