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24.06.26

Pianorecital Christian Zacharias

Mittwoch, 24. Juni, 19 Uhr 

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Konzertdauer: ca. 60 Min. │ Pause │ ca. 40 min. 
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Joseph Haydn (1732-1809) 
Klaviersonate G-Dur Hob XVI:39
I. Allegro con brio
II. Adagio
III. Prestissimo

Franz Schubert (1797-1828)
Moments Musicaux D 780
1. Moderato
2. Andantino
3. Allegretto moderato
4. Moderato
5. Allegro vivace
6. Allegretto

Joseph Haydn (1732-1809)
Klaviersonate C-Dur Hob XVI:48
I. Andante con espressione
II. Rondo. Presto

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PAUSE
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François Couperin (1668-1733)
Les Moissonneurs

Francis Poulenc (1899-1963)
Trois Mouvements perpétuels
Assez modéré – Très modéré – Alerte


François Couperin
Les Charmes

Francis Poulenc
Improvisation Nr. 13 a-Moll


Domenico Scarlatti (1685-1757)
Klaviersonate c-Moll K. 158

Francis Poulenc
Improvisation Nr. 15 c-Moll (Hommage à Édith Piaf)


François Couperin
Les Barricades Mystérieuses

Francis Poulenc
Intermezzo Nr. 2 Des-Dur
Mélancolie

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In den Jahren zwischen 1773 und 1780 wandte sich Joseph Haydn verstärkt der Klaviersonate zu, einer Gattung, die sonst nicht im Mittelpunkt seines Interesses gestanden hatte. So wurden die drei Sammlungen zu je sechs Sonaten in einer Zeit, da seine Erkundungen des Streichquartetts zwischenzeitlich ruhten, zu den wichtigsten Werken für das Musizieren im privaten Rahmen – und so zu Gegenentwürfen zur öffentlichen Gattung Symphonie. Die Sonaten in G-Dur Hob XVI:39 und in C-Dur Hob XVI:48 gehören zu jener Sechsergruppe, die 1780 als op. 30 erschien und die den Schwestern Franziska und Marianne von Auenbrugger gewidmet ist, deren Spiel Haydn sehr schätzte. Der erste Satz der G-Dur-Sonate ist aus zwei Gründen bemerkenswert: Zum einen hat Haydn ihn als eine Art Doppelvariation angelegt. Das erste Thema ist zweiteilig, wobei beide Teile wiederholt werden; das zweite, daraus abgeleitete steht in g-Moll und führt am Ende wieder ins erste Thema über, was auch in den Variationen für kleine Irritationen sorgt. Zum anderen ist das Haupthema identisch mit dem des Scherzando aus der cis-Moll-Sonate aus Opus 30, was Haydn in einem schönen Brief an seinen Verleger zu rechtfertigen versuchte: „Unter anderen finde ich nothwendig um der Critic einiger Wizlinge auszuweichen auf der anderen seite des titul blats folgendes unterstrichen beyzudrucken: Avvertissement. Es sind unter diesen 6 Sonaten zwey einzelne Stücke, in welchen sich etwelche Täcte einerley Idee zeigen: der Verfasser hat dieses um den unterschied der Ausführung mit Vorbedacht gethan.“ Auch in der zweisätzigen C-Dur-Sonate ist der erste Satz bemerkenswert: ein ausgedehntes Andante con espressione (also „mit Ausdruck“), das sich zwischen lockerer Variationsform und quasi improvisatorischem Fantasieren wunderbar frei entfaltet. Ganz bewusst stellt Haydn ihm ein beinahe schulmäßig angelegtes Rondo gegenüber.

Moments Musicaux“ – Musikalische Momente: Es ist ein schöner Titel, den sich Maximilian Leidesdorf für die 1828 als Opus 94 in seinem Verlag erschienene Sammlung von sechs Klavierstücken Franz Schuberts ausgedacht hatte. Die Erwartung kurzer, möglicherweise eingängiger pianistischer „Momentaufnahmen“, die der Verleger wohl bei der potenziellen Kundschaft schüren wollte, erfüllen die in dreiteiliger A-B-A-Form zum Teil recht ausgedehnten Nummern der Sammlung aber nur bedingt. Am ehesten passt noch die berühmte, melancholisch-tänzerische Nummer 3, die zuvor schon einzeln als „Air russe“ erschienen war, zu dieser Erwartungshaltung, und auch die Staccato-Kontrapunktik der barockisierenden Nummer 4 und die knappe Nummer 5 mit ihrer trotzigen Rhythmik strahlen eine gewisse Eingängigkeit aus. Die Nummern 1, 2 und 6 dagegen dehnen ihre in sich gekehrten „Momente“ zeitlich wie emotional aus und erkunden auf faszinierende Weise auch die dunkle Gefilde einer weit in die Romantik vorausweisenden Klavierpoetik.

Francis Poulenc, vor seinen Kompositionsstudien als Pianist ausgebildet, hat sich zeit seines Lebens mit Klaviermusik beschäftigt. So umspannen die von Christian Zacharias ausgewählten Stücke verschiedene Phasen seines facettenreichen Schaffens: Während wir in den Trois Mouvements perpétuels von 1918 dem neoklassizistisch-charmanten Mitbegründer der Groupe des Six begegnen, ist das Intermezzo Nr. 2 von 1934 poetischer, verhangener, und kündigt schon die berühmte „Mélancolie“ von 1940 und die gedämpft leidenschaftliche 13. Improvisation von 1958 an. Mit der letzten, der 15. Improvisation von 1959, huldigte Poulenc der legendären Édith Piaf, deren „La vie en rose“ – 1950 im Radio gehört – ihn stark beeindruckt hatte. Poulenc überträgt den melancholischen Chanson-Tonfall in ein lyrisches Klavierstück, in dem aus der Ferne die Herbstblätter der „Feuilles mortes“ herüberzuwehen scheinen.

Christian Zacharias stellt Poulencs Werken die empfindsame c-Moll-Sonate K. 158 Domenico Scarlattis und drei Charakterstücke François Couperins gegenüber. Dessen „Les Moissonneurs“ (Die Erntearbeiter) vertritt dabei den Typus des galanten Rondos, „Les Charmes“ (Die Lockungen) den der nachdenklichen Fantasie, während uns das in zahlreichen modernen Bearbeitungen präsente, magisch um eine sich wiederholende Bassformel kreisende „Les Barricades Mystérieuses“ nicht nur mit seinem Titel Rätsel darüber aufgibt, welche Barrieren hier gemeint sein könnten. Claude Debussy hatte offenbar jene zwischen den Geschlechtern im Sinn, als er 1913 schrieb: „So drängen sich meinen Gedanken beispielsweise bestimmte kleine Cembalostücke von Couperin auf; es sind wunderbare Modelle, von einer Anmut und Natürlichkeit, die wir nicht mehr kennen. Nichts kann den verborgenen sinnlichen Duft, die feine, heimliche Perversität vergessen machen, die unschuldsvoll die Barricades mystérieuses umschweben…“

Dr. Juan Martin Koch (c) Kulturwald gGmbH 2026

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Christian Zacharias

„Sein Ansatz ist oft akribisch und detailliert, mit besonderem Augenmerk auf Klarheit und Ausgewogenheit des Klangs, die die Transparenz der musikalischen Linien und den strukturellen Zusammenhalt betont, so dass der Diskurs natürlich fließen und jede thematische Einheit mit ihrem eigenen Charakter glänzen kann, ohne dass die Einheitlichkeit verloren geht“ (Granada Hoy, 28. April 2024)

Christian Zacharias ist der Erzähler unter den Dirigenten und Pianisten seiner Generation. In jeder seiner durchdachten, detailgenauen und klar artikulierten Interpretationen wird deutlich: Zacharias ist an dem interessiert, was hinter den Noten steckt.

Mit einer einmaligen Kombination von Integrität und Individualität, brillanter sprachlicher Ausdrucksfähigkeit, tiefem musikalischen Verständnis und einem sicheren künstlerischen Instinkt, sowie mit seiner charismatischen und einnehmenden Künstlerpersönlichkeit, etablierte sich Christian Zacharias nicht nur als weltweit führender Dirigent und Pianist, sondern auch als musikalischer Denker. Zahlreiche umjubelte Konzerte mit den weltbesten Orchestern, herausragenden Dirigenten und Solisten, und vielfache Ehrungen sowie Aufnahmen zeichnen seine internationale Karriere aus.

Seit 2021/2022 ist Christian Zacharias Erster Gastdirigent beim Orquesta Ciudad de Granada. Außerdem ist er seit 2021/2022 als Associate Conductor Teil des künstlerischen Leitungsteams des Orchestre National Auvergne Rhône-Alpes. Konzerte führen ihn zudem regelmäßig zu u.a. den seit Jahren verbundenen Göteborger Symphonikern, dem Orchestra della Svizzera Italiana, dem Orchestre National du Toulouse, dem Opern- und Museumsorchester Frankfurt, dem Philharmonischen Orchester Posen sowie dem Orchestre Philharmonique de Monte Carlo und dem Saint Paul Chamber Orchestra. Außerdem ist er ein gern gesehener Gast beim Boston Symphony Orchestra, dem Konzerthausorchester Berlin, den Bamberger Symphonikern, den Stuttgarter Philharmonikern oder dem Nationalorchester Lyon.

Klavierabende, die vereinzelt noch Teil des vollen Kalenders sind, führten ihn in die Metropolen Europas, u.a. nach Paris, London, Madrid und Frankfurt, sowie zu renommierten Festivals wie der Schubertiade, nach La Roque d’Anthéron und zu Piano aux Jacobins in Toulouse. Neben Rezitalen offerieren Zacharias Klavier-Lectures zu Themen, wie bspw. „Von Couperin bis Poulenc“, „Von Madrigalen bis Edith Piaf“ , „Warum klingt Schubert wie Schubert?“ oder „Haydn, eine Schöpfung aus dem Nichts?“ seinem Publikum eindrucksvolle musikalische Einblicke.

Eine besondere Liebe zu Opern führte zur musikalischen Leitung von Mozarts La Clemenza di Tito und Le Nozze di Figaro sowie Offenbachs La Belle Hélène. Die Produktion von Nicolais Die lustigen Weiber von Windsor, welche er an der Opéra Royal de Wallonie in Liège dirigierte, wurde von der Association Professionnelle de la Critique Théâtre, Musique et Danse in Paris mit dem Prix de l‘Europe Francophone 2014/2015 ausgezeichnet.

Zudem entstanden seit 1990 folgende Filme: Domenico Scarlatti in Sevilla, Robert Schumann – der Dichter spricht (beide für INA, Paris), Zwischen Bühne und Künstlerzimmer (für WDR-arte), De B comme Beethoven à Z comme Zacharias (für RTS, Schweiz) sowie die Aufnahme aller Klavierkonzerte von Beethoven (für SSR-arte).

Das musikalische Wirken Christian Zacharias wurde vielfach geehrt, u.a. mit dem Midem Classical Award Artist of the Year 2007, der ehrenvollen Auszeichnung Officier dans l’Ordre des Arts et des Lettres des französischen Staates sowie einer Ehrung aus Rumänien für seine Verdienste um die Kultur. Darüber hinaus wurde Christian Zacharias 2016 zum Mitglied der Königlichen Schwedischen Akademie für Musik ernannt und erhielt 2017 einen Ehrendoktor der Universität Göteborg.

Zahlreiche von der internationalen Presse hoch gelobte Aufnahmen entstanden in seiner Zeit als Chefdirigent des Orchestre de Chambre de Lausanne. Besonders hervorzuheben ist die Gesamtaufnahme aller Klavierkonzerte Mozarts – ausgezeichnet mit dem Diapason d’Or de l’Année, Choc du Monde de la Musique und ECHO KLASSIK – sowie aller Sinfonien Schumanns. Fast zwanzig Jahre später erschienen 2022/2023 zwei Alben mit Sonaten von Haydn und Partiten sowie Suiten von Bach.