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20.03.26

László Fenyö & ROK Polnisches Kammerorchester Radom

Freitag, 20. März 2026, 19 Uhr

László Fenyö – Violoncello
ROK Polnisches Kammerorchester Radom
Jurek Dybal – Leitung

Witold Lutosławski (1913–1994)
Ouvertüre für Streicher

Enjott Schneider (*1950)
Sulamith. Danses sacrées
für Violoncello und Streichorchester
I. „Schwarz bin ich, doch schön“
II. Der Reigen zu Mahanaim
III. „Stark wie der Tod ist die Liebe“

Aulis Sallinen (*1935)
Chamber Music III –
The Nocturnal dances of Don Juanquixote 
für Violoncello und Streichorchester op. 58

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PAUSE
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Grażyna Bacewicz (1909–1969)
Concerto für Streicher
I. Allegro
II. Andante
III. Vivo

Joseph Haydn (1732–1809)
Cellokonzert Nr. 1 C-Dur Hob VIIb:1
I. Moderato
II. Adagio
III. Allegro molto

Konzert in Zusammenarbeit mit der PWM-Edition im Rahmen des TUTTI.pl-Förderprogramms zur Unterstützung der polnischen Musikaufführung
Ministry of Culture and National Heritage Republic of Poland
Adam Mickiewicz Institute
visitRadom.pl

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Witold Lutosławskis Ouvertüre für Streicher, 1949 als Auftragswerk für Paul Sacher und das Basler Kammerorchester entstanden, stammt aus der ersten Schaffensperiode des polnischen Komponisten und zeigt diesen noch auf der Suche nach seiner ganz eigenen musikalischen Sprache. In diesem Fall orientierte er sich unter anderem an zwei berühmten Kollegen, die einige Jahre zuvor ebenfalls im Auftrag Sachers geschrieben hatten: Béla Bartók (Divertimento) und Igor Strawinsky (Concerto in D). Der neoklassizistisch gefärbte, dicht durchgearbeitete Sonatensatz arbeitet mit drei Themen, von denen zwei auf verschiedenen Achtton-Skalen basieren. Nach der Durchführung werden sie in umgekehrter Reihenfolge rekapituliert.

Enjott Schneider hat sich neben seiner Tätigkeit als Filmkomponist (darunter „Herbstmilch“, „Stalingrad“ und „Schlafes Bruder“) auch intensiv der Musik für den Konzertsaal und der geistlichen Musik gewidmet. Beides verbindet sich in gewisser Weise in seinem konzertanten Werk „Sulamith – Danses sacrées“. Diese „geistlichen Tänze“ für Violoncello und Orchester – 2014 von ihrem Widmungsträger László Fenyö uraufgeführt – sind klangsinnliche Reflexionen über das biblische, der geheimnisvollen Braut Sulamith gewidmete „Hohelied der Liebe“ aus dem ersten Korintherbrief. In drei Sätzen geht Schneider den Facetten dieses Textes nach, und das in einer Form, in der – so der Komponist – „die Körperlichkeit des Tanzens einem existentiellen Inhalt anscheinend widersprüchlich begegnet“.

Noch stärker tritt der tänzerische Charakter in Aulis Sallinens Chamber Music III für Violoncello und Streichorchester von 1986 zutage, im Untertitel als „Nocturnal dances of Don Juanquixote“ bezeichnet. Die Tanzelemente (auch ein Tango ist darunter), die dem Violoncello vielgestaltige Solopassagen ermöglichen, werden hier immer wieder von Nachtstimmungen umspült – eine Mehrdeutigkeit, die dem Doppelporträt jener beiden Archetypen aus der spanischen Literatur entspricht, die der Untertitel heraufbeschwört: In einer Person ist das Cello somit sowohl Draufgänger Don Juan als auch Don Quijote, Ritter von der traurigen Gestalt. Dabei werden jedoch keine Episoden ihres literarischen Lebens nacherzählt, vielmehr lässt uns Sallinen in seinem hochgradig unterhaltsamen Kabinettstück Freiräume für Assoziation und Fantasie.

Hörten wir in Lutosławskis Ouvertüre noch einen Komponisten auf dem Weg zu sich selbst, so erleben wir im Concerto für Streicher das Meisterwerk einer selbstbewussten Künstlerin. Grażyna Bacewicz war knapp 40 Jahre alt, als sie es im Jahr 1948 komponierte. Da blickte sie schon auf eine glänzende Karriere mit Preisen für ihre Werke und europaweiten Konzerten als Geigerin zurück. Nachdem sie schon während des Krieges Teil des im Untergrund agierenden Warschauer Musiklebens gewesen war, war sie auch danach eine seiner wichtigsten Protagonistinnen. Das kompakte, 15-minütige Streicherkonzert trägt im Kopfsatz Züge eines barocken Concerto grosso, dessen erster Abschnitt mit seiner Toccata-artigen Motorik wie ein Präludium wirkt. Solopassagen in Violine und Violoncello über flirrenden, am Steg gespielten Tremoloflächen leiten zum markant punktierten Hauptthema des Satzes mit Pizzicato-Akkorden über. Im weiteren Verlauf entwickelt Bacewicz diese Elemente weiter und greift auch im langsamen Mittelsatz darauf zurück. So sind in den gedämpften Tremoli nun Elemente der Toccata-Motivik und in der Melodielinie des Solocellos Umrisse der Soli des ersten Satzes erkennbar. Beinahe magische Züge nimmt dieses Andante dann dadurch an, dass Bacewicz den Streichersatz in bis zu 17 eigenständige Stimmen auffächert. Das Ergebnis ist ein dichter, sich inwendig verzweigender Klangkörper, der organisch zu atmen scheint. Die tänzerische 6/8-Rhythmik des dritten Satzes bricht die Komponistin durch wechselnde Takteinteilungen und -schwerpunkte immer wieder auf, sodass der musikantische Schwung nie ins Gleichförmige umschlägt. Zurückgenommene Episoden – die zweite mit einem wie „von außen“ („en dehors“) hereinklingenden Violinsolo – bilden kurze Ruhephasen in diesem aberwitzig seinem Ende zuwirbelnden Saitenspiel.

Joseph Haydns Violoncellokonzert Nr. 1 in C-Dur Hob. VIIb:1 entstand wahrscheinlich zwischen 1761 und 1765 für Joseph Weigl, Violoncellist in Fürst Joseph Esterházys Hofkapelle, dessen Vizekapellmeister Haydn zu dieser Zeit noch war. Bis zur Entdeckung einer Abschrift im Jahr 1961 war es nur in Form eines Eintrags in Haydns Entwurf-Katalog bekannt, seitdem hat es sich neben Haydns rund 20 Jahre später entstandenem D-Dur-Cellokonzert einen festen Platz im Repertoire erobert. Das Werk lebt im ersten Satz von der melodischen Inspiration, der feinsinnigen Virtuosität des Soloparts und der unkomplizierten Behandlung der Konzertform. Wie sich das Solocello im langsamen Satz nach der Einleitung mit einer ausgehaltenen Note in die Orchestermelodie hineinschmiegt, ist dann von zeitloser Schönheit. Mit einem ganz anderen Charakter greift Haydn diese Art des Soloeinsatzes im Finalsatz auf, der im weiteren Verlauf mit seiner motorischen Frische mitreißt.

Dr. Juan Martin Koch (c) Kulturwald gGmbH 2026

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László Fenyö

Der 1975 geborene ungarische Cellist László Fenyö zählt seit dem Gewinn des Internationalen Pablo Casals Wettbewerbs 2004 in Kronberg zu den führenden Cellisten seiner Generation. Er wird vom Publikum und der Fachpresse als einer der aufregendsten Künstler gefeiert, der es auf einzigartige Weise versteht, die Werke des jeweiligen Komponisten authentisch zu interpretieren und damit das Publikum in seinen Bann zieht. So ist es kein Wunder, dass László Fenyö von der Westfälischen Allgemeinen Zeitung als „Das Multitalent“ bezeichnet wird. Durch seine atemberaubende Technik und gefühlsstarke Ausdrucksfähigkeit werden seine Konzerte zu besonderen Erlebnissen, bei denen die Musik jedes Mal aufs Neue entdeckt werden kann.

In den letzten Jahren konzertierte László Fenyö auf bedeutenden Podien wie dem Concertgebouw Amsterdam, der Wigmore Hall London oder dem Münchener Gasteig und tourt regelmäßig mit den führenden Sinfonieorchestern aus Europa und Asien. Er trat regelmäßig unter der Leitung von Krzysztof Penderecki auf und pflegte mit diesem eine intensive Zusammenarbeit.

In seiner ungarischen Heimat zählt László Fenyö längst zu den gefragtesten Solisten: Seine Auftritte werden vom ungarischen Rundfunk live gesendet bzw. mitgeschnitten, Solorecitals und Kammermusikabende ebenso wie Konzerte mit Orchester; mit nahezu allen ungarischen Orchestern und Dirigenten hat er bereits zusammengearbeitet. Zudem wurde ihm 2005 als staatliche Auszeichnung der renommierte Franz-Liszt-Preis und 2008 der Junior-Prima-Preis verliehen.

Seine musikalische Ausbildung begann László Fenyö in Ungarn. Schon als 13-Jähriger wurde er Jungstudent bei László Mezö an der Franz Liszt Musikhochschule in Budapest. Seine enorme technische Brillanz, sein sicheres Stilempfinden sowie sein ungewöhnlich breites Repertoire haben László Fenyö während seiner anschließenden Studienzeit in Lübeck bei David Geringas mehrere große Wettbewerbserfolge eingebracht, so u.a. beim Internationalen Musikwettbewerb Genf, beim Rostropowitsch Wettbewerb Paris, beim Adam Cellowettbewerb Christchurch und beim Rundfunkwettbewerb Budapest. Nach Abschluss des Studiums erweiterte Bernard Greenhouse entscheidend seinen musikalischen Horizont.

László Fenyö begann seine Karriere als Solocellist im hr-Sinfonieorchester Frankfurt und widmet sich seit einigen Jahren immer intensiver dem Unterrichten. Er gibt weltweit Meisterkurse und wurde im April 2012 als Professor an die Hochschule für Musik in Karlsruhe berufen.

Zwei CD-Aufnahmen sind von László Fenyö bisher erschienen: Kammermusik mit dem Pianisten Oleg Polianski bei Aulos/Musikado sowie die Cellokonzerte von Joseph Haydn (D-Dur) und Dmitri Schostakowitsch (Nr. 1) mit dem hr-Sinfonieorchester und dem Dirigenten Grant Llewellyn beim Label hr.music.de.

László Fenyö spielt auf einem Cello von Matteo Goffriller aus dem Jahre 1695. 

ROK Polnisches Kammerorchester Radom

Das ROK Polnisches Kammerorchester Radom wurde im Januar 2007 als offizielle Kultureinrichtung der sich rasch entwickelnden Stadt Radom in Polen gegründet. Das Ensemble besteht aus hervorragenden Orchestermusikern sowie Solisten und Kammermusikern, die in der internationalen Musikszene aktiv sind und sowohl in Radom als auch im benachbarten Warschau beheimatet sind. Die Stadt Radom ist berühmt für ihr musikalischen Erbe und den Komponisten Nicolaus Radomiensis. Sie ist eines der wichtigsten historischen Zentren der polnischen Musik aus dem Mittelalter.

Neben regelmäßigen Abonnementkonzerten organisiert das Orchester auch besondere Veranstaltungen, u.a. den Internationalen Krzysztof-Penderecki-Wettbewerb ARBORETUM, den Streichquartettwettbewerb, die Dirigentenakademie und verschiedene Kunstausstellungen.

Das Orchester arbeitete bereits mit renommierten Solisten und Dirigenten wie Krzysztof Penderecki, Patrick Gallois, Avri Levitan, Piotr Pławner, Łukasz Borowicz, Stephen Ellery, Michel Lethiec, Sophie Dervaux und Daniel Ottensamer zusammen. Regelmäßig tritt das Orchester bei den wichtigsten internationalen Festivals für klassische Musik auf.

Sein vielfältiges Repertoire umfasst sowohl Werke aus dem Standardrepertoire für Streichorchester als auch weniger bekannte, neu entdeckte Stücke. Die außergewöhnliche Vielseitigkeit des Orchesters ermöglicht stilvolle und historisch angemessene Interpretationen von Barockmusik und den frühen Sinfonien von Haydn und Mozart. 

Jurek Dybał

Jurek Dybał ist ein gefeierter Dirigent und Musiker bei den Wiener Philharmonikern und dem Orchester der Wiener Staatsoper. Seine charismatische Persönlichkeit wird längst vom Publikum zahlreicher europäischer Bühnen und Konzertsäle geschätzt, wo er mit Klangkörpern wie dem Beethoven Orchester Bonn, dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien, dem Orchestre Philharmonique de Monte Carlo, dem Orchestra del Teatro Carlo Felice di Genova, dem Wiener Kammerorchester, dem Wiener Konzert Verein, der Bayerischen Kammerphilharmonie, dem Czech National Symphony Orchestra sowie der Sinfonia Varsovia gastierte. Als Dirigent hat er zuletzt mit herausragenden Solisten wie Gidon Kremer, Martin Grubinger, Cameron Carpenter, Katia and Marielle Labèque, Xavier de Maistre, Lawrence Power, Erwin Schrott, Tomasz Konieczny und Solisten der Wiener Staatsoper zusammengearbeitet.

Jurek Dybał ist Gründer und Direktor des Internationalen Krzysztof Penderecki Musikfestivals – Level 320!, wo er die Uraufführung zahlreicher Werke Krzysztof Pendereckis leitete. In 2022 übernahm Jurek Dybał die Künstlerische Leitung des in Polen residierenden ukrainischen MASO Kharkiv Orchester. Im Februar 2023 dirigierte er das Sinfonieorchester der Nationalphilharmonie Warschau bei der Uraufführung der unvollendeten Oper „Phaedra” von Krzysztof Penderecki.

Jurek Dybał wurden bereits u.a. der International Classical Music Award, das Gramofon, der Pizzicato Supersonic Award und der Joker Award des Magazins Crescendo zuerkannt. Seine Aufnahmen wurden u.a. bei Labels wie Sony Classical und Warner Classics veröffentlicht.