04.05.25
Jerusalem International Chamber Music Festival – Elena Bashkirova & Friends II
Sonntag, 4. Mai 2025, 11 Uhr
Mohamed Hiber – Violine
Madeleine Carruzzo – Violine
Adrien La Marca – Viola
Astrig Siranossian – Violoncello
Elena Bashkirova – Klavier
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Konzertdauer: ca. 45 Min. │ Pause │ ca. 40 min.
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Bohuslav Martinů (1890 – 1959)
Duo Nr. 1 für Violine & Violoncello
I. Preludium. Andante moderato
II. Rondo. Allegro con brio
Antonín Dvořák (1841 – 1904)
Aus „Poetische Stimmungsbilder“ für Klavier op. 85
1. Nächtlicher Weg
8. Koboldstanz
9. Serenade
Antonín Dvořák (1841 – 1904)
Terzetto C-Dur für zwei Violinen und Viola op. 74
I. Introduzione. Allegro ma non troppo
II. Larghetto
III. Scherzo. Vivace
IV. Tema con variazioni
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PAUSE
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Antonín Dvořák (1841 – 1904)
Klavierquintett Nr. 2 A-Dur op. 81
I. Allegro, ma non tanto
II. Dumka. Andante con moto
III. Scherzo (Furiant). Molto vivace
IV. Finale. Allegro
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Bohuslav Martinů war 1923 unter anderem deshalb von Prag nach Paris gezogen, um durch den Unterricht bei Albert Roussel und im Kontakt mit verschiedensten musikalischen Stilistiken seinen kompositorischen Horizont zu erweitern. So entwickelte er eine ganz eigene, von seinen tschechischen Wurzeln und den aktuellen modernistischen Strömungen gleichermaßen beeinflusste Musiksprache, für die das 1927 entstandene Duo für Violine und Violoncello ein prägnantes Beispiel darstellt. Das Preludium hebt ruhig elegisch an, steigert sich aber rasch in Ausdruck und Dichte der Textur. Das Anfangsthema kehrt als Höhepunkt in Doppelgriffen wieder, ehe der verhaltene Anfangscharakter wieder erreicht ist, der jedoch von Trillern des Cellos gleichsam unterminiert wird. Das deutlich längere Rondo ist von vorwärts drängenden Triolenketten und folkloristischen Rhythmen geprägt, die ins Grimmige umschlagen. Beide Instrumente werden immer enger miteinander verzahnt, ehe eine ausgedehnte Kadenz für das Cello die Duo-Struktur auflöst. Über dessen Doppelgriff-Triller gesellt sich – ebenfalls hochvirtuos – die Violine hinzu, ehe das Werk forsch zupackend endet.
Antonín Dvořák wird in der Regel nicht mit Klaviermusik in Verbindung gebracht, wahrscheinlich weil er keine große, „ernst zu nehmende“ Klaviersonate geschrieben hat. Insofern ist es durchaus erhellend, was der Komponist in einem Brief im Zusammenhang mit seiner 13 Stücke umfassenden Klaviersammlung „Poetische Stimmungsbilder“ op. 85 von 1889 schrieb: „… denn diesmal bin ich nicht nur absoluter Musiker, sondern Poet.“ Dvořák deutete mit „nicht nur“ offenbar an, dass er zwischen absoluter, also gewissermaßen abstrakter Musik und poetischer, außermusikalischer Inspiration keinen Widerspruch sah. Die Stücke der Sammlung sind bei aller Bildhaftigkeit formal klar gefügt, so auch die Nummer 1, „Nächtlicher Weg“. Innerhalb der Bogenform mit drei kontrastierenden Abschnitten dienen die eröffnenden, lange gehaltenen Akkorde als überleitende Scharniere. Die Nummer 8 erweist sich mit kecker Rhythmik und manch verschrobener Harmonik als veritabler „Koboldstanz“, im Mittelteil schlägt Dvořák aber überraschend schwärmerische Töne an. Die Nummer 9 ist eine wunderbar ausgesungene „Serenade“, die sich zwischenzeitlich versonnen im 6/8-Takt wiegt. Während die Pianistik in anderen Stücken durchaus zur Virtuosität eines Chopin oder Liszt tendiert, scheint Dvořák hier auf Mendelssohns „Lieder ohne Worte“ zurückzublicken.
Zwei Jahre vor den „Poetischen Stimmungsbildern“, im Jahr 1887, komponierte Antonín Dvořák mit dem Terzetto C-Dur op. 74 ein Streichtrio in ungewöhnlicher Besetzung: Statt der üblichen Kombination aus Violine, Viola und Violoncello wählte er (von befreundeten Musikern animiert) die Zusammenstellung von zwei Violinen und Viola. Der erste Satz, der – unterbrochen von bewegteren Passagen – um das wunderbar sangliche Eröffnungsthema kreist, dient als Introduktion zum pausenlos folgenden Larghetto. Vor allem hier verleiht Dvořák dem Werk durch Verharren in den hohen Lagen der Instrumente einen besonderen, hell schimmernden Klang. Der Mittelteil ist rhythmisch kontrastierend angelegt, von der nun auch tiefer gehenden Viola grundiert, ehe sich das Klangbild wieder zu höheren Gefilden hin orientiert. Das Scherzo ist von Dvořák-typischen, volksmusikalisch inspirierten Rhythmusüberlagerungen gekennzeichnet, ein nachdenklich schwärmerisches Trio bildet den vorübergehenden Gegenpol dazu. Auf engstem Raum loten schließlich die finalen Variationen die satztechnischen Möglichkeiten der besonderen Besetzung aus. Das von Moll nach Dur sich wendende Thema wird von allen Seiten beleuchtet und entfaltet eine verblüffende expressive Bandbreite. Den dramaturgischen Höhepunkt bildet dabei ein quasi-vokales Rezitativ der ersten Violine über erregten Tremoli der beiden anderen Streicher.
Im Gegensatz zu den wenig bekannten „Poetischen Stimmungsbildern“ und zum „Terzetto“ ist Dvořáks zweites Klavierquintett A-Dur op. 81 von 1887 ein anerkanntes Meisterwerk der Kammermusik des 19. Jahrhunderts. Eigentlich hatte der Komponist sein erstes, 15 Jahre älteres Klavierquintett in der gleichen Tonart überarbeiten wollen, schrieb stattdessen aber ein komplett neues Werk. In der viersätzigen Großform werden die weit ausgreifenden ersten beiden Sätze (Allegro und Dumka) von zwei kürzeren (Scherzo und Allegro) ausbalanciert. Das vom Cello über wiegender Klavierbegleitung präsentierte elegische Hauptthema wird bald um einen dramatischen Gedanken erweitert, dessen charakteristische Punktierung den ersten Satz ebenso prägt wie der Kontrast zwischen sehnsuchtsvoller Sanglichkeit und zupackender, fast symphonischer Dramatik. Das erstmals von der Viola vorgestellte zweite Thema fügt diesem Kontrastprinzip eine weitere Facette hinzu. Gegensätze sind auch für den zweiten Satz kennzeichnend, der dem von Dvořák gerne verwendeten, aus der ukrainischen Volksmusik stammenden Modell der Dumka folgt. Einem melancholisch getragenen, insgesamt viermal Mal erklingenden instrumentalen Lied werden zwei raschere Abschnitte gegenübergestellt, wobei das atemlose Vivace als Mittelteil vom Hauptthema abgeleitet ist. Das Scherzo ist ein böhmischer Furiant, wobei Dvořák den für diesen Tanz charakteristischen Wechsel zwischen Zweier- und Dreiermetrum zugunsten einer durchlaufenden Bewegungsenergie eher verschleiert als betont. Auch hier speist sich das motivische Material des einem Trio entsprechenden Mittelteils aus dem Hauptgedanken. Tänzerische Spielfreude durchzieht dann auch das Finale, wobei die markanten Punktierungen zwischenzeitlich an den ersten Satz zurückerinnern. Ein Fugato treibt den Vorwärtsdrang auf die Spitze, ein kurzer Moment des Innehaltens zögert den furiosen Schluss heraus.
Dr. Juan Martin Koch (c) Kulturwald gGmbH 2025