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24.01.26

Pianorecital Alexandra Dovgan

Samstag, 24. Januar 2026, 18 Uhr

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 Konzertdauer: ca. 40 min │Pause │ca. 40 min 
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Johann Sebastian Bach (1685–1750)
Toccata e-Moll BWV 914

Franz Schubert (1798–1828)
Klaviersonate c-Moll D 985
I. Allegro
II. Adagio
III. Scherzo. Allegro vivace – Trio. Un poco più lento
IV. Allegro

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PAUSE
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Frédéric Chopin (1810–1849)
Barcarolle Fis-Dur op. 60

Klaviersonate h-Moll op. 58
I. Allegro maestoso
II. Molto vivace
III. Largo
IV. Presto ma non troppo

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„Stylus fantasticus“ – „fantastischer Stil“: Auf den ersten Blick mag man Johann Sebastian Bachs Musik – oft als Inbegriff von Intellekt und Struktur wahrgenommen – vielleicht nicht mit diesem aus der italienischen Barockmusik stammenden Begriff in Verbindung bringen. Und doch ist vieles, was Bach vor allem in seiner frühen Schaffenszeit für Tasteninstrumente komponiert hat, dieser Sphäre zuzuordnen. Dazu gehört auch die Gruppe von sechs, spätestens 1707–1710 entstandenen Toccaten für Klavier bzw. Cembalo, wobei die Gattungsbezeichnung „Toccata“ (vom italienischen „toccare“ – berühren) eine die Tasten besonders virtuos und instrumentenspezifisch einsetzende Komponierweise meint. Die Toccata e-Moll BWV 914 folgt dem stiltypischen Wechsel freier, wie improvisiert wirkender und kontrapunktischer Teile auf besonders schlüssige Weise: Den ersten beiden, eher zurückgenommenen Abschnitten folgt eine erregte, durchaus „fantastisch“ anmutende Passage, ehe als längster Teil eine in atemloses Sechzehnteln vorbeirauschende Fuge den krönenden Schlusspunkt setzt.

„Fantastisch“ dürften Zeitgenossen und der Nachwelt auch Franz Schuberts drei letzte Klaviersonaten vorgekommen sein. In seinem Todesjahr 1828 komponiert (und erst zehn Jahre später veröffentlicht), spielen die Sonaten immer wieder auf Beethoven an – wohl nur, um sich umso entschiedener von dessen prozesshafter Formphilosophie abzugrenzen. So bezieht sich der Kopfsatz der c-Moll-Klaviersonate D 958 in seinem ersten, markant punktierten Thema auf Beethovens c-Moll Variationen WoO 80. Der weitere Verlauf geht dann, harmonisch scheinbar ziellos mäandernd, zwischen sanglichen und motorisch rastlosen Passagen eigene Wege. Fast verstörend wirken die wild chromatischen Spielfiguren, mit denen Schubert aus der Durchführung in die Reprise zurückleitet. Die über grollendem Bassuntergrund ausgesponnene Coda führt den Satz zu einem düsteren Ende. Auch die ruhige Sanglichkeit des Adagios wird bald von beunruhigenden Akkordballungen und vorsichtig tastenden Episoden durchsetzt. In der Coda scheint über Staccato-Bässen eine plötzliche Leichtigkeit auf, ehe der Schluss alles wieder in Frage stellt. Rätselhaft mutet auch das Menuett an: Zwischen Moll und Dur changierend wirkt es fragmentiert, aufgebrochen, ohne dass Tanzreste die Stimmung aufheitern könnten – eine Unsicherheit, die auch im Trio-Mittelteil spürbar bleibt. Die Motorik des Finalthemas wirkt dann zunehmend obsessiv, bevor eine akkordisch schroffe Überleitung zum merkwürdigen zweiten Thema hinführt. Hier und in weiteren Episoden kündigt sich in Schuberts Musik – in vielerlei Hinsicht ihrer Zeit voraus – Robert Schumanns leicht manischer Klavierfuror an.

„Manchmal würde ich für ein paar Stunden Sonne mehrere Jahre meines Lebens hergeben.“ Dieser Stoßseufzer Frédéric Chopins aus dem Dezember 1845 kommt einem in den Sinn, wenn man die Barcarolle Fis-Dur op. 60 hört, an der er zu dieser Zeit arbeitete. Zum ersten und einzigen Mal in seinem Schaffen wandte Chopin sich hier der Gattung des venezianischen Gondellieds zu, das vor ihm unter anderem Felix Mendelssohn Bartholdy in die Kunstform Klaviercharakterstück verwandelt hatte. Nach einer lichtdurchfluteten Eröffnungsgeste spinnt Chopin über einer sanft wogenden Begleitfigur eine exquisit italianisierende Melodie aus. Chopin verharrt aber nicht im Idyllischen, sondern verleiht dem weit ausgreifenden Stück vor allem im Mittelteil auch nachdenkliche und leidenschaftliche Züge.

Die Klaviersonate h-Moll op. 58 von 1844 stellt so etwas wie die Summe von Chopins kompositorischem Schaffen dar. Gerade im ersten Satz beweist sie ein Gespür für große Formen, das man dem „Salon-Komponisten“ gemeinhin abzusprechen geneigt ist. Die Kontrastierung der Themen, ihre gekonnte, dramatisch zugespitzte Verarbeitung in der Durchführung, die geschickt verkürzte Reprise: All das macht dieses Allegro maestoso zu einem packenden Hörerlebnis. Im kurzen zweiten Satz mit seinen virtuos beschleunigten Scherzo-Eckteilen bildet das melancholische Trio das Herzstück und stimmt somit auf die Innenschau des langsamen Satzes ein. Dessen zentraler Abschnitt gehört mit seinem Gesang über strenger, wie auf Bach zurückblickender Figuration zum Eindringlichsten, was Chopin geschaffen hat. Mächtige Akkordblöcke leiten den kompakten, zunächst brütend um sich kreisenden Finalsatz ein. Ein trotzig triumphales zweites Thema und furiose Sechszehntelpassagen halten das Geschehen permanent auf Zug, mit unbändiger Energie stürzt der Satz auf sein packendes Ende zu. 

Dr. Juan Martin Koch (c) Kulturwald gGmbH 2026


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Alexandra Dovgan

Alexandra Dovgan wurde 2007 in eine Musikerfamilie geboren und begann ihr Klavier-Studium mit viereinhalb Jahren. Im Alter von fünf Jahren bewies sie erstmals ihr Talent, als sie die äußerst selektive Aufnahmeprüfung der Academic Central Music School in Moskau passierte, wo sie bei Mira Marchenko studierte. Aktuell studiert sie am Ateneo de Música in Malaga. Alexandras musikalische Entwicklung wurde stark von ihrer kreativen Kommunikation mit einem der herausragendsten Pianisten unserer Zeit beeinflusst: Grigory Sokolov.

Alexandra hat bereits bei fünf internationalen Wettbewerben gewonnen, darunter Vladimir Krainev Moscow International Piano Competition, Astana Piano Passion, International Television Contest „The Nutcracker“. Erst zehn Jahre alt, wurde sie mit dem Grand Prix bei der II°International Grand Piano Competition in Moskau ausgezeichnet. Die Bilder des Konzertes gingen per Medici.TV und Youtube um die Welt und bewegten Musiker sowie Klavier-Liebhaber gleichermaßen.

Trotz ihres jungen Alters hat Alexandra Dovgan schon an einigen der bedeutendsten Konzertsäle der Welt debütiert, darunter Philharmonie & Konzerthaus in Berlin, Théâtre des Champs-Élysées Paris, Amsterdam Concertgebouw, Konzerthaus Wien, Tonhalle Zürich, Victoria Hall in Genf, Konserthuset in Stockholm, Palau de la Música in Barcelona und Gulbenkian in Lissabon - und wurde stets mit Standing Ovations and begeisterten Kritiken gefeiert.

Seit ihrem ersten und bejubelten Rezital bei den Salzburger Festspielen beeindruckte Alexandra Kritiker und Publikum gleichermaßen mit einer imponierenden Reihe internationaler Debüts: u.a. mit Gustavo Dudamel und dem Mahler Chamber Orchestra, mit der Kioi Sinfonietta in Japan und Trevor Pinnock, mit dem Tonhalle-Orchester Zürich unter der Leitung von Paavo Jarvi, Stockholm Philharmonic und Ton Koopman, Barcelona Symphony und Kazushi Ono, sowie kürzlich mit Bergen Philharmonic und Pietari Inkinen.

Die Highlights der Spielzeit 2025/26 sind Alexandras Debüt an der Carnegie Hall New York und im Kennedy Center in Washington, am Concertgebouw Amsterdam, sowie mit dem Orchestre National de France, mit der Dresdner Philharmonie, den Symphonikern Hamburger, dem Luzerner Sinfonieorchester, San Diego Symphony, und schließlich folgt die Rückkehr u.a. an das Wiener Konzerthaus, den Boulez Saal Berlin und das Prinzregententheater München.

Alexandras Klavierspiel ist geprägt von spontaner Tiefe und großem Bewusstsein, sowie vom Klang außerordentlicher Schönheit und Präzision. Oberflächliche Shows oder technische Demonstrationen wird man bei ihr nicht finden, stattdessen eine beeindruckende Konzentration, gepaart mit Reinheit des Ausdrucks und kreativer Vorstellungskraft. Die junge Pianistin besitzt eine charismatische Bühnen-Präsenz und eine ausgeprägte Persönlichkeit.

Im Juni 2024 erhielt Alexandra Dovgan den prestigeträchtigen Prix Serdang von Rudolf Buchbinder und Adrian Flury in Anerkennung ihrer Erfolge und bereits bedeutenden Karriere.