24.07.25
Thomas E. Bauer & Donald Sulzen – Die schöne Müllerin
Donnerstag, 24. Juli 2025, 19 Uhr
Thomas E. Bauer – Bariton
Donald Sulzen – Klavier
Matthias Junker – Rezitation
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Konzertdauer: ca. 70 min, keine Pause
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Franz Schubert (1797–1828)
Die schöne Müllerin D 795
Liederzyklus nach Texten von Wilhelm Müller
Der Dichter, als Prolog (gelesen)
1. Das Wandern
2. Wohin?
3. Halt!
4. Danksagung an den Bach
5. Am Feierabend
6. Der Neugierige
Das Mühlenleben (gelesen)
7. Ungeduld
8. Morgengruß
9. Des Müllers Blumen
10. Tränenregen
11. Mein!
12. Pause
13. Mit dem grünen Lautenbande
14. Der Jäger
15. Eifersucht und Stolz
Erster Schmerz, letzter Scherz (gelesen)
16. Die liebe Farbe
17. Die böse Farbe
Blümlein Vergißmein (gelesen)
18. Trockne Blumen
19. Der Müller und der Bach
20. Des Baches Wiegenlied
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„Doch wenn Ihr nach des Spiels Personen fragt, / so kann ich Euch, den Musen sei’s geklagt / nur eine präsentieren, recht und echt, / das ist ein junger, blonder Müllersknecht; / denn ob der Bach zuletzt ein Wort auch spricht, / so wird der Bach deshalb Person noch nicht.“
Dieser Ausschnitt aus dem launigen Prolog zu „Die schöne Müllerin“ – wir werden ihn heute zusammen mit weiteren unvertonten Gedichten gelesen hören – lässt den Ursprung erahnen, auf den Wilhelm Müllers Gedichtzyklus von 1821 zurückgeht: Fünf Jahre zuvor hatte sich ein literarischer Freundeskreis im Hause eines Berliner Staatsrats getroffen und zum Privatvergnügen das eigene Stück „Rose, die Müllerin“ aufgeführt. Von dem Komponisten Ludwig Berger animiert, ergänzte der dabei ebenfalls anwesende Wilhelm Müller seine ursprünglich fünf Gedichte daraus zum Zyklus „Die schöne Müllerin“.
Von dem ironischen Prolog, dessen Tonfall Müller im Epilog wieder aufnahm, ließ Franz Schubert sich nicht ablenken. Er erkannte das Ausdruckspotenzial, das sich hinter der eher stereotypen, von der deutschen Erstaufführung von Giovanni Paisiellos Opera Buffa „La molinara“ inspirierten Handlungskonstellation verbirgt, und vertonte den Zyklus unter Auslassung von Prolog, Epilog und vier weiteren Gedichten als 20-teilige Liedernovelle.
Mit einzigartigem lyrischen Einfühlungsvermögen spürt Schubert der zunächst unterschwelligen, dann immer stärker in den Vordergrund tretenden Schwermut seines Protagonisten, eines Müllergesellen, nach und begleitet ihn in seinen emotionalen Ausnahmezuständen, die schließlich in den Freitod münden.
So ist schon im zweiten Lied („Wohin“!) von den Nixen die Rede, die „tief unten ihren Reihn“ singen. Über dem trauten Zusammensein mit der angebeteten Müllerstochter im zehnten Lied („Tränenregen“) hängt schon die Verlustahnung, die sich mit dem Auftreten des Jägers als Rivale (Lied Nr. 14) bestätigt. Der Bach, dessen Personifizierung der Dichter im Prolog scherzhaft in Frage stellt, wird für den Müllerburschen umso stärker zum Bezugspunkt, je mehr er sich nach der gescheiterten Liebe zur Müllerin von der Gesellschaft entfremdet. Das Zwiegespräch des vorletzten Liedes („Der Müller und der Bach“), ist dann endgültig geprägt von Todessehnsucht: In die „kühle Ruh“, die der Müller sich vom Bach erhofft, wiegt dieser ihn im letzten Lied endgültig ein.
Der Bach, die Blumen, die Tränen, das Grün, die Jagd, das Fenster… So wie der Gedichtzyklus von wiederkehrenden lyrischen Motiven durchzogen ist – häufig verzahnen sie Nummern miteinander – so spannt Schubert seine mal in Strophenformen gestalteten, mal durchkomponierten Lieder unter wiederkehrenden musikalischen Stimmungen und Gesten zusammen. So prägt etwa der vom Klavier angetriebene Bewegungsimpuls des Baches, der für aktives Vorwärtsdrängen, aber auch für passives Sich-fortziehen-lassen steht, mehrere Nummern (1. „Das Wandern“, 2. „Wohin?“, 3. „Halt!, 11. „Mein!“, 15. „Eifersucht und Stolz“). Dabei zeugen diese und weitere motorisch-rasche Nummern von kurzzeitiger Euphorie und Zuversicht (7. „Ungeduld“), meist tendieren sie aber in Richtung Trotz und Verzweiflung (5. „Am Feierabend“, 14. „Der Jäger“, 17. „Die böse Farbe“).
Für Zweifel und Melancholie stehen die vielen ruhigeren Lieder, deren Dur-Tonalität immer schon jene Trübung nach Moll in sich tragen, in die sie sich dann immer wieder für kurze Zeit verdüstern (4. „Danksagung an den Bach“, 6. „Der Neugierige“, 8. „Morgengruß“, 10. „Tränenregen“, 12. „Pause“). Bei den in Moll stehenden Liedern stellt sich wiederum der für Schubert so kennzeichnende Effekt ein, dass darin die in Dur stehenden Passagen die tieftraurigsten sind (16. „Die liebe Farbe“, 18. „Trockne Blumen“, 19. „Der Müller und der Bach“). Und so ist auch das abschließende E-Dur von „Des Baches Wiegenlied“ ein todessehnsüchtiger Blick in den „Himmel da oben“, der einem Tränen in die Augen treibt.
Dr. Juan Martin Koch (c) Kulturwald gGmbH 2025
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Thomas E. Bauer
Thomas E. Bauer ist einer der faszinierendsten Vokalkünstler unserer Zeit. Begeistert wird er für die „virile Wucht”, „baritonale Klangschönheit“ und „präzise Diktion“ (Opernglas) seiner ausdrucksstarken Stimme gefeiert.
Als Konzertsänger gastierte Bauer zuletzt beim Orchestre Symphonique de Montréal mit Schönbergs „Gurreliedern“, beim Hong Kong Philharmonic, im Wiener Musikverein, in der Warschauer National-Philharmonie mit Mahlers „Das Lied von der Erde“, im Amsterdamer Concertgebouw mit Bachs Matthäuspassion unter der Leitung von Sigiswald Kuijken, beim Seoul International Music Festival, beim Brühl Haydn Festival mit der Capella Cracoviensis sowie beim Augsburger Mozartfest und Rheingau Musik Festival mit Bachs h-Moll-Messe. Er sang die Uraufführung von Jörg Widmanns Oratorium „ARCHE“ unter der Leitung von Kent Nagano zur Einweihung der Hamburger Elbphilharmonie (als CD bei ECM). Thomas E. Bauer sang Beethovens „Missa Solemnis“ unter Leitung von Philippe Herreweghe, Schuberts „Winterreise“ im Concertgebouw Brugge und die Matthäuspassion in Konzerten u.a. in Paris und Dijon mit der Capella Mediterranea unter Leitung von Leonardo García Alarcón.
Zuletzt war er auch zu erleben im Gewandhaus zu Leipzig, beim Beethovenfest Bonn mit Beethovens Liedzyklus „An die ferne Geliebte“, mit dem MDR Sinfonieorchester unter Simone Young und dem City of Birmingham Symphony Orchestra mit Jörg Widmanns Orchesterliedzyklus „Das heiße Herz“, mit Beethovens 9. Sinfonie mit dem Basler Kammerorchester unter Giovanni Antonini (jetzt bei SONY Classical), mit dem Shanghai Symphony Orchestra unter Yu Long, Jukka-Pekka Saraste und Shao-Chia Lü mit Orchesterliedern von Mahler und mit Kent Nagano und dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg mit Bach-Kantaten. Zu jüngeren Saisonhöhepunkten zählt die Uraufführung der Benjamin-Sinfonie von Peter Ruzicka mit dem hr-Sinfonieorchester unter Leitung des Komponisten.
Thomas E. Bauer war Artist-in-Residence des BOZAR Brüssel und hat mit dem Boston Symphony Orchestra unter Bernard Haitink, dem Concentus Musicus unter Nikolaus Harnoncourt, dem Orchestra Filarmonica della Scala unter Zubin Mehta, dem Gewandhausorchester unter Herbert Blomstedt und Riccardo Chailly und dem Tonhalleorchester Zürich konzertiert. Bei den Salzburger Festspielen war er zuletzt unter Ingo Metzmacher in Schuberts „Lazarus“, in der Berliner Philharmonie in Schönbergs „Jakobsleiter“ zu erleben. Auf der Opernbühne feierte er in Zimmermanns „Die Soldaten“ am Teatro alla Scala große Erfolge. Mehrere Opern-Uraufführungen hat er bestritten.
Thomas E. Bauer, Initiator des preisgekrönten Konzerthauses Blaibach, erfuhr seine erste musikalische Erziehung bei den Regensburger Domspatzen und studierte später Gesang an der Hochschule für Musik und Theater München.
Donald Sulzen
Donald Sulzen ist einer der wenigen Pianisten, der höchste internationale Anerkennung in zwei Bereichen klassischer Musik erreicht hat. Er begleitet einige der meistgefeierten Sänger der Welt, wie Anna Caterina Antonacci, Laura Aikin, Julie Kaufmann, Doris Soffel, Thomas E. Bauer, Thomas Cooley und James Taylor, ist aber auch der Pianist des bekannten Münchner Klaviertrios. Die London Times umschwärmt ihn als „temperamentvoll und stimulierend“ und die Süddeutsche Zeitung lobt seine „intelligente, hervorragende Interpretation.“
Geboren in Kansas City (USA), studierte Donald Sulzen zunächst an amerikanischen Universitäten, vervollkommnete sich dann aber bei Jules Gentil an der École Normale de Musique in Paris, wo er mit Auszeichnung abschloss. Unter der Leitung von Joseph Banowetz und Harold Heiberg absolvierte er den Master in Piano Performance an der University of North Texas mit summa cum laude. Danach reiste er nach Europa, um sich in Meisterklassen mit Martin Katz, Geoffrey Parsons und John Wustman auf das deutsche Lied zu spezialisieren.
Seine Konzerttätigkeit führte ihn in die renommiertesten Konzertsäle Europas, der USA, Südamerikas und Japans. Er hat seine Konzertauftritte durch zahlreiche Übertragungen in Radio und Fernsehen erweitert: Bayerischer Rundfunk, München; WDR, Köln; Radio France, Paris; RAI 1, Rom; RAI 3, Neapel; Südfunk Stuttgart; Radio Bremen; Nippon-TV Tokyo. Mehr als 30 CD-Einspielungen mit Orfeo International, EMI-Toshiba, Koch International, Arte Nova, Amati, Genuin und cpo dokumentieren den hohen künstlerischen Rang des Pianisten. Seine aktuellsten Veröffentlichungen sind „Antonín Dvořák – Piano Trios Op. 65 / Dumky Trio, Op. 90“ (Genuin), sowie „Georg Schumann / Piano Trios 1 & 2“ (cpo), beide mit dem Münchner Klaviertrio.
Nachdem er mehrere Jahre an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Mozarteum in Salzburg unterrichtet hatte, akzeptierte er eine Professur für Liedgestaltung an der Hochschule für Musik und Theater in München, wo er auch wohnt. Sein Interesse an jungen Sängern zeigt sich in seiner früheren Tätigkeit als Begleiter für Meisterklassen von Astrid Varnay, Eleanor Steber, Magda Olivero, George Shirley und Hermann Prey. Er gibt auch eigene Meisterklassen für Sänger und Pianisten in Amerika, Europa und Japan (Yale University, Cursos Internacionales Manuel de Falla, Granada ...).
Unter den Künstlern, mit denen er regelmäßig konzertiert, befinden sich so bekannte Namen wie Anna Caterina Antonacci, Laura Aikin, Doris Soffel, Ofelia Sala, Marilyn Schmiege, Thomas E. Bauer, Thomas Cooley und James Taylor. Mit dem New Yorker Flötist Don Bailey unterstützt er Voyage Unlimited, eine not-for-profit Organisation, die sich der Aufführung, Aufnahme und Veröffentlichung neuer und traditioneller Kammermusik für Flöte widmet.
Seit
2001 ist er der offizielle Pianist des Münchner Klaviertrios, das vom
Cellisten Gerhard Zank 1982 ins Leben gerufen worden war. Donald Sulzens
Leidenschaft, die Musiker seines Trios mit seinen Gesangskünstlern zu
verbinden, offenbart sich in einzigartigen CD-Aufnahmen mit Werken von
Joseph Haydn, Alberto Ginastera, Ned Rorem und Astor Piazzolla.