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09.12.25

Trio Gaspard

Dienstag, 9. Dezember 2025, 19 Uhr

Jonian Ilias Kadesha – Violine
Vashti Hunter – Violoncello
Nicholas Rimmer – Klavier

In Zusammenarbeit mit Into the Open – Music Festival

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Konzertdauer: ca. 50 min │Pause │ca. 40 min 
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Joseph Haydn (1732–1809)
Klaviertrio Es-Dur Hob XV:30
I. Allegro moderato
II. Andante con moto
III. Presto 

Patricia Kopatchinskaja (*1977)
Roh-Rau für Klaviertrio
Auftragskomposition des Trio Gaspard 2024

Ludwig van Beethoven (1770–1827)
Klaviertrio Es-Dur op. 70, Nr. 2
I. Poco sostenuto – Allegro, ma non troppo
II. Allegretto
III. Allegretto, ma non troppo
IV. Allegro

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PAUSE
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Antonín Dvořák (1841–1904)
Klaviertrio Nr. 3 f-Moll op. 65
I. Allegro ma non troppo
II. Allegretto grazioso – Meno mosso
III. Poco adagio
IV. Finale. Allegro con brio 

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Seine bedeutende Gruppe von nicht weniger als 29 Klaviertrios schuf Joseph Haydn ab 1784 und damit zu einer Zeit, da sich die Gattung mit einer sehr klar umrissenen Funktion schon als eine enorm erfolgreiche etabliert hatte: Meist als Sonaten für Klavier (oder Cembalo) „mit Begleitung der Violine und des Violoncellos“ bezeichnet, waren die Werke vor allem für den Klavierunterricht und die Hausmusik vorgesehen. Die Streicherparts waren gegenüber der führenden und anspruchsvollen Klavierstimme entsprechend einfacher und wenig selbstständig gehalten. Haydn ging von diesem Modell aus, verfeinerte es aber – auch unter dem Eindruck von Mozarts Klaviertrios – vor allem in den späten Werken der 1790er Jahre zu einer sehr eigenständigen und sorgfältig ausgearbeiteten Gattung. Ein wunderbares Beispiel dafür ist das Klaviertrio Es-Dur Hob. XV:30 von 1797. Schon früh im ersten Satz weicht Haydn in entfernte Tonarten aus und gibt nicht nur dem Klavier, sondern auch der Violine exponierte Passagen. Das Andante con moto ist von exquisiter Sanglichkeit, entwickelt aber auch fließend bewegte Passagen und geht schließlich „attacca“, also ohne Pause in das finale, mit viel Spielwitz gewürzte Presto über.

Ludwig van Beethoven
fasste das Klaviertrio dann schon als eine konzertante Gattung auf, die dem Streichquartett in ihrem Anspruch in nichts nachstehen sollte. Nach seinen drei Geniestreichen Opus 1 und dem populären „Gassenhauer“-Trio steigerte Beethoven in seinen beiden Trios op. 70 von 1808 das kompositorische Niveau abermals. Auch wenn das Es-Dur-Klaviertrio op. 70, Nr. 2 im Vergleich zum so genannten „Geistertrio“ op. 70, Nr. 1 vom Tonfall her etwas leichter wirkt, ist es nicht weniger ausgefeilt. Mit einer langsamen, geheimnisvoll auf alte polyphone Modelle anspielenden Fugato-Einleitung weist Beethoven auf das Seitenthema des ersten Satzes voraus, in dem – wie im ganzen Werk – Violine und Cello dem Klavier gleichberechtigt und eng mit diesem verwoben zur Seite stehen. Ungewöhnlich ist die Satzfolge, die sich anschließt: Anstelle eines langsamen Satzes komponiert Beethoven ein Allegretto, das als Doppelvariation über zwei Themen – eines in Dur, eines in Moll – angelegt ist; an dritter Stelle steht ein Scherzo mit Trio, das sich durch Wiederholungen zu einer Rondoform ausweitet. Das Finale, ein sprunghaft kontrastreiches, mit viel Bewegungsenergie aufgeladenes Allegro, setzt dem brillanten Werk ein schwungvolles Ende.

Zwischen diese beiden Klassiker schieben Jonian Ilias Kadesha, Vashti Hunter und Nicholas Rimmer in ihrem Blaibacher Konzert eine zeitgenössische Komposition. Patricia Kopatchinskaya hat „Roh-Rau“ 2024 für das Trio Gaspard komponiert und man meint in der sprunghaft schroffen, aber auch anspielungsreichen Klangsprache des kurzen Stücks einiges von der kompromisslosen Musikalität und dem Humor der Weltklassegeigerin zu spüren. Auf Joseph Haydns niederösterreichischen Geburtsort Rohrau anspielend kommentiert Kopatchinskaya ihr Werk so: „Ich versuche mir Haydn als kleinen Jungen vorzustellen, in seinem Geburtsort mit diesem einzigartigen, fantasievollen Namen. Seine ersten musikalischen Eindrücke. Vielleicht fuhr ein alter Karren mit hungrigen, müden Pferden und lustigen Volksmusikanten und ihren Kindern vorbei, vielleicht quietschten die Räder, während sie spielten, vielleicht brach das ganze Ding auseinander und die Musiker mussten die Instrumente wieder zusammenkleben. Vielleicht war ein Huhn von der Musik so inspiriert oder erschreckt, dass es ungewöhnlich viele Eier legte. Vielleicht hat Haydn das alles nur geträumt.“

In der Romantik verstärkten sich die von Beethoven angelegten expansiven Züge des Klaviertrios. Die Weiterentwicklung des Klavierbaus machte aus Konzertflügeln auch in größeren Räumen akustisch durchsetzungsfähige Instrumente mit dynamischen Spielräumen, die sich auf den Zuschnitt der Streicherparts auswirkten. Welche Ausdrucksintensität damit möglich wurde, zeigt Antonín Dvořáks drittes Klaviertrio in f-Moll op. 65 von 1883. Dvořák schlägt hier über weite Strecken einen ernsten, dramatisch aufgeladenen Tonfall an, wie ihn zwei Jahre später auch seine siebte Sinfonie kennzeichnen sollte. Nach dem ausladenden, von innerer Unruhe geprägten Kopfsatz und dem trotz folkloristischer Anklänge eher verschatteten Allegretto grazioso in Scherzoform bildet der langsame Satz, ausgehend von einem leidenschaftlichen Cello-Thema, den Ruhepunkt und das emotionale Zentrum des Werkes. Der Finalsatz knüpft mit trotzigen rhythmischen Widerhaken an die Stimmung des ersten Satzes an, die späte Wendung nach F-Dur am Ende ist ein Akt des Willens. 

Dr. Juan Martin Koch (c) Kulturwald gGmbH 2025

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Trio Gaspard

Das Trio Gaspard, gegründet im Jahr 2010, zählt zu den gefragtesten Klaviertrios seiner Generation und wird für seine einzigartige und frische Herangehensweise an das Repertoire hochgelobt. Das Trio Gaspard wird regelmäßig eingeladen, in bedeutenden internationalen Konzertsälen aufzutreten, wie z.B. in der Londoner Wigmore Hall, der Berliner Philharmonie, der Philharmonie Essen, im Schloss Grafenegg in Österreich, im Salle Molière in Lyon, im Rolf-Liebermann-Studio des NDR in Hamburg und in der Shanghai Symphony Hall. Zudem tritt es auf Festivals wie dem Heidelberger Frühling, dem Mantua Chamber Music Festival, dem Boswiler Sommer und dem PODIUM Festival Esslingen auf. Zu den wichtigen Engagements im vergangenen Jahr gehören Auftritte bei den BBC Proms, der Unione Musicale Turin, in der Wigmore Hall, dem KKL Luzern sowie im Pierre Boulez Saal in Berlin.

Neben der Erkundung und Förderung des traditionellen Klaviertrio-Repertoires arbeitet das Trio Gaspard regelmäßig mit zeitgenössischen Komponisten zusammen und ist daran interessiert, selten gespielte Meisterwerke zu entdecken. Im Jahr 2022 spielten die Musiker Ethel Smyths Klaviertrio in d-Moll bei den BBC Proms, das live von der BBC übertragen wurde. Sie führten auch das selten gespielte „Présence – Ballet Blanc“ für Klaviertrio und Sprecher von Bernd Alois Zimmermann auf, in Zusammenarbeit mit dem Urban Contemporary-Tänzer Luka Fritsch. Diese Aufführung wurde live im Pierre Boulez Saal aufgenommen und erschien auf der CD „Live in Berlin“ des Trios, in Kooperation mit dem Deutschlandfunk. Derzeit arbeitet das Trio an einem umfangreichen Kompositionsprojekt, bei dem Komponisten wie Olli Mustonen, Patricia Kopatchinskaja, Helena Winkelman, Sally Beamish, Kit Armstrong, Johannes Fischer und Leonid Gorokhov Begleitstücke zu den Haydn-Trios schreiben. Ihr Debütprojekt mit Chandos Records umfasst die Aufnahme aller 46 Trios von Haydn in den nächsten fünf Jahren, zusammen mit diesen beauftragten zeitgenössischen Begleitstücken. Die erste CD erschien 2022 und erhielt großes Lob, unter anderem in Rezensionen von The Strad, The Times und Limelight Magazine. The Strad empfahl das Album und schrieb: „Es ist wirklich ein Genuss und macht Lust auf mehr.“

Die Mitglieder des Trio Gaspard, die aus Deutschland, Griechenland und Großbritannien stammen, haben regelmäßig mit Hatto Beyerle, Gründungsmitglied des Alban Berg Quartetts, zusammengearbeitet. Sie studierten auch an der European Chamber Music Academy, wo sie mit Johannes Meissl (Artis Quartett), Ferenc Rados, Avedis Kouyoumdjian, Jérôme Pernoo und Peter Cropper (Lindsay Quartet) arbeiteten. Das Trio verfügt bereits über umfangreiche Lehrerfahrung und gab Meisterkurse an der Kyung-Hee Universität in Seoul, an der Royal Irish Academy of Music in Dublin sowie beim Shanghai Chamber Music Festival 2016 und 2018, wo sie auch in der Jury des nationalen Kammermusikwettbewerbs Chinas saßen. Von 2017 bis 2019 hatte das Trio Gaspard ein Stipendium für Kammermusik am Royal Northern College of Music in Manchester inne und gewann erste Preise und Sonderpreise beim Internationalen Joseph Joachim Kammermusikwettbewerb in Weimar, beim 5. Internationalen Haydn Kammermusikwettbewerb in Wien und beim 17. Internationalen Kammermusikwettbewerb in Illzach, Frankreich. Im Jahr 2012 erhielten sie den „Wiener Klassik“ Preis der Stadt Baden in Österreich.

Alle drei Mitglieder sind auch erfolgreiche Solisten und setzen ihre Solokarrieren fort, indem sie Konzerte in renommierten Sälen wie der Tonhalle Zürich, dem Megaron Musik Hall Athen, dem Teatro Verdi di Firenze, dem Konzerthaus Wien, der Berliner Philharmonie, der Rudolfinum Halle Prag und der Royal Festival Hall London spielen. Sie sind Preisträger internationaler Wettbewerbe wie dem Prague Spring Cello Wettbewerb, dem Leopold Mozart Violin Wettbewerb, dem Deutschen Musikwettbewerb, dem Parkhouse Award London und dem Young Classical Artists Trust. Die Mitglieder des Trio Gaspard haben auch einzeln mit anderen Kammermusikgruppen gespielt und mit renommierten Künstlern wie Steven Isserlis, Gidon Kremer, Kim Kashkashian, Nicolas Altstaedt, Martha Argerich, Vilde Frang, Pekka Kuusisto, Kit Armstrong, Ferenc Rados, Nils Mönkemeyer und dem Quartetto di Cremona zusammengearbeitet.