08.12.25
Pianorecital Kit Armstrong
Montag, 8. Dezember 2025, 19 Uhr
Konzertdauer: ca. 40 min │Pause │ca. 45 min
Peter Tschaikowsky (1840–1893)
Die Jahreszeiten op. 37b
Frédéric Chopin (1810–1849)
Études op. 25
Tschaikowsky
Januar – Am Kamin
Februar – Karneval
März – Lied der Lerche
Chopin
Nr. 1 As-Dur – Allegro sostenuto
Nr. 2 f-Moll – Presto
Nr. 3 F-Dur – Allegro
Tschaikowsky
April – Schneeglöckchen
Mai – Weiße Nächte
Juni – Barcarole
Chopin
Nr. 4 a-Moll – Agitato
Nr. 5 e-Moll – Vivace
Nr. 6 gis-Moll – Allegro
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PAUSE
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Tschaikowsky
Juli – Lied der Schnitter
August – Die Ernte
September – Jagdlied
Chopin
Nr. 7 cis-Moll – Lento
Nr. 8 Des-Dur – Vivace
Nr. 9 Ges-Dur – Allegro assai
Tschaikowsky
Oktober – Herbstlied
November – Troika
Dezember – Weihnachten
Chopin
Nr. 10 h-Moll – Allegro con fuoco
Nr. 11 a-Moll– Lento – Allegro con brio
Nr. 12 c-Moll – Allegro molto con fuoco
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„Ich habe große Lust, mich jetzt mit Klavierstückchen zu befassen. Ihr Tschaikowsky. Alle ihre Titel behalte ich bei.“ Das schrieb Peter Tschaikowsky in seiner Antwort vom 24. November 1875 an den Verleger Nikolaj Matvejevitsch Bernard. Dieser hatte ihn beauftragt, für seine musikalische Zeitschrift „Le Nouvelliste“ einen Zyklus mit zwölf den Monaten des Jahres zugeordneten Klavierstücken zu schreiben. 1876 wurde dieser dann als monatliche Serie unter dem Sammeltitel „Die Jahreszeiten“ mit der von Bernard aus unbekannten Gründen vergebenen Opusnummer 37 in der Zeitschrift veröffentlicht. Tschaikowsky übernahm die vom Verleger vorgeschlagenen Titel und komponierte die angedeuteten Stimmungen mit fein charakterisierenden Stücken aus, deren technische Schwierigkeiten sich – wohl aus Rücksicht auf die Leserschaft des Nouvelliste“ – bei vielen Nummern in Grenzen halten. 1885 druckte Tschaikowskys Verleger Jürgenson die Einzelstücke dann unter der Opusnummer 37b nach (die Nummer 37 war für Tschaikowskys „Grande Sonate“ vergeben) und übernahm sie später als kompletten Zyklus in den dritten Band seiner Ausgabe der Klavierwerke Tschaikowskys.
In Dreiergruppen angeordnet verschränkt Kit Armstrong „Die Jahreszeiten“ in seinem heutigen Programm mit Frédéric Chopins zwischen 1833 und 1837 entstandenen Études op. 25. In seinem zweiten großen Etüdenzyklus baut Chopin in der Erkundung pianistischer Herausforderungen und Klangpotenziale vielfach auf seine erste Sammlung op. 10 auf, verfährt aber in der Tonartenfolge freier. Obwohl die einzelnen Etüden selbstständiger für sich zu stehen scheinen und länger ausgesponnen werden – am extremsten in der zentralen Nummer 7 in cis-Moll – ergibt sich doch eine lose Steigerungsdramaturgie, die in den drei Schlussnummern kulminiert. Wie extreme technische Virtuosität in extreme Ausdrucksdichte umschlagen kann, das beweist Chopin in seinem für die Entwicklung des Klavierspiels bahnbrechenden Zyklus auf exemplarische Weise.
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Kit Armstrong
Seitdem Kit Armstrong vor nahezu zwanzig Jahren die internationalen Bühnen betrat, fasziniert er die Musikwelt. Kaum ein anderer junger Künstler – 2022 wird Kit Armstrong 30 Jahre alt – ist auf derart vielen Gebieten versiert und universell ausgebildet wie er. Von der New York Times als „brillanter Pianist“ gefeiert, der „musikalische Reife und jugendliche Kühnheit in seinem exzeptionellen Spiel verbindet“, hat Kit Armstrong eine ganz eigene künstlerische Handschrift ausgeprägt. Die intensive Beschäftigung mit der Musik steht bei ihm auf selbstverständliche Art und Weise in enger Beziehung mit anderen Künsten sowie mit Naturwissenschaften und Mathematik. Sein Repertoire geht zurück bis ins 16. Jahrhundert, zu den Anfängen der Tastenmusik bei den großen englischen Virginalisten, und reicht bis ins 21. Jahrhundert. Seine Programme sind eine einzigartige Mischung musikalischer Entdeckungen mit den großen Meisterwerken der Klavierliteratur.
So ist es für Kit Armstrong ein konsequenter Schritt, sich auf seinem Debütalbum bei Deutsche Grammophon mit Werken von William Byrd und John Bull, den Gründungsvätern der Musik für Tasteninstrumente, zu präsentieren und damit zu einer größeren Bekanntheit dieser Musik beizutragen. Mit ihren gegensätzlichen Musikerpersönlichkeiten – reine, komplexe Schönheit auf der einen und leidenschaftlicher Selbstausdruck auf der anderen Seite – schufen Byrd und Bull gemeinsam das Universum, das die Instrumentalmusik seither bestimmt. Das Album wird im Juli 2021 veröffentlicht.
Für die kommenden Spielzeiten hat Kit Armstrong einen Zyklus von 500 Jahren Klaviermusik entwickelt. In fünf Programmen nimmt er seine Zuhörer auf eine Reise durch fünf Jahrhunderte Klaviermusik von 1520 bis 2020, von William Byrd bis ins 21. Jahrhundert. Besonders eindrücklich entfalten sich in der von ihm konzipierten Chronologie die musikalischen Strömungen, Einflüsse und Querbezüge für die Hörer. Auch wird Kit Armstrong die Beschäftigung mit Mozart und seine Liebe zu dessen Werk weiter vertiefen. Dabei werden die Klavierkonzerte ebenso eine zentrale Rolle spielen wie die zyklische Aufführung aller Klaviersonaten. Außerdem liegt ein Schwerpunkt auf der Aufführung sämtlicher Violinsonaten mit dem Geiger Renaud Capuçon.
Armstrong arbeitet mit vielen der weltweit gefragtesten Dirigenten zusammen, darunter unter anderem Christian Thielemann, Herbert Blomstedt, Riccardo Chailly, Kent Nagano, Manfred Honeck, Esa-Pekka Salonen, Mario Venzago und Robin Ticciati. Er ist mit einigen der weltbesten Orchester aufgetreten, darunter die Wiener Philharmoniker, die Staatskapelle Dresden, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Gewandhausorchester Leipzig, das NHK Symphony Orchestra und die Academy of St Martin in the Fields. Er war Artist-in-Residence bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern 2018 und „Artist-in-Resonance“ am Musikkollegium Winterthur und ist langjähriger Partner der Akademie für Alte Musik Berlin.
Solo-Recitals führten ihn in jüngster Zeit ins Théâtre des Champs-Elysées, ins Münchner Prinzregententheater, zum Klavierfestival Ruhr, in die Philharmonie de Luxembourg und in die Kölner Philharmonie.
Als leidenschaftlicher Kammermusiker hat Kit Armstrong enge künstlerische Partnerschaften mit anderen führenden Instrumental- und Vokalsolisten entwickelt. Zusammen mit Renaud Capuçon spielte er alle Mozart-Violinsonaten bei der Mozartwoche Salzburg und im Berliner Boulez-Saal. Mit Christiane Karg, Julian Prégardien und Benjamin Appl hat er wichtiges Liedrepertoire aufgeführt. Armstrong trat auch mit Orgelkonzerten in der Berliner Philharmonie, der Kölner Philharmonie und im Konzerthaus Wien auf. Die Edition Peters verlegt seine Kompositionen. Zu Auftraggebern seiner Werke gehören das Gewandhaus Leipzig und das Musikkollegium Winterthur.
Als Kit Armstrong im Jahr 2012 eine Kirche im nordfranzösischen Städtchen Hirson nahe der belgischen Grenze erwarb, begann eine einzige Erfolgsgeschichte, die seither ein großes Echo in den Medien findet. Mit der Kirche St. Thérèse ist es ihm gelungen, ein sozio-kulturelles Zentrum zu schaffen, das regelmäßig Konzerte und interdisziplinäre Projekte für ein regionales und überregionales Publikum veranstaltet.
Zu Armstrongs bisherigen Soloalben gehören Liszts Symphonic Scenes („handsomely demonstrates the startling rich context given to the Mephisto Waltz when heard after the multi-dimensional Procession by Night“ – Gramophone) und Bach, Ligeti, Armstrong („eine der ganz wenigen CDs, auf die die Welt gewartet hat“ – Kulturradio RBB), beide erschienen bei Sony Classical. Der audiovisuelle Live-Mitschnitt eines Solo-Recitals mit Bachs Goldberg-Variationen und früheren Werken von Byrd, Bull und Sweelinck im Concertgebouw Amsterdam, der 2017 von Unitel/C major veröffentlicht wurde, erhielt weltweites Lob als eine der herausragenden Aufzeichnungen auf DVD (Instrumental Choice December 2017, BBC Music Magazine).
Geboren 1992 in Los Angeles, studierte Armstrong am Curtis Institute of Music und an der Royal Academy of Music in London. Mit 7 Jahren begann er ein Kompositionsstudium an der Chapman University und ein Physikstudium an der California State University, später auch Chemie und Mathematik an der University of Pennsylvania und Mathematik am Imperial College London. Er erwarb einen Master in Mathematik an der Universität Paris VI.
Alfred Brendel, der Kit Armstrong seit 2005 als Lehrer und Mentor begleitet, schreibt ihm „Verständnis der großen Klavierliteratur als eine Einheit von Gefühl und Verstand, Frische und Verfeinerung“ zu. Die einzigartige Beziehung zwischen Armstrong und Brendel wurde in dem Film „Set the Piano Stool on Fire“ des britischen Regisseurs Mark Kidel festgehalten.