08.03.26
Tetzlaff Quartett
Sonntag, 8. März 2026, 18 Uhr
Christian Tetzlaff – Violine
Elisabeth Kufferath – Violine
Hanna Weinmeister – Viola
Tanja Tetzlaff – Violoncello
Antonín Dvořák (1841–1904)
Streichquartett Nr. 14 As-Dur op. 105
I. Adagio ma non troppo – Allegro appassionato
II. Molto vivace
III. Lento e molto cantabile
IV. Allegro non tanto
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PAUSE
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Franz Schubert (1797–1828)
Streichquartett Nr. 15 G-Dur D 887
Allegro molto moderato
Andante un poco moto
Scherzo. Allegro vivace – Trio. Allegretto
Allegro assai
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Gleichsam zwischen den Welten befand sich Antonín Dvořák bei der Komposition seines Streichquartetts As-Dur op. 104 von 1895, das sein letztes Kammermusikwerk werden sollte. Begonnen hatte er es noch in Amerika, wo er seit 1892 als Musikdirektor am National Conservatory of Music in New York mit dem Auftrag gearbeitet hatte, dem Land eine musikalische Identität zu geben. Vollendet wurde es dann aber erst nach seiner zunehmend herbeigesehnten Rückkehr nach Prag und so finden sich denn auch keine „amerikanischen“ Elemente in diesem souveränen Alterswerk. Für Dvořák ungewöhnlich beginnt der erste Satz mit einer langsamen, nachdenklich brütenden Einleitung, die sich erst allmählich nach As-Dur und zum ersten Thema hin aufhellt. Leichtfüßiges und rhythmisch markant Zugespitztes prägt dann den weiteren Verlauf des Satzes, der am Ende noch einmal abbremst und die Ruhe des Anfangs wieder aufgreift, nun aber in einem versöhnlichen Tonfall. Folkloristisch geprägt ist der zweite Satz, ein Scherzo mit Furiant-Charakter, der dritte macht seiner Vortragsbezeichnung Lento e molto cantabile mit wunderbar ausgesungenen Melodien alle Ehre. Dvořák steigert diese aber auch leidenschaftlich und blickt im Mittelteil kurz auf die fahle Stimmung der langsamen Einleitung des Kopfsatzes zurück. Das finale Allegro non tanto baut seinen rhythmischen Schwung erst allmählich aus einem Vierton-Motiv auf, und Dvořák verbindet die daraus sich entwickelnde Themenverarbeitung, weitere motivische Elemente und episodische Einschübe so selbstverständlich, dass die dabei verwendete raffinierte Verschränkung von Sonaten- und Rondoelementen zur Nebensache wird.
Welche Entwicklung die Gattung in den knapp 60 Jahren seit ihrer „Erfindung“ durch Joseph Haydn durchgemacht hat, kann man exemplarisch an Franz Schuberts Streichquartett G-Dur D 887 von 1826 ablesen. Aus einem feinsinnig-tiefgründigen, auf höchstem Niveau unterhaltenden Genre ist radikale Ausdrucksmusik geworden, die ohne Rücksicht auf formale und harmonische Traditionen eigene Wege geht. Der erste von Dur nach Moll wechselnde Akkord und ein schroffes punktiertes Motiv geben im weit ausgreifenden Allegro molto moderato den Charakter vor, die anschließenden Tremoli unter der nun seufzenden Punktierung markieren die klangliche Auffächerung ins quasi Symphonische. Das beständige Changieren zwischen verschatteter Dur- und von innen her beleuchteter Moll-Tonalität strahlt auch in den zweiten Satz aus (Andante un poco moto), dessen lyrische Ruhe eine trügerische ist: Fast manisch beißt Schubert sich hier immer wieder an einer nach oben abgerissenen Geste fest – eine Umkehrung des punktierten Motivs aus dem ersten Satz. Dessen Tremoli wiederum treiben das rastlose Scherzo an, einzig im Trioteil kehrt etwas Entspannung ein. Das finale Allegro assai durchweht ein Hauch Italianità: Der wiederum eher obsessive als leichtfüßige Hauptrhythmus ist der Tarantella entlehnt, im Nebenthema scheint Rossinis Barbier um die Ecke zu schielen. Die Spannung zwischen Dur und Moll bleibt aber bis kurz vor Ende bestehen, ehe Schubert nach einer Beruhigung mit zwei wuchtigen Akkorden eine doppelten Schlussstrich hinter sein letztes Streichquartett setzt.
Dr. Juan Martin Koch (c) Kulturwald gGmbH 2026
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Tetzlaff Quartett
Die gemeinsame Leidenschaft für Kammermusik führte Christian und Tanja Tetzlaff sowie Hanna Weinmeister und Elisabeth Kufferath 1992 zur Gründung eines Streichquartetts, das seit 1994 aktiv konzertiert und von den internationalen Konzertpodien nicht mehr wegzudenken ist. Im Jahr 2024 wird das Quartett sein 30-jähriges Bühnenjubiläum feiern. Das Ensemble setzt Maßstäbe mit seiner sensiblen Musikalität und ausgefeilten Klangkultur, die insbesondere aus ihrer langen Freundschaft und Verbundenheit resultiert. In den vergangenen Jahren haben sie ein breites Repertoire entwickelt, ohne dabei auf ihre Energie und ihre Neugier auf Neues zu verzichten, die sie stets antreibt.
Regelmäßige Konzerte führen das Tetzlaff Quartett zu den großen internationalen Konzertsälen wie der Carnegie Hall (New York), der Berliner Philharmonie, der Elbphilharmonie Hamburg, der Wigmore Hall (London), dem Gewandhaus zu Leipzig, der Philharmonie Luxembourg, zum Musikverein Wien und in das Concertgebouw Amsterdam sowie zu renommierten Festivals wie dem Musikfest Berlin, Rheingau Musik Festival und dem Heidelberger Frühling. Highlights der Saison 2024/25 sind Konzerte in der Londoner Wigmore Hall, der Carnegie Hall, der Elbphilharmonie, den Berliner und Kölner Philharmonien, der Philharmonie Luxembourg und in der Davies Hall in San Francisco.
2010 erschien die erste Aufnahme beim Label CAvi mit Quartetten von Schönberg und Sibelius; 2013 folgte eine Aufnahme mit Werken von Berg und Mendelssohn, ausgezeichnet mit dem „Diapason d’or“. Bei Ondine erschien 2017 eine Aufnahme mit Werken von Haydn und Schubert, zuletzt in 2020 eine Aufnahme mit zwei späten Streichquartetten von Beethoven.
Christian Tetzlaff – Violine
Gleichermaßen
heimisch im Repertoire der Klassik und Romantik sowie des 20.
Jahrhunderts, hat Christian Tetzlaff Maßstäbe mit seinen
Interpretationen der großen Violinkonzerte gesetzt. Als Solist und
Kammermusiker gastiert er regelmäßig in allen internationalen
Musikmetropolen. Er spielt eine Violine von Peter Greiner.
Elisabeth Kufferath
–
Violine
Seit
2009 hat sie eine Professur für Violine an der Hochschule für Musik und
Theater in Hannover inne. Sie ist eine begehrte Kammermusikpartnerin
und engagiert sich für zeitgenössische Musik (UA u. a. von Manfred
Trojahn und Elliott Carter). Sie spielt eine Violine von Peter Greiner.
Hanna Weinmeister
–
Viola
Seit
1998 ist sie als Erste Konzertmeisterin beim Orchester der Oper Zürich
verpflichtet. Sie spielt eine Bratsche von Peter Greiner.
Tanja Tetzlaff
–
Violoncello
Solistisch
wie kammermusikalisch konzertiert Tanja Tetzlaff in ganz Europa sowie
in den USA, in Australien und Japan und ist regelmäßig zu Gast bei
internationalen Festivals. Sie spielt ein Violoncello von Giovanni
Battista Guadagnini aus dem Jahre 1776.