31.01.26
Jörg Widman & Hagen Quartett
Samstag, 31. Januar 2026, 18 Uhr
Lukas Hagen
– Violine
Rainer Schmidt – Violine
Veronika Hagen – Viola
Clemens Hagen –Violoncello
Jörg Widmann – Klarinette
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Konzertdauer: ca. 45 min │Pause │ca. 35 min
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Wolfgang Amadé Mozart (1756–1791)
Streichquartett D-Dur KV 575
I. Allegretto
II. Andante
III. Menuetto. Allegretto – Trio
IV. Allegretto
Anton Webern (1883–1945)
Fünf Sätze für Streichquartett op. 5
1. Heftig bewegt
2. Sehr langsam
3. Sehr bewegt
4. Sehr langsam
5. In zarter Bewegung
Sechs Bagatellen für Streichquartett op. 9
1. Mäßig
2. Leicht bewegt
3. Ziemlich fließend
4. Sehr langsam
5. Äußerst langsam
6. Fließend
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PAUSE
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Wolfgang Amadé Mozart (1756–1791)
Klarinettenquintett A-Dur KV 581
I. Allegro
II. Larghetto
III. Menuetto –Trio I – Trio II
IV. Allegretto con variazioni
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Eigentlich hätten es sechs „Preußische Quartette“ werden sollen. Wolfgang Amadé Mozart – 1789 wieder einmal in Geldnöten – wollte die Sammlung auf eigene Kosten publizieren und dem preußischen König Friedrich Wilhelm II. widmen, verbunden mit der Hoffnung auf entsprechende Honorierung. Diese Aussicht zerschlug sich jedoch und Mozart beließ es bei drei Werken, die dann 1791 kurz nach seinem Tod als „drey neue konzertante Quartette“ erschienen. Das erste dieser Gruppe, das D-Dur-Quartett KV 575, zeigt, wie Mozart mit klar umrissenen Formverläufen, sanglicher Thematik und einem dankbaren Cellopart auf die Vorlieben des Königs einging, der sich als beachtlicher Amateurcellist betätigte. Satztechnisch sind dabei aber keinerlei Kompromisse zu verzeichnen: Mozart behandelt die vier Instrumente gleichberechtigt und durchsetzt insbesondere das finale Allegretto-Rondo, dessen Hauptthema auf das des ersten Satzes verweist, mit kontrapunktischer Feinarbeit, ohne das Gefüge zu überfrachten. Serenadenanklänge durchziehen den kompakten langsamen Satz, der melodisch-harmonisch an Mozarts berühmtes Lied „Das Veilchen“ erinnert.
Anfang des 20. Jahrhunderts
ereignete sich eine der faszinierendsten Übergangszeiten der
Musikgeschichte: Arnold Schönberg und seine Schüler, darunter Anton
Webern, wandten sich von der Spätromantik ab, in der die Möglichkeiten
des harmonisch-tonalen Systems bis kurz vor dessen Auflösung ausgereizt
worden waren. Der Schritt zur so genannten „freien Atonalität“, den sie
vollzogen, war auch formal radikal, wie Weberns Fünf Stücke für
Streichquartett op. 5 (1909) und vor allem seine Sechs Bagatellen für Streichquartett (1911/1913) exemplarisch zeigen: An die Stelle ausladender
Monumentalformen treten Miniaturen, in deren knappen Gesten ein
Äußerstes an Ausdruck verdichtet erscheint. Während man in den Fünf
Stücken noch Reste von Satzverläufen erkennen kann, sind diese in Opus 9
endgültig getilgt. Arnold Schönberg hat dies in seinem Vorwort zu
Weberns Bagatellen in legendärer Weise auf den Punkt gebracht: „Man
bedenke, welche Enthaltsamkeit dazu gehört, sich so kurz zu fassen.
Jeder Blick läßt sich zu einem Gedicht, jeder Seufzer zu einem Roman
ausdehnen. Aber: einen Roman durch eine einzige Geste, ein Glück durch
ein einziges Aufatmen auszudrücken: zu solcher Konzentration findet sich
nur, wo Wehleidigkeit in entsprechendem Maße fehlt. Diese Stücke wird
nur verstehen, wer dem Glauben angehört, daß sich durch Töne etwas nur
durch Töne Sagbares ausdrücken läßt.“
Als Mozart 1789 sein
Klarinettenquintett in A-Dur KV 581 komponierte, war die Klarinette ein
noch verhältnismäßig junges Instrument. Dass Mozart sich besonders dafür
interessierte und mit dem Quintett, dem Kegelstatt-Trio und dem
Klarinettenkonzert die ersten bedeutenden Werke schuf, lag an seiner
Freundschaft mit dem begnadeten Klarinettisten Anton Stadler. Die
Bandbreite seiner Fähigkeiten komponiert Mozart in seinem Quintett
hinreißend aus, ohne dass dadurch ein Kammerkonzert entstünde. Vielmehr
achtet Mozart auf eine genaue Balance innerhalb des vom Zusatzinstrument
dunkel abgetönten fünfstimmigen Satzes, gibt der Klarinette aber
natürlich immer wieder herausgehobene Passagen: im ersten Satz etwa die
melancholische Einfärbung des zweiten Themas oder die melodische Führung
im Larghetto über den gedämpften Streichern – eine Stimmung, die auf
den langsamen Satz des Klarinettenkonzerts vorausblickt. Im ersten Trio
des Scherzo schweigt die Klarinette, um im zweiten Trio umso prägnanter
hervorzutreten. Im berühmten Variationenfinale sind die Soli dann
gleichmäßig im Ensemble verteilt, wobei das erste der Klarinette und die
Mollvariation die Bratsche in den Mittelpunkt stellt. Auf geradezu magische Weise
greift die Adagio-Variation die Atmosphäre des langsamen Satzes wieder
auf, ehe das Werk nach einer nachdenklichen Überleitung wohlgelaunt
seinem Ende zuwirbelt.
Dr. Juan Martin Koch (c) Kulturwald gGmbH 2026
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Jörg Widmann
Jörg Widmann ist einer der bemerkenswertesten und vielseitigsten Künstler seiner Generation. Von 2026 an ist er der neue Künstlerische Leiter der Lucerne Festival Academy, die seit ihrer Gründung 2004 durch Pierre Boulez eine zentrale Säule für die zeitgenössische Musik innerhalb dieses Festivals ist. In der Saison 2025/26 ist er weltweit in all seinen Facetten als Klarinettist, Dirigent und Komponist zu erleben, unter anderem in seiner dritten Saison als Erster Gastdirigent der NDR Radiophilharmonie. Darüber hinaus ist er Associated Conductor des Münchener Kammerorchesters und Artistic Partner der Sinfonietta Riga.
Nach wichtigen Dirigaten beim Seoul Philharmonic Orchestra und Orquesta y Coro Nacionales de España führt ihn ein Schwerpunkt der Saison 2025/26 in die USA: Erstmals wird er das Cleveland Orchestra mit seiner und Mendelssohns Musik dirigieren. Zudem ist er am Pult der Sinfonieorchester von Atlanta und Detroit zu erleben. Weitere Gastdirigate führen ihn zum Oslo Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Orchestre Philharmonique de Radio France, Radio Filharmonisch Orkest, National Symphony Orchestra Taiwan, Budapest Festival Orchestra und zu den Bamberger Symphonikern. In seiner Eigenschaft als Associated Conductor ist er mit dem Münchener Kammerorchester auf Tournee in Südamerika.
Einen Akzent setzt im Feburar 2026 das Jörg Widmann gewidmete Klarinettenkonzert Zones of Blue von Olga Neuwirth, das er mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Sir Simon Rattle uraufführen wird. Eine weitere Facette ist die Uraufführung von Jörg Widmanns neuer Komposition Jupiter-Etüde im Rahmen des Mozartfests Würzburg im Juni 2026.
Langjährige Kammermusikpartner wie Isabelle Faust, Pierre-Laurent Aimard, Carolin Widmann und das Hagen Quartett, Signum Quartett und Amabile Quartet werden zusammen mit Jörg Widmann unter anderem in der Elbphilharmonie Hamburg, Philharmonie Essen, Muziekgebouw, Konzerthaus Wien, Auditorio Nacional de Música, Toppan Hall und dem Boulez Saal musizieren.
Bei den Donaueschinger Musiktagen 2015 brachte Widmann das Klarinettenkonzert über von Mark Andre zur Uraufführung. Weitere ihm gewidmete und für ihn geschriebene Klarinettenkonzerte sind Wolfgang Rihms Musik für Klarinette und Orchester (1999) und Aribert Reimanns Cantus (2006).
Dirigenten wie Daniel Barenboim, Daniel Harding, Kent Nagano, Franz Welser-Möst, Christian Thielemann, Iván Fischer, Andris Nelsons und Sir Simon Rattle bringen seine Musik regelmäßig zur Aufführung. Orchester wie die Wiener and Berliner Philharmoniker, New York Philharmonic, Concertgebouw Orchestra Amsterdam, Cleveland Orchestra, Orchestre de Paris, London Symphony Orchestra und viele andere haben seine Musik uraufgeführt und regelmäßig in ihrem Konzertrepertoire. In der Saison 2023/24 war Jörg Widmann Composer in Residence der Berliner Philharmoniker. Den fulminanten Abschluss der Residenz bildete die Uraufführung seines Hornkonzerts mit Stefan Dohr als Solisten und den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Sir Simon Rattle.
Ausgebildet von Gerd Starke in München und Charles Neidich an der Juilliard School New York war Jörg Widmann selbst Professor für Klarinette und Komposition an der Freiburger Musikhochschule. Seit 2017 bekleidet Widmann einen Lehrstuhl für Komposition an der Barenboim-Said Akademie Berlin. In Anerkennung seiner Verdienste um die Musik wurde er im Juni 2024 zum Mitglied der Royal Swedish Academy of Music ernannt. Er war Fellow des Wissenschaftskollegs zu Berlin und ist Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, der Freien Akademie der Künste Hamburg (2007) und der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (2016) und erhielt im Februar 2023 die Ehrendoktorwürde der University of Limerick, Irland. Im Juli 2025 wurde Jörg Widmann zum Präsidenten der Internationalen Max-Reger-Gesellschaft gewählt.
Komposition
studierte Jörg Widmann bei Kay Westermann, Wilfried Hiller, Hans Werner
Henze und Wolfgang Rihm. Sein Schaffen wurde vielfach ausgezeichnet,
zuletzt mit dem renommierten Bach-Preis der Freien und Hansestadt
Hamburg, wie auch mit dem Musikpreis der Landeshauptstadt München.
Hagen Quartett
Nach Konzerten der „vier Salzburger Weltklasse-Streicher“ (Hamburger Abendblatt) herrscht „fast minutenlang absolute Stille, im Bewusstsein, etwas Außergewöhnliches erlebt zu haben“. So beschreibt es die Presse. Den Zuhörern bleibt „nur der Wunsch: Möge es nie enden.“
Das Hagen Quartett setzt in der Saison 2025/26 einen Schwerpunkt auf die großen Streichquartette und das Streichquintett von Franz Schubert. Neben diesen Werken werden auch Quartette von Schostakowitsch, Mozart, Haydn, Beethoven, Webern und J.S. Bach sowie das Klavierquintett von Brahms und Klarinettenquintette von Mozart, Brahms und Widmann zu erleben sein. Tourneen führen das Hagen Quartett nach Frankreich, Norwegen, Deutschland, Italien, Polen, Niederlande, Schweiz, Österreich, Belgien, Südkorea, Taiwan und nach Japan. Neben seinem Zyklus im Wiener Konzerthaus spielt das Hagen Quartett u.a. bei den Salzburger Festspielen, in der Cité de la musique Paris, in der Elbphilharmonie Hamburg, im KKL Luzern, im Pierre Boulez Saal Berlin, in der Toppan Hall Tokyo und bei der Schubertiade in Schwarzenberg. Im Sommer 2026 beendet das Hagen Quartett seine mehr als vier Jahrzehnte andauernde Karriere.
Die beispiellose Geschichte des Hagen Quartetts begann 1981. Die ersten Jahre waren geprägt von Wettbewerbserfolgen und einem Exklusivvertrag mit der Deutschen Grammophon. Im Laufe der jahrzehntelangen Zusammenarbeit entstanden zahlreiche Aufnahmen zur Erkundung des schier unendlichen Quartett-Repertoires, aus denen sich das unverwechselbare Profil des Hagen Quartetts entwickelte. Auch die nachfolgenden Aufnahmen beim Label myrios classics wurden von der internationalen Kritik gelobt und mit bedeutenden Preisen ausgezeichnet. Das Hagen Quartett ist seit 2012 Ehrenmitglied des Konzerthauses Wien und erhielt 2019 den Concertgebouw Amsterdam Prijs für sein langjähriges künstlerisches Wirken.
Das Repertoire des Quartetts besteht aus reizvollen und intelligent kombinierten Programmen, die die gesamte Geschichte des Streichquartetts umspannen. Darüber hinaus widmet sich das Hagen Quartett Uraufführungen von Komponisten seiner Generation. Die Zusammenarbeit mit Künstlern wie Nikolaus Harnoncourt und György Kurtág ist dem Hagen Quartett ebenso wichtig wie gemeinsame Konzertauftritte mit Maurizio Pollini, Mitsuko Uchida, Krystian Zimerman, Heinrich Schiff, Jörg Widmann, Kirill Gerstein, Sol Gabetta und Gautier Capuçon.
Für viele junge Streichquartette ist das Hagen Quartett ein Vorbild in Bezug auf Klangqualität, stilistische Vielfalt, Zusammenspiel und ernsthafte Auseinandersetzung mit den Werken und Komponisten ihrer Gattung. Als Lehrer und Mentoren am Salzburger Mozarteum, an der Hochschule Basel und bei internationalen Meisterkursen geben sie diesen Erfahrungsschatz an ihre jüngeren Kollegen weiter.
Das Hagen Quartett spielt auf alten italienischen Meisterinstrumenten.