03.05.25
Jerusalem International Chamber Music Festival – Elena Bashkirova & Friends I
Samstag, 3. Mai 2025 , 18 Uhr
Mohamed Hiber – Violine
Madeleine Carruzzo – Violine
Adrien La Marca – Viola
Astrig Siranossian – Violoncello
Pablo Barragán – Klarinette
Elena Bashkirova – Klavier
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Konzertdauer: ca. 40 Min. │ Pause │ ca. 45 min.
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Hanns Eisler (1898 – 1962)
Duo für Violine und Cello op, 7/1
I. Tempo di Menuetto
II. Allegretto vivace
Fanny Hensel (1805 – 1847)
Aus dem Klavierzyklus „Das Jahr“
4. April. Capriccioso
5. Mai. Frühlingslied
6. Juni. Serenade
7. Juli. Larghetto
Béla Bartók (1881 – 1945)
„Contrasts“ für Violine, Klarinette und Klavier
I. Verbunkos (Werbungstanz) Moderato, ben ritmato
II. Pihenö (Ruhepause) Lento
III. Sebes (Schneller Tanz) Allegro vivace
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PAUSE
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Johannes Brahms (1833 – 1897)
Klarinettenquintett h-Moll op. 115
I. Allegro
II. Adagio
III. Andantino – Presto non assai, ma con sentimento
IV. Con moto
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Zwischen Hanns Eisler und seinem Kompositionslehrer Arnold Schönberg
(von 1919 bis 1923) kam es 1925 zum Zerwürfnis. In einem Gespräch, das
er auf einer Zugreise mit Alexander Zemlinsky führte, äußerte Eisler
sich abfällig über den Neue-Musik-Betrieb. Von Zemlinsky darüber
informiert, fasste Schönberg dies als Distanzierung von ihm und seiner
Zwölfton-Methode auf. Eislers Klärungsversuch scheiterte, erst im
amerikanischen Exil näherten die beiden sich trotz konträrer politischer
Einstellungen wieder einander an. Eisler und Zemlinsky kamen bei dieser
verhängnisvollen Zugreise aus Venedig, wo beim Musikfest der
Internationalen Gesellschaft für Neue Musik Eislers Duo für Violine und
Violoncello op. 7/1 uraufgeführt worden war. 1924 komponiert, scheint
das zweisätzige, in der Balance beider Instrumente meisterhaft gelungene
Werk in seiner konzisen atonalen Faktur auf den ersten Blick ganz den
Geist des Lehrers Schönberg zu atmen. Doch beim genauen Hinhören ist
etwas von jenem „koboldisch ungewissen und ambivalenten Ton“ spürbar,
den der Musikphilosoph Theodor W. Adorno schon an Eislers ein Jahr zuvor
entstandenen Klavierstücken op. 3 festgestellt hatte und den man als
erste Anzeichen einer Abnabelung auffassen kann. Das eröffnende Tempo di
Menuetto strahlt bei aller formalen Strenge und harmonischen Herbheit
einen melancholischen Witz aus, der im anschließenden Allegretto vivace
bisweilen grimmige Züge annimmt.
„Jetzt mache ich eine andre
kleine Arbeit, an der ich viel Spaß habe, nämlich eine Reihe von 12
Clavierstücken, die die Monate vorstellen sollen…“ In einem Brief vom
November 1841 berichtete Fanny Hensel, geb. Mendelssohn, von jener
„kleinen Arbeit“, die eines ihrer bedeutendsten Werke werden sollte. Der
Klavierzyklus „Das Jahr“ vereint zwölf Charakterstücke, die einerseits
die Stimmungen der jeweiligen Monate feinsinnig einfangen, andererseits
mit übergreifenden Motiven zu einer lockeren Einheit verbunden sind. So
folgen der April – ein wechselhaftes Capriccioso mit virtuosem Mittelteil –
und der Mai – ein luftiges Frühlingslied mit dramatischen Untertönen –
nahtlos aufeinander und teilen das eröffnende Motiv. Der nachdenklichen
Juni-Serenade folgt für den Juli ein grüblerisches Larghetto mit
Donnergrollen in der Basslage. Den Monaten jeweils vorangestellt sind
kurze poetische Motti:
April: „Der Sonnenblick betrüget / Mit mildem falschem Schein.“
Mai: „Nun blüht das fernste, tiefste Thal.“
Juni: „Hör’ ich Rauschen, hör’ ich Lieder / Hör’ ich holde Liebesklage?“
Juli: „… Die Fluren dürsten / Nach erquickendem Thau. / der Mensch verschmachtet.“
Im
Jahr 1939, kurz vor seinem erzwungenen Exil in die USA, erhielt Béla
Bartók den Auftrag, für seinen Landsmann und langjährigen Freund, den
Geiger Joseph Szigeti und den berühmten, im Jazz wie in der Klassik
beheimateten Klarinettisten Benny Goodman ein Werk zu schreiben.
„Contrasts“ nannte Bartók das dreisätzige Stück, in dem er beiden
Solisten jeweils eine Kadenz mit der Möglichkeit zu individueller
Entfaltung bot: der Klarinette gegen Ende des ersten, der Violine gegen
Ende des dritten Satzes. Bartók hob die „Kontraste“ 1940, nach seiner
Übersiedelung, in seiner vollständigen Form dann auch selbst als Pianist
zusammen mit Szigeti und Goodman in New York aus der Taufe. In
konzentriertester Form zieht Bartók hier eine Synthese seiner
avanciert-modernistischen Stilperiode auf der einen und seiner auf
eigener Feldforschung basierenden volksmusikalischen Prägung auf der
anderen Seite. Die im Titel genannten Kontraste ergeben sich zum einen
innerhalb der ungewöhnlichen Instrumentenkonstellation, zum anderen in
Gestalt oft abrupter Stimmungswechsel zwischen lyrisch zurückgenommenen
und expressiv aufgeladenen, in den Ecksätzen rhythmisch prägnanten
Passagen. Dem folkloristisch gefärbten „Verbunkos“ (Werbungstanz) folgt
mit „Pihenö“ (Ruhepause) ein bisweilen düster-resignatives Innehalten,
ehe der „Sebes“ (Schneller Tanz) – von einer leicht gespenstisch
verhangenen Episode unterbrochen – einen wiederum volksmusikalisch
inspirierten, atemlosen Wirbel entfesselt.
Im März 1891 – der
Komponist sah sein kompositorisches Schaffen eigentlich schon als
abgeschlossen an – lernte Johannes Brahms den Meininger Klarinettisten
Richard Mühlfeld kennen. Dessen virtuoses, klangschönes Spiel
inspirierten ihn zu vier späten Kammermusikwerken, von denen das
Klarinettenquintett h-Moll op. 115 zum Inbegriff von Brahms’
abgeklärtem, in sich ruhenden Spätstil geworden ist. Mit dem Motto zu
Beginn des ersten Satzes präsentiert Brahms zwei Motive, aus denen er
einen Großteil des thematischen Materials für das ganze Werk ableitet.
Diese untergründige Einheitlichkeit spiegelt sich auch in der
Instrumentierung wider. Denn keineswegs dominiert die Klarinette den
fünfstimmigen Satz, eher färbt sie über weite Strecken den Gesamtklang,
rundet ihn warm leuchtend ab. So präsentiert sich – trotz aller Klarheit
der Form – Brahms’ Spiel mit Abwandlung und Umdeutung des motivischen
Grundmaterials weniger als permanente, zielgerichtete Entwicklung denn
als ein melancholisch-gelassenes Kreisen. In diesem Kreisen kann sich
aber auch erhebliche expressive Energie aufstauen, die sich dann
beispielsweise im ersten Satz so entlädt wie in der Überleitung zum
zweiten Thema: eine zunächst markant punktierte, dann scharf
artikulierte Unisonopassage, die sich in Triolenketten beschleunigt.
Bezeichnend für den lyrischen Grundton des Werks ist dann aber die
Durchführung, wo Brahms diese Passage nun nicht im selben Tonfall
aufgreift und weiterentwickelt, sondern vielmehr sanft nach Dur wendet
und so in einen innigen Ruhepunkt verwandelt. Noch stärker in sich
gekehrt ist zunächst das herrliche Adagio, dessen Mittelteil die
Klarinette nun aber einmal in einer ganz neuen Rolle präsentiert: als
virtuos, rhapsodisch frei aufspielendes Soloinstrument in jenem Stil,
den man zu dieser Zeit als „alla Zingarese“ bezeichnete. Formal
überrascht uns Brahms im kurzen dritten Satz, in dem er anstelle eines
Scherzos mit Trio einer Andantino-Einleitung einen Presto-Hauptteil
folgen lässt, der zwischen Mendelssohn’scher Leichtigkeit und schroffen
Zuspitzungen changiert. Das Finale gestaltet Brahms als Variationensatz,
wobei in der ersten Variation das Cello und in der zweiten zunächst
erste Violine und Bratsche die Führung übernehmen. Die dritte Variation
wird von Figurationen in erster Geige und Klarinette bestimmt, die
vierte wendet sich nach Dur, die fünfte bereitet in den
Sechzehntelbewegungen der Klarinette die Wiederkehr des Motto-Beginns
vor, mit der sich der Kreis schließt.
Dr. Juan Martin Koch (c) Kulturwald gGmbH 2025