23.01.26
Sestetto Stradivari
Freitag, 23. Januar 2026, 19 Uhr
David Romano, Ruggiero Sfregola – Violine
Raffaele Mallozzi, David Bursack – Viola
Diego Romano, Sara Gentile – Violoncello
------------------
Konzertdauer: ca. 45 min │Pause │ca. 35 min
------------------
Luigi Boccherini (1743–1805)
Streichsextett op. 23, Nr. 6, G.459
I. Andante grazioso
II. Allegro assai
III. Tempo di Minuetto
IV. Finale. Prestissimo
Ernst von Dohnányi (1877–1960)
Streichsextett B-Dur
I. Allegro ma tranquillo
II. Scherzo: Allegro vivace
III. Adagio quasi Andante
IV. Finale: Animato
------------------
PAUSE
------------------
Antonín Dvořák (1841–1904)
Streichsextett A-Dur op. 48
I. Allegro moderato
II. Dumka (Elegie). Poco Allegretto
III. Furiant. Presto
IV. Finale. Tema con variazioni. Allegretto grazioso, quasi Andantino
------------------
Luigi Boccherini, den seine beachtliche Komponistenkarriere von Lucca
aus über Rom und Wien schließlich nach Madrid führte, war ein früher
Meister der Streicherkammermusik. Neben dem Trio und dem Quartett
interessierte den ausgezeichneten Cellisten besonders die Erweiterung
zum Streichquintett, das er in 125 Werken mit der überwiegend gewählten
Besetzung von zwei Violinen, Viola und zwei Violoncelli praktisch
„erfunden“ hat. 1776 wandte er sich für sein Opus 23 ausnahmsweise auch
einmal dem Streichsextett zu und zeigte auch hier sein Gespür für
inspirierte Melodik und abwechslungsreiche Stimmkonstellationen. So
dominiert im eröffnenden Andantino grazioso des F-Dur-Sextetts op. 23
Nr. 6 die erste Violine zwar an einigen Stellen und hat sogar zweimal
Gelegenheit zu kadenzartigen Einschüben, doch auch die anderen
Instrumente treten immer wieder hervor und sorgen neben den Wendungen
nach Moll für gelungene Farbwechsel. Das große Klangvolumen des Sextetts
kommt dann im motorisch angeregten Allegro assai immer wieder
effektvoll zum Tragen, während im dritten Satz vor allem der
Trio-Mittelteil anmutigen Spielwitz versprüht. Fast experimentell stellt
Boccherini schließlich im Prestissimo-Finale kontrastierende Bausteine
einander gegenüber, teilweise durch lange Pausen getrennt. Diese Zäsuren
lassen auf humorvolle Weise offen, wie es danach weiter gehen könnte –
oder auch nicht…
Ernst von Dohnányi schrieb die erste Fassung
seines Streichsextetts in B-Dur 1893 (Überarbeitung 1896) und bewarb
sich unter anderem damit an der Budapester Musikakademie. Zu diesem
Zeitpunkt hatte sich die Besetzung zwar nicht zu einem weit verbreiteten
Kammermusikstandard entwickelt, der 16-Jährige konnte sich jedoch an
zwei Vorbildern orientieren: den Sextetten op. 18 und op. 36 von
Johannes Brahms. Dies wird schon am elegischen Tonfall der Eröffnung
deutlich, deren langgezogene Unisono-Melodie sich erst allmählich von
b-Moll nach B-Dur wendet und zum ersten Thema des Sonatensatzes
beschleunigt. Im zweiten Thema scheint mit Franz Schubert ein weiteres
Vorbild Dohnányis durch, mit der Durchführung samt Fugenabschnitt stellt
der Studienaspirant seine satztechnischen und kontrapunktischen
Fähigkeiten unter Beweis. Im zweiten Satz greift Dohnányi den von Felix
Mendelssohn Bartholdy geprägten Typus des „Elfenscherzos“ auf und
kontrastiert diesen gekonnt mit zwei melancholischen Moll-Trios. Eine
neue harmonische Sphäre wird im Adagio quasi Andante in Ges-Dur
betreten, und Dohnányi schafft durch gelegentliche Ausdünnung des Satzes
und prominente Beteiligung der ersten Bratsche und des ersten Cellos
eine dunkel und warm abgetönte Klangstimmung. Rhythmisch zupackend und
mitreißend schwungvoll beschließt das Finale diesen frühen Geniestreich
eines Hochbegabten.
Neben den genannten Werken von Johannes
Brahms ist Antonín Dvořáks Streichsextett in A-Dur op. 48 eines der
unbestrittenen Meisterstücke der Gattung. 1878 komponiert, atmet es den
folkloristischen Geist der etwa gleichzeitig entstandenen Slawischen
Tänze, zeigt den Komponisten aber auch als brillanten
Architekten des sechsstimmigen Klanggebäudes. Der eröffnende Sonatensatz
ist souverän gebaut und verarbeitet das hinreißende melodische Material
in immer wieder neuen Stimmverzweigungen. Erstmals in Dvořáks
Kammermusikschaffen tragen die Mittelsätze der Volksmusik entlehnte
Titel. Die an zweiter Stelle stehende Dumka besteht aus drei
Abschnitten: einer getragenen Polka (Poco Allegretto), einem
melancholischen Adagio-Marsch und einer entrückten Wiegenlied-Passage.
Den dritten Satz bildet ein Furiant, der zwar nicht die sonst für diesen
Tanz üblichen Taktwechsel aufweist, deshalb aber – vom entspannten
Trio-Mittelteil abgesehen – nicht minder feurig ist. Als letzten Satz
fächert Dvořák fünf Variationen über ein graziöses, zwischen Moll und
Dur changierendes Thema auf. Ebenso charakteristisch wie die
thematischen Veränderungen sind dabei die wechselnden Beziehungen der
sechs Stimmen zueinander. Eine „Stretta“, ein beschleunigter
Schlussabschnitt bringt das herrliche Werk zu einem würdigen Ende.
Dr. Juan Martin Koch (c) Kulturwald gGmbH 2026
------------------
Sestetto Stradivari
Das Sestetto Stradivari, bestehend aus Mitgliedern des Orchestra dell’ Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom, wurde im Dezember 2001 anlässlich einer Konzerteinladung zur internationalen Ausstellung „L’arte del Violino” in Rom gegründet. Dieser erste erfolgreiche Auftritt, bei dem das Ensemble ausschließlich auf Stradivari Instrumenten spielte, legte den Grundstein für eine erfolgreiche internationale Karriere. Das einzigartige Zusammenspiel des Sextetts ist geprägt von Harmonie und spürbarer musikalischer Leidenschaft.
Konzerte in seinem Heimatland Italien sind für das Sestetto Stradivari von besonderer Bedeutung. Das Ensemble gastiert regelmäßig bei renommierten Festivals und Events wie dem „Alessandro Scarlatti” Festival in Neapel, dem international renommierten Ravello-Festival oder dem „Festival Paganiniano di Carro”, bei dem das Sextett „SELAH”, eine dem Ensemble gewidmete Komposition von Alessandra Bellino, zur Aufführung brachte. Bereits mehrere Male war das Sestetto Stradivari bei der „Notte Bianca” und der „Notte dei Musei” in Rom mit Konzerten im Palazzo Braschi und Palazzo Barberini zu Gast, begeisterte das Publikum und wurde von den Kritikern hoch gelobt. Des Weiteren konzertierte das Sextett vor über 1000 Zuhörern im Rahmen des Festival „Suoni delle Dolomiti” in der großartigen Kulisse der „Laghetti di Bombasel” im Trentino.
Zwischenzeitlich hat sich das Sestetto Stradivari einen internationalen Namen gemacht. Regelmäßig konzertiert das Ensemble in den großen Konzerthäusern in Europa, den Vereinigten Staaten und Asien. 2014 gastierte das Sextett im Rahmen einer China Tournee u.a. in Shanghai und Peking. Eine Konzertreise durch Spanien folgte im Jahr 2017 mit Konzerten u.a. im Palau de la Musica in Valencia und dem Palau Altea in Alicante. Im Jahr 2018 setzte das Sestetto Stradivari seine internationalen Tourneen mit Konzerten in Südamerika fort.
Die CD-Einspielung „Schönberg-Tschaikowsky“, veröffentlicht bei VDM Records, war im Jahr 2015 für den Grammy Award nominiert. Neben ihrer regen Konzertaktivität geben die Musiker ihr Können in Meisterkursen für Kammermusik weiter. Derzeit ist das Ensemble Residence Artist des „Villa Pennisi in Musica” in Acireale, Catania, einem innovativen Projekt, das sich mit der Vermischung verschiedener Kunstformen wie Musik, Architektur, Klang, Klangtechnik und Social Media Kommunikation beschäftigt. Auch zeitgenössischer Musik nimmt sich das Sestetto Stradivari an und bringt Werke von Komponisten wie Richard Dubugnon, Fabio Massimo Capogrosso, Alessandra Bellino, Yakir Arbib, Ezio Bosso und Matteo Musumeci zur Aufführung.