Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen

12.09.25

Monteverdis Marienvesper

Freitag, 12. September 2025, 19 Uhr, Aldersbach, Asamkirche
Samstag, 13. September 2025, 18 Uhr, Konzerthaus Blaibach
Sonntag, 14. September 2025, 11 Uhr, Konzerthaus Blaibach

Sopran: Cordula Kraetzl, Johanna Reithmeier 
Countertenor: David Erler, Stefan Kunath
Tenor: Benjamin Glaubitz, Henning Jensen, Berthold Schindler, Markus Zapp 
Bass: Joachim Höchbauer, Henrik Ruißinger

Hofkapelle München
Violine I: Isabella Bison 
Violine II: Stefano Rossi
Viola: Marina Momeny
Basso: Pavel Serbin
Zink: Matthijs Lunenburg, Nuria Sanromà Gabas, Katharina Haun
Dulcian und Blockflöte: Christina Hahn 
Posaune: Dusan Kranjc, Stefan Konzett, Ercole Nisini
Harfe: Margret Koell 
Laute: Axel Wolf
Cembalo & Orgel: Olga Watts 

Leitung: Rüdiger Lotter 

------------------ 
Konzertdauer: ca. 50 min │ Pause │ ca. 30 min
Aldersbach: ca. 80 min. keine Pause
------------------

Claudio Monteverdi (1567–1643): 
Vespro della Beata Vergine (1610)  

Deus in adjutorium meum intende / 
Domine ad adjuvandum me festina 
(Intonation / Responsorium, 6st)

Dixit Dominus Domino meo
(Psalm 109, 6st)

Nigra sum (Motette, 1st)

Laudate pueri Dominum
(Psalm 112, 8st)

Pulchra es
(Concerto, 2st)

Laetatus sum
(Psalm 121, 6st)

Duo Seraphim
(Concerto, 3st)

Nisi Dominus
(Psalm 126, 10st)

Audi coelum
(Concerto, 6st)

Lauda Jerusalem
(Psalm 147, 7st)

------------------
PAUSE
------------------

Sonata sopra Sancta Maria, ora pro nobis (8st)

Ave maris stella
(Hymnus, 8st)

Magnificat (7st)
Magnificat anima mea – Et exsultavit
Quia respexit – Quia fecit – Et misericordia Fecit potentiam – Deposuit – Esurientes
Suscepit Israel – Sicut locutus est
Gloria Patri – Sicut erat

------------------

„… Vesper für mehrere Stimmen mit einigen geistlichen Gesängen für Kapellen und Fürstengemächer geeignet“. So steht es auf dem Titelblatt der 1610 erschienenen Sammlung sakraler Werke Claudio Monteverdis, die neben der Marienvesper („Vespro della Beata Vergine“) noch eine sechsstimmige A-cappella-Messe „für Kirchenchöre“ enthält. Einen konkreten Aufführungsanlass hatte der zu dieser Zeit noch am Hof des Herzogs von Mantua angestellte Komponist nicht im Blick. Vielmehr stellte er den Papst Paul V. gewidmeten Druck, der als eine Art Kompendium den Stand erstklassigen sakralen Komponierens seiner Zeit markiert, wohl im Hinblick auf eine mögliche Anstellung in Rom zusammen. Diese kam nicht zustande, doch als Monteverdi sich 1613 um die Stelle des Domkapellmeisters an San Marco in Venedig bewarb, war es unter anderem diese Sammlung, welche die Verantwortlichen von seiner Qualifikation überzeugte.

Über die Funktion und Eignung der Marienvesper für eine konkrete Liturgie ist viel geforscht und spekuliert worden. Es ist wohl davon auszugehen, dass Monteverdi sie (Bachs h-Moll-Messe vergleichbar) unabhängig davon aus teils schon einzeln vorliegenden und neu komponierten Sätzen zu einem idealtypischen Werk verband. Dass es sich dennoch oder gerade deswegen in der von Monteverdi im Druck festgehaltenen Anlage – zwischen die einer Vesper zugehörigen Textvertonungen schiebt er geistliche Konzerte – so gut für eine konzertante Gesamtaufführung eignet, beweist seine Kunst im Schaffen einer Einheit aus der Vielfalt.

Einheitlichkeit entsteht unter anderem dadurch, dass Monteverdi in den meisten der 13 Sätze Psalmtöne als zeitweiligen Cantus firmus verwendet. Das heißt, dass in jeweils einer Stimme des mehrstimmigen Satzes eine Choralmelodie in langsameren Notenwerten durchläuft, die gleichsam den roten Faden für bestimmte Abschnitte bildet, um den herum sich das Geschehen gruppiert.

Vielfältig ist die Marienvesper in mancherlei Hinsicht: stilistisch, satztechnisch und klanglich sowie vom Ausdruck und von der Besetzung her. Abwechslung entsteht allein schon durch den regelmäßigen Wechsel zwischen den eher chorisch gedachten Vertonungen der Vespertexte und den Konzerten. Diese sind stärker solistisch geprägt, wobei sich deren Besetzung vom Solo (Nigra sum), über ein Duett (Pulchra es) und Terzett (Duo Seraphim, zweiter Teil) bis zur Sechsstimmigkeit (Audi coelum) steigert, ehe in der Sonata sopra Sancta Maria ein achtstimmiger Instrumentalsatz mit der elfmaligen Intonation des gesungenen Gebetes „Heilige Maria Mutter Gottes, bitte für uns“ gekrönt wird.

Doch auch die einzelnen Sätze sind immer wieder von Kontrasten geprägt: Mit Tempo- und Taktwechseln, sich verändernden Stimmkonstellationen und Hervorhebungen bestimmter Stellen gibt Monteverdi den Texten prägnante Kontur. Dabei stützt er sich zum einen auf ältere Satztechniken, bringt aber auch seine neuen Erfahrungen als Opernkomponist ein. Hierfür setzt er schon mit dem eröffnenden Domine ad adjuvandum ein unüberhörbares Signal, indem er die Toccata-Ouvertüre aus seinem 1607 uraufgeführten „Orfeo“ wiederverwendet. Im weiteren Verlauf trägt der verzierte Vokalstil vieler Solo- und Duopassagen theatrale Züge, was einzelnen Sätzen szenischen Charakter verleiht. Dieses Changieren zwischen eher sakraler und weltlicher Schreibweise beschränkt sich aber nicht auf die Wechsel von Psalmsätzen und Konzerten, auch innerhalb eines Satzes variiert Monteverdi virtuos die Stilebenen, ohne dass davon der musikalische Fluss beeinträchtigt wäre.

Für Monteverdis subtile Kunst, inmitten dieses Flusses die Atmosphäre zu verändern, könnte man unzählige Beispiele aufzählen. Genannt seien hier etwa der Moment im Nigra sum, wo zu den Worten „tempus putationis advenit“ (die Zeit zum Schneiden der Weinstöcke ist gekommen) die Zeit still zu stehen scheint, oder das abschließende „Amen“ im Laudate pueri Dominum, das sich zum Ende hin immer weiter ausdünnt, bis zwei Sänger auf einem gemeinsamen Ton enden.

Im abschließenden Magnificat finden sich dann sämtliche Gestaltungsmittel auf mitreißende Weise gebündelt. Die klar abgegrenzten Textabschnitte des Marienhymnus inspirieren Monteverdi zu immer neuen Konstellationen innerhalb der Besetzungsgruppen. Einen überwältigenden Ruhepunkt bildet hier das Et misericordia, eine berührende Beschwörung der Barmherzigkeit. Im abschließenden Gloria Patri und Sicut erat zieht er noch einmal alle Register: virtuos verzierter Sologesang mit Echoeffekt, ein durchgezogener Psalmton und schließlich ein prächtiger, ruhig voranschreitender Chorsatz mit festlichem „Amen“-Abschluss.

Die eingangs zitierte Eignung „für Fürstengemächer“ weist darauf hin, dass Monteverdi in Sachen Besetzungsstärke – wie für die Zeit typisch – flexibel war. Eine Aufführung, wie wir sie heute hören – mit zehn Solisten, die gleichzeitig den Chor bilden –, ist dabei eine von vielen plausiblen Optionen. Was die Instrumentierung betrifft, so hat Monteverdi diese nur für einige Sätze fest vorgegeben. An anderen Stellen ist davon auszugehen, dass die Instrumente die Stimmen teilweise doppelten. Dirigent Rüdiger Lotter hat sich dafür entschieden diese „Colla Parte“-Praxis nur sparsam und vor allem dort einzusetzen, wo bestimmte Textaussagen unterstrichen werden sollen. Bei der Continuobesetzung ordnet er in der Regel die Harfe den Frauenstimmen und die Theorbe den Männerstimmen zu. Den Einsatz des Dulcians und des Cellos macht er vom jeweiligen Zusammenhang abhängig. Als Grundinstrument steht für ihn die mitteltönig gestimmte Orgel im Vordergrund. Immer wieder kommt aber auch das Cembalo zum Einsatz, so dass in der Summe die Continuobesetzung selbst sehr viel zur Gesamtfarbigkeit des Werkes beiträgt.

Dr. Juan Martin Koch (c) Kulturwald gGmbH 2025

------------------   

Hofkapelle München

„Die reine Streicherbesetzung der Hofkapelle München klingt fabelhaft! Weich, geschmeidig, federnd, die Kapelle hat Kraft und Tempo!“ (Kölner Stadtanzeiger, April 2022)

Die Hofkapelle München hat sich als Spitzenensemble der historischen Aufführungspraxis, insbesondere für das Repertoire des deutschen Barock und der deutschen Klassik, einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Unter der künstlerischen Leitung des Dirigenten Rüdiger Lotter gastiert die Hofkapelle München auf grossen Bühnen wie dem Concertgebouw Amsterdam, „De Singel“ in Antwerpen, der Kölner Philharmonie, der Opéra Royal du Château de Versailles oder dem NOSPR in Katowice. Das Orchester ist regelmäßig bei renommierten Festivals wie dem Rheingau Musikfestival, dem MA Festival Brügge, den Innsbrucker Festwochen, den Tagen der Alten Musik in Regensburg, oder dem Warschauer Chopin Festival zu Gast. Neben Rüdiger Lotter standen auch Gastdirigenten wie Reinhard Goebel, Alessandro de Marchi oder Howard Arman am Pult der Hofkapelle München.

Eine enge Verbindung des Orchesters besteht auch zum Chor des Bayerischen Rundfunks, den Regensburger Domspatzen, dem Chorwerk Ruhr oder dem Chor der KlangVerwaltung München. Ab 2024 wir die Hofkapelle München auch über einen eigenen Profichor verfügen, um insbesondere auch die Beschäftigung des Repertoires am Münchner Hof des 16. und 17. Jahrhunderts zu intensivieren.

Auch im Bereich Oper ist die Hofkapelle München aktiv, so verband sie eine langjährige Partnerschaft mit der bayerischen Theaterakademie, aus der zahlreiche aufsehenerregende Opernproduktionen hervorgingen. Eigenproduktionen bzw. Koproduktionen der Hofkapelle München mit Konzerthäusern oder Festivals wie dem Mozartfest Würzburg, der Kölner Philharmonie oder dem Konzerthaus Blaibach, wurden 2022 mit der Oper „Der Stein der Weisen oder Zauberinsel“ durch finanzielle Unterstützung des Bundes fortgeführt. 2024 hat die Hofkapelle München in Koproduktion mit den Musikfestspielen Herrenchiemsee und dem Konzerthaus Blaibach die „Zauberflöte“ von Mozart auf die Bühne gebracht und hat damit die bekannteste aller Schikaneder-Opern im Repertoire.

Die Hofkapelle München hat seit ihrer Gründung im Jahr 2009 sehr erfolgreiche CD-Produktionen auf den Markt gebracht. So erhielt die im Oktober 2022 beim Label „Alpha“ veröffentlichte CD „Zauberoper“ mit dem Bariton Konstantin Krimmel ein breites Medienecho, die für Sony vorgelegte CD „Le belle immagini“ mit Valer Sabadus wurde mit dem Echo Klassik ausgezeichnet. Die Einspielung der Sechs Brandenburgischen Konzerte wurde von Kritikern als „exemplarisch“ gelobt. 2012 erhielt die Hofkapelle München zudem den Preis der deutschen Schallplattenkritik. Mitte 2024 erschien die Oper „Der Stein der Weisen oder die Zauberinsel” als europäische Ersteinspielung bei Sony DHM.

Rüdiger Lotter

„Rüdiger Lotter demonstriert als Leiter seiner Hofkapelle München mit dieser Aufnahme seine stilistische Meisterschaft ebenso wie einen ausgesprochenen Sinn für Ausdruck und Dramaturgie in der Gestaltung der Werke.“ („Wanderer“, November 2022)

Rüdiger Lotter gehört heute zu den profiliertesten und vielseitigsten Künstlern seiner Generation. Mit der Hofkapelle München gründete er eine Originalklang-Spitzenformationen, mit der er seit über zehn Jahren internationale Erfolge feiert und die 2015 mit dem Echo Klassik ausgezeichnet wurde.

Als Dirigent ist er bei den großen Festivals wie dem Chopin Festival in Warschau, dem Schleswig-Holstein Festival, dem Rheingau- Musikfestival, dem MA Festival in Brügge, den Innsbrucker Festwochen, den Tagen Alter Musik Regensburg, der Styriarte oder der den Tagen alter Musik in Herne zu Gast. Er leitete bereits Orchester wie das Sinfonieorchester des Westdeutschen Rundfunks die Bochumer Sinfoniker, die Düsseldorfer Sinfoniker, oder das Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele. Rüdiger Lotter verfügt über eine reiche Erfahrung in der Zusammenarbeit mit international bekannten Sängern wie Christiane Karg, Franco Fagioli, Julia Lezhneva, Sunhae im, Max Emanuel Cencic, Valer Sabadus, Anna Lucia Richter und Julian Prégardien. Auch mit Chören arbeitet Rüdiger Lotter regelmäßig zusammen. Mit dem Chor der KlangVerwaltung ist eine längerfristige Kooperation geplant, die mit dem heutigen Konzert ihre Fortsetzung erlebt. Als begeisterter Musikentdecker setzt Rüdiger Lotter immer wieder auf unbekannte Werke des Barocks und der Klassik.

So auch in seiner Zusammenarbeit mit dem Bariton Konstantin Krimmel auf der aktuell erschienenen CD „Zauberoper“: für diese Aufnahme stellte er unter anderem die Ideenschmiede von Franz Schikaneder und dessen Theater auf der Wieden in den Mittelpunkt der Programm-Konzeption. Seine Wiederaufführung der Schikaneder-Oper „der Stein der Weisen“ mit Daniel Behle und Michael Schade in den Hauptrollen wurde beim Mozartfest Würzburg 2023 enthusiastisch aufgenommen. Dabei reicht Lotters Repertoire von der Alten Musik bis zu zeitgenössischen Kompositionen. So dirigierte er 2020 im Rahmen des „No Beethoven“-Projekts der Kölner Philharmonie die Uraufführung des für die Hofkapelle München geschriebenen Werks „Händeküssen“ von Lisa Streich.

Als Barockgeiger hat Rüdiger Lotter mit einigen CD-Aufnahmen Maßstäbe gesetzt: so mit den Rosenkranz-Sonaten von Heinrich Ignaz Biber, die er 2004 zu dessen 300. Todestag live einspielte. Diese Aufnahme wurde 2018 von der englischen Fachzeitschrift „ Gramophone“ als Beste aller auf dem Markt erhältlichen Aufnahmen gewürdigt. Über seine Einspielung der Brandenburgischen Konzerte schrieb die Fachpresse: „Fakt ist, dass sich künftige Einspielungen an dieser Aufnahme werden messen lassen müssen.“

Seit 2023 lehrt Rüdiger Lotter an der Akademie für Tonkunst in Darmstadt.