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10.05.26

Maximilian Hornung – Cello solo

Sonntag, 10. Mai 2026, 11 Uhr 

Maximilian Hornung – Violoncello

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Konzertdauer: ca. 40 min │Pause │ca. 35 min
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Johann Sebastian Bach  (1685–1750)
Suite für Violoncello solo Nr. 1 G-Dur BWV 1007
1. Prélude
2. Allemande
3. Courante
4. Sarabande
5. Menuett I & II
6. Gigue 

Mark Simpson (*1988)
„Un regalo“ für Violoncello solo (2014)

Hans Werner Henze (1926–2012)
Serenade für Violoncello solo (1949)
1. Adagio rubato
2. Poco allegretto
3. Pastorale
4. Andante con moto, rubato
5. Vivace
6. Tango
7. Allegro marciale
8. Allegretto
9. Menuett

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PAUSE
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Caroline Shaw (*1982)
„In manus tuas“ für Violoncello solo (2009)

Johann Sebastian Bach (1685–1750)
Suite für Violoncello solo Nr. 5 c-Moll BWV 1011
1. Prélude
2. Allemande
3. Courante
4. Sarabande
5. Gavotte I & II
6. Gigue

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Johann Sebastian Bach haben wir es zu verdanken, dass es Solorecitals für Violoncello gibt. Denn mit seinen sechs Suiten BWV 1007–1012 hat er gezeigt, welcher Farbenreichtum, welche Ausdrucksdichte und welche Charaktervielfalt auf dem unbegleiteten Instrument möglich sind. Ohne diese Schlüsselwerke, die erst im 19. Jahrhundert gedruckt erschienen und erst durch Pablo Casals ins Konzertrepertoire kamen, wäre wohl niemand auf die Idee gekommen, anspruchsvolle Konzertwerke für Cello solo zu komponieren, wie sie vor allem ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden sind.

Wann und für welches Instrument genau Bach seine Suiten schrieb, ist gar nicht so genau zu bestimmen. Die Bach-Forschung geht von einer Entstehungszeit vor 1720 und damit vor den Sonaten und Partiten für Violine solo aus; die Bezeichnung „Violoncello“ konnte zu dieser Zeit für eine Vielzahl von Instrumentenvarianten stehen und für die sechste Suite hatte Bach möglicherweise jene „Viola pomposa“ mit zusätzlicher fünfter Saite im Blick, die er zusammen mit einem Instrumentenbauer entwickelte.

Das Präludium der ersten Violoncellosuite G-Dur BWV 1007 ist zum Inbegriff eines Stücks für Cello solo geworden. Seine fließenden Akkordbrechungen lassen durch den immer am Beginn einer Gruppe stehenden tiefen Ton den Eindruck einer zweiten begleitenden Stimme entstehen, die Steigerung zum Bariolage-Abschnitt (wechselnde Noten um einen gleichbleibenden Ton herum) kurz vor Ende des Satzes ist von mitreißender Stringenz. Einiges von diesen flüssigen Bewegungsimpulsen strahlt in die Allemande aus, die Courante ist der erste echt tänzerische Satz, die Sarabande ein Ruhepol mit volltönenden Akkorden als Energiezentren. Das zweite Menuett bildet vor der Wiederholung des Menuetts I einen Moll-Kontrast, die abschließende Gigue schlägt mit einer kurzen harmonischen Steigerung den Bogen zurück zur Kulmination des Präludiums.

Wie ein entferntes Echo eines Bach’schen Celloakkords klingt der Beginn von Mark Simpsons „Un Regalo“ (ital. „Ein Geschenk“). Der britische Klarinettist und Komponist – im Jahr 2006 von der BBC nicht nur als Junger Instrumentalist sondern auch als Junger Komponist des Jahres ausgezeichnet – schrieb das Stück 2014 für den Cellisten Guy Johnston als Hommage an dessen zu diesem Zeitpunkt 300 Jahre altes Instrument des Geigenbaumeisters David Tecchler. Nach einem ersten lyrisch-elegischen Teil folgen eine „rastlose, tarantella-artige“ (Simpson) und eine breiter angelegte, melodisch geprägte Passage, ehe der Schlussabschnitt auf den Beginn zurückblickt und in die Stille hinein verklingt.

Aus einer ansonsten verschollenen Schauspielmusik zu Shakespeares „Viel Lärm um nichts“ stammt die Serenade für Violoncello solo von Hans Werner Henze. 1949 entstanden, stammt das Stück aus der Zeit, als Henze bei René Leibowitz in Paris in der Zwölftontechnik unterwiesen wurde. Die neun kurzen Sätze wechseln auf engstem Raum ihren Ausdruckscharakter. Eher tänzerische Stücke (2. Poco allegretto; 5. Vivace; 7. Allegro marziale; 8. Allegretto) stehen elegisch-expressiven Nummern gegenüber (1. Adagio rubato; 3. Pastorale; 4. Andante con moto; 6. Tango). Eine besondere Rolle spielen immer wieder Pizzicati, also gezupfte Passagen, besonders prägnant in den Nummern zwei, vier und sechs. Das abschließende Menuett bildet eine Art Fazit dieser Charaktere und Spielarten.

In Caroline Shaws „In manus tuas“ – 2009 für Hannah Collins komponiert – verweisen einige Arpeggien auf Johann Sebastian Bachs Cellosuiten. Der eigentliche Bezugspunkt für die amerikanische Komponstin ist jedoch älter: die Motette „In manus tuas“ des englischen, 1585 verstorbenen Komponisten Thomas Tallis. Shaw hörte das Chorwerk in der besonderen Akustik der Christ Church in New Haven, Connecticut, und fing diesen Eindruck in dem Stück für Cello solo ein. Dabei weitet sie von wenigen wörtlichen harmonischen Tallis-Zitaten aus den Horizont des Instruments mit flüsternden, Richtung Steg zu spielenden Passagen und gesungenen Tönen – ein spiritueller Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Bachs fünfte Violoncellosuite c-Moll BWV 1011, mit der Maximilian Hornung seine Matinee heute beschließt, ist wahrscheinlich als früheste der Sammlung entstanden, hält sie sich doch am engsten an die frühen Englischen Suiten für Cembalo. Das wird vor allem am ersten Satz deutlich, einem Präludium, das zweiteilig und damit deutlich länger ist als die ersten Sätze der anderen Suiten. Den Wechsel aus akkordischer Einstiegsgeste und tänzerisch markanter Fortsetzung aus dem Beginn des Präludiums greifen Allemande und Courante auf, ehe die nachdenklich zurückgenommene Sarabande einen tiefgründigen Kontrast setzt. Ein Gegensatzpaar bilden die beiden Gavotte-Sätze, wobei die erste – mit Doppelgriffen und Akkorden eher vertikal angelegt – nach der horizontal sich fast verflüchtigenden zweiten Gavotte wiederholt wird. Die finale Gigue schließlich durchschreitet in punktiertem Dreiachteltakt mit Sechszehntelschleifern noch einmal den gesamten Tonumfang des Instruments.

Dr. Juan Martin Koch (c) Kulturwald gGmbH 2026

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Maximilian Hornung

Maximilian Hornung gilt als einer der bemerkenswertesten Cellisten auf der internationalen Bühne. Neben seiner außergewöhnlichen technischen Meisterschaft zeichnet sich sein Spiel durch einen enorm wandlungsfähigen, kräftigen und einzigartigen Ton, ein unerschöpfliches Spektrum an Klangfarben und eine große Natürlichkeit aus. Seine charismatische Präsenz und die Fähigkeit, auf zutiefst emotionaler Ebene eine Verbindung zum Publikum herzustellen, heben ihn besonders hervor. Neben dem beliebten Kernrepertoire widmet er sich regelmäßig mit großer Neugier auch weniger bekannten Meisterwerken der Cello-Literatur.

In der Saison 2025/26 gibt Hornung sein Debüt bei den Berliner Philharmonikern und spielt unter der Leitung von Thomas Guggeis das Cellokonzert von Henri Dutilleux. Außerdem debütiert er beim Sydney Symphony Orchestra, beim Oslo Philharmonic, bei der Sinfónica de Galicia und beim Zürcher Kammerorchester und ist Artist-in-Residence am Staatstheater Nürnberg als Solist, Kammermusiker und Dirigent. Zu den jüngsten Höhepunkten zählen Engagements mit dem Tonhalle-Orchester Zürich, dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, den Wiener Symphonikern, dem Swedish Radio Symphony Orchestra, den London Philharmonic, den Czech Philharmonic, den Bamberger Symphonikern, dem Philharmonia Orchestra, dem WDR Sinfonieorchester Köln, dem Dallas Symphony, dem Pittsburgh Symphony, dem City of Birmingham Symphony Orchestra und dem Orchestre National de France, und er arbeitet regelmäßig mit Dirigenten wie Daniel Harding, Yannick Nézét-Séguin, Paavo Järvi, Marie Jacquot, Esa-Pekka Salonen, David Zinman, Lorenzo Viotti, Pablo Heras-Casado, Semyon Bychkov, Manfred Honeck, Antonello Manacorda, John Storgårds, Michael Francis, Thomas Søndergård, Krzysztof Urbański und Robin Ticciati. In der Doppelfunktion als Solist und Dirigent hat er sich in den letzten Jahren ebenso einen Namen gemacht und leitet regelmäßig Projekte, zuletzt mit den Münchner Symphonikern.

Hornung ist regelmäßiger Gast in renommierten Konzertsälen wie der Berliner Philharmonie, dem Concertgebouw Amsterdam, dem Wiener Musikverein und Konzerthaus sowie der Londoner Wigmore Hall und tritt bei Festivals wie Salzburg, Rheingau, Luzern, Verbier, Schleswig-Holstein, Ravinia und Hongkong auf. Zu seinen Kammermusikpartnern zählen Anne-Sophie Mutter, Julia Fischer, Antje Weithaas, Hélène Grimaud, Daniil Trifonov, Hisako Kawamura, Christian Tetzlaff, Lisa Batiashvili, François Leleux, Joshua Bell, Yefim Bronfman und Herbert Schuch. In dieser Saison unternimmt Hornung eine ausgedehnte Triotournee durch Europa mit seinen langjährigen Weggefährten Vilde Frang und Denis Kozhukhin.

Seine umfangreiche und vielseitige Diskographie umfasst sowohl Solokonzerte als auch prominent besetzte kammermusikalische Einspielungen. Gleich für sein erstes Album erhielt er den ECHO Klassik-Preis als Nachwuchskünstler des Jahres (Sony 2011), und auch die Veröffentlichung von Dvořáks Cellokonzert mit den Bamberger Symphonikern unter der Leitung von Sebastian Tewinkel (Sony 2012) wurde mit dem begehrten ECHO ausgezeichnet. Weitere Aufnahmen umfassen Richard Strauss’ große Cellowerke mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Bernard Haitink (Sony, 2014) und Joseph Haydns Cellokonzerte mit der Kammerakademie Potsdam unter Antonello Manacorda (Sony, 2015). 2017 veröffentlichte die Deutsche Grammophon eine hochgelobte Aufnahme von Schuberts Forellenquintett mit u.a. Anne-Sophie Mutter und Daniil Trifonov. 2018 veröffentlichte myrios classics seine Einspielung von Dmitri Schostakowitschs Cellokonzert Nr. 2 und Sulkhan Tsintsadzes Cellokonzert Nr. 2 mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter Andris Poga. Weitere Aufnahmen erschienen bei Genuin, Linn Records, NEOS, Bridge Records und CPO.

1986 in Augsburg geboren, erhielt Maximilian Hornung im Alter von 8 Jahren seinenersten Cello-Unterricht. Seine Lehrer waren Eldar Issakadze, Thomas Grossenbacher und David Geringas. Nachdem er 2005 als Sieger des Deutschen Musikwettbewerbs hervortrat, gewann er 2007 als Cellist des Tecchler Trios, dem er bis 2011 angehörte, den Ersten Preis beim ARD-Musikwettbewerb. Mit nur 23 Jahren wurde er Erster Solocellist des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, eine Position, die er bis 2013 innehatte. Hornung wurde vom Borletti-Buitoni Trust in London und seiner Mentorin Anne-Sophie Mutter unterstützt und gefördert. Seit 2022 ist er künstlerischer Leiter der Traunsteiner Sommerkonzerte.