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30.01.26

Marino Formenti

Freitag, 30. Januar 2026, 19 Uhr

Time To Gather

Das Programm entsteht spontan während des Konzerts, das Publikum ist eingeladen, sich an der Auswahl zu beteiligen.

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Konzertdauer: Open End – keine Pause
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Marino Formenti

Marino Formenti, Pianist, Performer, Dirigent und Komponist, wurde von der Los Angeles Times als „Glenn Gould des 21. Jahrhunderts” gepriesen. ARTFORUM lobte sein „äußerst kathartisches Werk”.

Formentis vielfältiger musikalischer Werdegang scheint vor allem ein unermüdliches Bedürfnis nach Entdeckungen zu offenbaren: eine Suche, die ihn dazu veranlasste, radikal neue Konzertformate und Kunst-/Musikperformances zu konzipieren. Seine Arbeit wurde von der Presse als „revolutionär“, „visionär“, „radikal“ und „faszinierend“ bezeichnet.

Seine Performances umfassen eigene Kompositionen und/oder Improvisationen, aufschlussreiche Interpretationen zeitgenössischer Werke anderer Komponisten und recht radikale Reflexionen über Meisterwerke der klassischen Musik. In jüngeren Projekten widmet er sich auch nicht-klassischen Musikformen, darunter Kooperationen mit Hip-Hop-Künstlern und verschiedenen nicht-westlichen Musikern. In der Kunstwelt ist er als Schöpfer von Performances und Klang-/Musikinstallationen anerkannt.

In seinen bahnbrechenden Klavierrecitals („Kurtag’s Ghosts“, „Liszt Inspections“, „Torso2) schafft Marino Formenti einen „Bewusstseinsstrom“ (The San Francisco Chronicle) zwischen Werken, Epochen und Kulturen in einer Art kontinuierlichem Fluss. Dieser radikale Ansatz wurde unter anderem im Lincoln Center New York, beim Lucerne Festival, in der Wigmore Hall London und im Konzerthaus Wien präsentiert.

Joshua Kosman (The San Francisco Chronicle) erklärte: „Was James Joyce für den Roman getan hat, scheint Formenti für das Klavierrecital tun zu wollen. Das Ergebnis war unvergesslich.“ „Liszt Inspections“ wurde unter den „Best Performances of the New York Times 2015“ und den „Best Recordings of The New Yorker 2014“ aufgeführt.

Über die Konzertform hinaus schuf er in Form und Ansatz weitaus radikalere Aufführungen: NOWHERE (Berlin Festival, TIME SPANS New York, Gulbenkian Foundation Lissabon, Triennale Milano, Teatro Colón Buenos Aires, Steirischer Herbst Graz u. a.). Diese Dauerperformance (bis zu vier Wochen lang) ist so gründlich und immersiv wie nur möglich. Der Pianist spielt, lebt, schläft und isst mehrere Wochen lang ununterbrochen in ein und demselben Raum und verlässt diesen nie. Die Performance ist für die Öffentlichkeit zugänglich und wird rund um die Uhr im Internet gestreamt.

In MA MORT (Wiener Kunstwoche 2018, Galerie Krinzinger) spielt Formenti stundenlang dasselbe kurze Stück („Meditation sur ma Mort Future“ des Barockkomponisten J.J. Froberger), mit verbundenen Augen und allmählich verschwindend.

ONE TO ONE (Art Basel, Berlin Art Week, Musikverein Wien, MEC Los Angeles, Steirischer Herbst Graz u. a.) ist ein zweistündiges – oder längeres – exklusiv privates musikalisches Rendezvous mit einem Besucher. Der Pianist und der Gast werden in dieser jedes Mal anderen und zutiefst intimen Performance immer mehr zu Partnern. Das ONE TO ONE-Prinzip wurde später in SEVEN STUDIES OF COMMUNICATION AND MUSICIANSHIP in der Haubrok Foundation in Berlin zu einer Reihe von ganztägigen Blind Dates von jeweils 18 Stunden mit einem unbekannten Besucher erweitert.

Die Musikinstallation SELBER KÜNSTLER („Du bist der Künstler“) wurde mit den Stimmen der Besucher erstellt und in einer Ausstellung zusammen mit Christian Marclay, Santiago Sierra u. a. präsentiert.

TIME TO GATHER (Berlin Festival, Wiener Konzerthaus, MEC Los Angeles, Teatro Colón Buenos Aires u. a.) ist ein Recital der besonderen Art, ohne die unsichtbare Wand zwischen Pianist und Publikum, ohne festes Programm, ohne vorhersehbares Ende. 
Die Menschen können mit dem Pianisten interagieren und wählen, was sie hören möchten, sie können auch mit ihm oder an seiner Stelle spielen.

In I’M NOT YOUR ITALIANO (Bersalia Torino 2018) – einer Hommage an den afroamerikanischen Schriftsteller James Baldwin – lebt und musiziert Marino mit Einwanderern und Asylbewerbern in Italien und hinterfragt dabei kulturelle und musikalische Gemeinsamkeiten und/oder unüberbrückbare Unterschiede.

In dem Musikfilm SCHUBERT UND ICH arbeitet Formenti mit fünf Nicht-Musikern unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft zusammen; sie proben und spielen Lieder von Franz Schubert, fernab von der manchmal überpolierten Wiedergabe der klassischen Welt. Der Film wurde für den Österreichischen Filmpreis 2014 nominiert.
In TRIESTERSTRASSE 66 (2022) verbrachte Marino einen Monat in einem großen Gemeinschaftsgebäude in Graz, Österreich, wo er mit Menschen unterschiedlicher Kultur, unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft zusammenlebte, Musik spielte und sich über das Leben und Musik austauschte. In dieser Performance wird gemeinsam und auf Augenhöhe eine Musikparty konzipiert und am Ende des Monats gefeiert. Eine „Allgemeine Erklärung der musikalischen Rechte” wird verfasst.

Zum Arnold-Schönberg-Geburtsjahr 2024 war er mit einem Klavier und einer Kamera auf den Straßen Wiens unterwegs, um Schönbergs Hoffnung zu überprüfen, „dass eines Tages die Menschen meine Melodien kennen und sie auf der Straße pfeifen“.

Marino Formenti trat als Solist oder Dirigent bei den internationalen Festivals in Salzburg, Luzern, Edinburgh, Schleswig-Holstein, Ravinia und Aspen auf – sowie in der David Geffen Hall in New York, in der Philharmonie und im Konzerthaus in Berlin, im Musikverein und im Konzerthaus in Wien, in der Disney Hall in Los Angeles, in der Wigmore Hall in London, beim Festival d’Automne in Paris, in der Philharmonie in St. Petersburg und in der Suntory Hall in Tokio. Er war Artist in Residence am Lincoln Center New York, in der Wigmore Hall in London, beim Pèlerinages Festival in Weimar zusammen mit Sir András Schiff und beim BeethovenFest in Bonn 2020 anlässlich der Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag des Komponisten.

Als Künstler ist er Gast wichtiger Kunstinstitutionen und Festivals, darunter das Palais de Tokio in Paris, MUMOK, KHM und Albertina in Wien, Art Basel, die Gulbenkian-Stiftung in Lissabon, die Onassis-Stiftung in Athen, Berlin Art Week, Vienna Art Week, Triennale Milano, Biennale Sion, Museum der Moderne Salzburg, MADRE und Fondazione Nitsch in Neapel, Portikus in Frankfurt.

Als Solist trat er mit Orchestern wie den New York Philharmonics, den Los Angeles Philharmonics, den Münchner Philharmonikern, dem Cleveland Orchestra, dem Gustav Mahler Chamber Orchestra, dem Orchestre de Radio France und dem RSO Wien unter der Leitung von Dirigenten wie Franz Welser-Möst, Gustavo Dudamel, Kent Nagano, Daniel Harding, Esa-Pekka Salonen, Ingo Metztmacher und Peter Eötvos auf.

Auf Einladung des Pianisten Maurizio Pollini arbeitete er als Dirigent mit ihm am Teatro la Scala in Mailand, in der Salle Pleyel in Paris und im Parco della Musica in Rom zusammen.
Darüber hinaus konzipierte und dirigierte er Projekte im Musikverein Wien, im Konzerthaus Wien, im ODEON Wien, beim Ravenna Festival, bei Wien Modern, bei den Darmstädter Ferienkursen, bei MEC Los Angeles, bei Young Euro Classics Berlin, bei der Biennale Salzburg u. a.

Zu seinen musikalischen Partnern zählten Gidon Kremer, Lars Vogt, Tabea Zimmermann, Nicolas Altstaedt, Jörg Widmann, Caroline Widmann, Barbara Hannigan, Emmanuel Pahud, die Komponistin und Performerin Olga Neuwirth, der Schauspieler Ulrich Matthes u. a.

In der Kunstwelt arbeitete er u. a. 2022 an einer Dauerperformance zusammen mit dem Maler Georg Baselitz (Albertina/Wien Modern 2023). Außerdem arbeitete er mit Stephen Prina (Art Basel 2014), Florian Pumhösl (MUMOK und Art Basel), Alex Cecchetti (Palais de Tokio Paris) oder mit dem Gemeinschaftsprojekt LAX BAR (Wiener Festwochen/MAK) zusammen. Für das Museum der Moderne Salzburg konzipierte er 2022 eine Dauerperformance über David Tudor (TO OUTTUDOR TUDOR). Für das MUMOK Wien schuf er die Installation und CD NIGHT STUDIES.

2022 arbeitete er mit dem Filmemacher Michael Haneke zusammen und widmete ihm die Performance 71 FRAGMENTS (Musikverein Wien/Filmmuseum).

In der Theater- und Performancewelt arbeitete er unter anderem mit Rodrigo Garcia (Festival d’Automne Paris, Berliner Festspiele), Tim Etchells/Forced Entertainment (Volksbühne Berlin), Kris Verdonck (Schouwburg Amsterdam), Silvia Costa (Festival d’Automne Paris), Ann Liv Young (Brut Wien) und Philipp Gehmacher (TQW Wien) zusammen.

Er arbeitete eng mit einigen der größten Komponisten unserer Zeit zusammen, darunter György Kurtág, Helmut Lachenmann, Luciano Berio, Salvatore Sciarrino, Olga Neuwirth, Bernhard Lang, Georg Friedrich Haas, Beat Furrer, Klaus Lang u. a.

Mit Marina Rosenfeld arbeitet er regelmäßig im Rahmen des Projekts DEATHSTAR (New York, Donaueschingen, Frankfurt, Athen, Sion u. a.) zusammen.

Er arbeitete mit dem deutsch-nigerianischen Hip-Hop-Star MEGALOH, dem österreichisch-türkischen Hip-Hop-Duo ESRAP, der italienischen Progressive-Rock-Ikone Franz di Cioccio von PFM sowie mit Künstlern aus Marokko, Nigeria, Afghanistan, China und anderen Ländern zusammen.

Er ist Lehrer und Dirigent des ENM-Ensembles der Universität Mozarteum in Salzburg. Er gab Meisterkurse für Klavier und zeitgenössische Musik an der Manhattan School of New York, der Akademie Basel, der HMTM München, der KUG Graz und der MUK Wien. Er gab Meisterkurse für zeitgenössische Performance und Kunstperformance an der HFMT Köln, der MDW Wien, der HKB Bern u. a. An der Columbia University New York war er als Schöpfer von „systemischen Performances“ Hauptredner bei der Transformative Learning Conference 2019.

Für seine musikalischen Leistungen wurde er 2009 mit dem Belmont-Preis der Forberg-Schneider-Stiftung in München. ausgezeichnet.