10.12.25
Gábor Boldoczki & Gabetta Consort
Mittwoch, 10. Dezember 2025, 19 Uhr
Gábor Boldoczki – Trompete und Flügelhorn
Andrés Gabetta – Künstlerische Leitung und Violine
Gabetta Consort:
Violine I: Laura Corolla, Giacomo Coletti, Katia Krasutskaya
Violine II: Guadalupe del Moral, Murielle Viviane Pfister
Viola: David Glidden, Marco Massera
Violoncello: Claire-Lise Démettre, Anna Camporini
Kontrabass: Ján Krigovský
Cembalo: Luca Quintavalle
Theorbe: Eduardo Egüez
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Konzertdauer: ca. 45 min │Pause │ca. 40 min
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Arcangelo Corelli (1653–1713)
Concerto grosso g-Moll op. 6, Nr. 8
„Weihnachtskonzert“
I. Vivace
II. Allegro
III. Adagio
IV. Vivace
V. Allegro
VI. Largo
Giuseppe Torelli (1658–1709)
Konzert für Trompete, Streicher und Basso continuo D-Dur
I. Allegro
II. Adagio-Presto-Adagio
III. Allegro
Antonio Vivaldi (1678–1741)
Konzert für Violine und Orchester D-Dur „Grosso Mogul“ RV 208
I. Allegro
II. Rezitativ: Grave
III. Allegro
Alessandro Marcello (1673–1747)
Konzert für Oboe, Streicher und Basso continuo c-Moll
(Bearbeitung für Trompete)
I. Andante e spiccato
II. Adagio
III. Presto
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PAUSE
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Pietro Locatelli (1695–1764)
aus dem
Concerto grosso c-Moll op. 1, Nr. 11
I. Largo
IV. Giga. Allegro
Antonio Vivaldi (1678–1741)
Konzert für Violine und Orchester C-Dur RV 190
I. Allegro
II. Largo
III. Allegro
Antonio Vivaldi (1678–1741)
Konzert für Laute, Streicher und Basso continuo F-Dur RV 93
(Bearbeitung für Flügelhorn)
I. Allegro giusto
II. Largo
III. Allegro
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In den Jahrzehnten zwischen 1680 und 1720 etablierte sich die Instrumentalmusik in Italien zu einer der geistlichen und weltlichen Vokalmusik im Ansehen ebenbürtigen Kunstform. Entscheidenden Anteil daran hatte neben verschiedenen Sonatenformen das Konzert, sei es in Form des von Arcangelo Corelli modellhaft entwickelten Concerto grosso oder des Solokonzerts, für dessen Siegeszug maßgeblich Antonio Vivaldi verantwortlich war. Als Corellis berühmtestes Concerto grosso hat sich jenes in g-Moll op. 6, Nr. 8 einen festen Platz im Repertoire gesichert (vielleicht 1690 entstanden, erst 1714, nach Corellis Tod gedruckt). Der Zusatz „Fatto per la notte di Natale“ (geschrieben für den Heiligabend) weist es als „Weihnachtskonzert“ aus, wobei Corelli sich im Hinblick auf ganzjährige Aufführungsmöglichkeiten pragmatisch zeigte: Der für den Weihnachtscharakter entscheidende letzte Satz – ein Largo mit pastoralen, auf den Hirtendudelsack anspielenden Liegetönen – ist mit dem Hinweis „ad libitum“ (nach Belieben) versehen. Will sagen, man könnte ihn auch weglassen, was heute, zwei Wochen vor Heiligabend natürlich nicht geschehen soll…
Einer der italienischen Komponisten, die sich besonders der Trompete zuwandten, war der vornehmlich in Bologna wirkende Giuseppe Torelli. Dass das Trompetenkonzert in D-Dur, um 1715 in einem Sammeldruck des Amsterdamer Verlegers Estienne Roger erschienen, ihm zuzuschreiben ist, gilt deshalb als sicher. In dem kurzen Werk darf das Soloinstrument in den Ecksätzen glänzen, ruht dafür im langsamen Mittelsatz, der mit einem kurzen schnellen Einschub überrascht.
Der große Antonio Vivaldi ist im heutigen Programm mit drei Werken vertreten: Das D-Dur-Violinkonzert RV 208 ist mit Ausflügen in höchste Lagen eines seiner virtuosesten. Der rezitativisch angelegte langsame Satz lässt mit einigen Verzierungen erahnen, warum das Konzert den rätselhaften Titel „Grosso Mogul“ trägt, offenbar eine Anspielung auf den indischen Großmogul Aurangzeb, der von 1685 bis 1707 herrschte und zum Protagonisten eines ab 1713 mehrfach vertonten Opernlibrettos wurde. Das ebenfalls äußerst spektakuläre Violinkonzert in C-Dur RV 190 geht im ersten Satz rhythmisch und harmonisch erstaunliche Wege und bezaubert mit einem tupfend begleiteten Largo-Mittelsatz. Eines von Vivaldis berühmtesten Werken ist das ursprünglich für Laute, Streicher und Basso continuo komponierte Konzert RV 93. Wie gut sich dessen Ohrwurmqualitäten auch als Trompetenkonzert eignen, davon wird uns Gábor Boldoczki zum Abschluss des heutigen Programms überzeugen.
Pietro Locatelli knüpfte mit seinen Concerto grossi op. 1 (1721 veröffentlicht) an Corelli an, geht in der Nummer 11 in c-Moll aber vor allem im eröffnenden Largo mit schroffen Einwürfen im Tutti und überraschenden harmonischen Wendungen eigene Wege.
Den Hobbykomponisten Alessandro Marcello (nicht zu verwechseln mit seinem jüngerem Bruder Benedetto) hat ein Werk unsterblich gemacht und Johann Sebastian Bach hatte einen gewichtigen Anteil daran. Denn er bearbeitete dessen Oboenkonzert für Cembalo solo, was den außergewöhnlich schönen langsamen Satz zu einem beliebten Zugabenstück bei Klavierrecitals machte. Aber auch die markant inspirierten Ecksätze tragen zum verdienten Ruhm dieses Konzerts bei, das Gabór Boldoczki heute mit seinem Flügelhorn veredeln wird.
Dr. Juan Martin Koch (c) Kulturwald gGmbH 2025
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Gábor Boldoczki
„Auch die Trompete kann Belcanto… reinsten Belcanto, mit blitzblank polierten Spitzentönen, verströmte der Ungar Boldoczki auf der Trompete“, so schrieb Michael Dellith von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nach dem Gastspiel von Gábor Boldoczki in der Alten Oper Frankfurt. Der im ungarischen Kiskőrös aufgewachsene Gábor Boldoczki ist mit seinem Trompetenspiel die Ausnahmeerscheinung seiner Generation. Auch die internationale Presse feiert ihn regelmäßig als grandiosen Trompetenvirtuosen.
Bereits mit 14 Jahren erhielt der mehrfache ECHO Klassik Preisträger beim Nationalen Trompetenwettbewerb in Zalaegerszeg den 1. Preis und begann nach diversen Studien seine internationale Solokarriere. Der endgültige Durchbruch gelang ihm als Gewinner des bedeutenden Internationalen Musikwettbewerbs der ARD in München und als 1. Preisträger des 3. Internationalen Maurice André Wettbewerbs, dem Grand Prix de la Ville de Paris.
Im Rahmen seiner Tourneen gastiert er zusammen mit namhaften Orchestern u.a. Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariinsky Theatre Symphony Orchestra, Russisches Nationalorchester, Konzerthausorchester Berlin, Czech Philharmonic, Wiener Symphoniker und international bedeutenden Kammerorchestern.
Als erster Trompetensolist weltweit interpretierte Gábor Boldoczki bei den Salzburger Festspielen die Trompetenkonzerte von Michael Haydn. Danach titelten die Salzburger Nachrichten: „Leichtzüngige Artikulation, höchste Beweglichkeit, extrem sicherer Ansatz, Koloraturkunst … ein Solist von solchem Rang veredelt jedes Musikwerk“.
Regelmäßig gastiert er in den bedeutenden Musikmetropolen Europas wie dem Musikverein Wien, dem Concertgebouw Amsterdam, der Philharmonie Berlin, dem Théâtre des Champs-Élysées in Paris, dem KKL Luzern, dem Palace of Arts in Budapest und der Great Hall des Konservatorium Moskau. Zudem folgt er Einladungen zu Konzerttourneen in die Vereinigten Staaten, nach Südamerika und Asien.
Neben seinem aktuellen Album „Versailles“, spielte er exklusiv für SonyClassical u.a. folgende Alben ein: „Bohemian Rhapsody“, „Tromba Veneziana“, „Bach“, „Italian Concerts“ sowie die Trompetenkonzerte von Haydn und Hummel. Für sein Album „Oriental Trumpet Concertos“ wurde der ungarische Trompetenvirtuose Gábor Boldoczki mit dem ICM Award für die beste zeitgenössische Einspielung und mit dem ECHO Klassik als „Instrumentalist des Jahres“ ausgezeichnet.
Gábor Boldoczki ist gefragter Solist für zeitgenössische Musik und deren Uraufführungen. Zusammen mit Gidon Kremer und der Kremerata Baltica interpretierte er beispielsweise die Welturaufführung von Georg Pelecis „Revelation“ beim Musikfestival Les muséiques in Basel. Bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern stellte er als weitere Uraufführung das Trompetenkonzert von László Dubrovay sowie als „Preisträger in Residence“ die Uraufführung des von Fazil Say komponierten Werkes für Trompete und Orchester vor. Des Weiteren präsentierte er bei den Musikfestspielen Saar die Welturaufführung des ersten Trompetenkonzerts von Krzysztof Penderecki.
Gábor Boldoczki wurde der Titel „Doctor Liberalium Artium“ von der Franz-Liszt-Musikakademie Budapest verliehen, an der er als Professor im Fach Trompete lehrt. Des Weiteren wurde Gábor Boldoczki mit dem „Franz Liszt Ehrenpreis“, der höchsten Auszeichnung des ungarischen Kultusministeriums im Fach Musik, mit dem Ehrenpreis „Musician of the Year“ der Ungarischen Akademie der Künste und dem von der Franz-Liszt-Musikakademie verliehenen Béla Bartók – Ditta Pásztory Preis, ausgezeichnet.
Sein vielseitiges Repertoire
reicht von Bach bis Penderecki, von Vivaldi über Schostakowitsch bis
Hindemith, Takemitsu, Ligeti und Arvo Pärt. Gábor Boldoczki spielt auf
B&S Instrumenten.
Gabetta Consort
Gabetta Consort ist ein Barockensemble, das auf Originalinstrumenten spielt. Mit einem Schwerpunkt auf italienischem und französischem Repertoire ist das Ensemble stets auf der Suche nach unveröffentlichten und originellen Werken, die es mit verschiedenen Repertoires und Musikstilen kombiniert – oft mit überraschenden und ungewöhnlichen Programmen als Ergebnis.
Mit der Gründung des Gabetta Consort im Jahr 2019 setzt Andrés Gabetta die Arbeit fort, die er 2010 mit der Cappella Gabetta begann. Die verschiedenen Besetzungen – vom Quintett bis zur Kammer-Sinfonie – basieren auf dem gemeinsamen musikalischen Verständnis und der Reife der Mitglieder, die seit über zehn Jahren eng zusammen musizieren.
Gabetta Consort tritt regelmäßig in renommierten Konzertsälen auf, darunter der Wiener Musikverein, die Berliner Philharmonie, die Kölner Philharmonie, das KKL Luzern und die Tonhalle Zürich. Dabei arbeitet das Ensemble mit namhaften Künstlerinnen und Künstlern wie Jakub Orliński, Franco Fagioli, Vivica Genaux, Gábor Boldoczki und Valer Sabadus zusammen.
Zum
Repertoire des Ensembles gehören Aufnahmen unveröffentlichter
Violinkonzerte, Bearbeitungen klassischer Werke aus neuen Perspektiven
sowie enge Kooperationen mit bedeutenden Künstlerinnen und Künstlern der
internationalen Musikszene.
Andrés Gabetta
Der Geiger Andrés Gabetta gilt als einer der brillantesten Barockmusiker seiner Generation. Stets auf der Suche nach einem vollen Klang und kontrastreichen Farben auf historischen Instrumenten, tritt er als Solist und Dirigent in den größten europäischen Konzertsälen (u.a. Elbphilharmonie, Berliner Philharmonie, Musikverein Wien, Philharmonie de Paris, Concertgebouw Amsterdam) und bei den wichtigsten internationalen Festivals (u.a. Salzburger Festspiele, Menuhin Festival in Gstaad, Schleswig-Holstein Musik Festival, Rheingau Musik Festival) auf. Dabei musiziert er mit Solisten wie Cecilia Bartoli, Franco Fagioli, Sol Gabetta, Julia Lezhneva, Vivica Geneaux, Simone Kermes, Giuliano Carmignola, Maurice Steger, Gábor Boldoczki, Sergej Nakariakov oder Christophe Coin.
Andrés Gabetta hat eine originelle Interpretation und Präsentation berühmter Werke (Vivaldis Vier Jahreszeiten, Piazzollas Jahreszeiten) entwickelt und gleichzeitig noch unveröffentlichte Stücke des Barockrepertoires (Violinkonzerte von Timmer, Umstatt, Ragazzi) erforscht. Seine Diskografie wurde mit zahlreichen renommierten Preisen ausgezeichnet (Grammy, Prix Choc, Diapason d'Or).
Andrés Gabetta debütierte 2006 als Konzertmeister beim Ensemble baroque de Limoges und anschließend beim Basler Kammerorchester, bevor er 2010 die Cappella Gabetta und 2019 das Gabetta Consort gründete. 2017 arbeitete er zum ersten Mal für die CD-Aufnahme Dolce Duello mit Cecilia Bartoli zusammen. Kurze Zeit später lud sie Andrés Gabetta als Solist zu ihrer Vivaldi-Europatournee ein. Seither verbindet ihn eine enge künstlerische Zusammenarbeit mit Cecilia Bartoli, die ihn regelmäßig als Solist und Dirigent ihres Orchesters, Les Musiciens du Prince, einlädt.
Als Dirigent gastiert Andrés Gabetta außerdem regelmäßig bei namhaften Barockorchestern wie dem Barockorchester von Sevilla, dem Orchestre des Lumières, dem Orchestra della Magna Regina oder dem Orchester der Königlichen Oper von Versailles.