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28.03.26

Voces Suaves & Gli Incogniti

Samstag, 28. März 2026, 19 Uhr

Buxtehude – Membra Jesu Nostri

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Konzertdauer: ca. 80 min, keine Pause
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Voces Suaves:
Sara Jäggi – Sopran
Christina Boner – Sopran
Jan Thomer – Alt
Andrès Montilla – Tenor
Joachim Höchbauer – Bass

Gli Incogniti:
Amandine Beyer – Violine
Alba Roca – Violine
Nacho Laguna – Theorbe
Baldomero Barciela – Viola da Gamba
Leonardo Bortolotto – Viola da Gamba
Anna Fontana – Cembalo und Orgel
Filipa Mota de Meneses – Violone

Dietrich Buxtehude (1637–1707)

Sonata a 3 in G BuxWV 271 
I. Allegro
II. Adagio
III. Allegro 

Membra Jesu nostri BuxWV 75 
I. Ad pedes (An die Füße)
II. Ad genua (An die Knie)
III. Ad manus (An die Hände)

Sonata a-Moll BuxWV 272
I. Allegro
II. Adagio
III. Passcaglia

Membra Jesu
IV. Ad latus (An die Seite)
V. Ad pectus (An die Brust)
VI. Ad Cor (An das Herz)
VII. Ad faciem (An das Gesicht)

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Warum Dietrich Buxtehude, seit zwölf Jahren Organist an der Lübecker Marienkirche, im Jahr 1680 den Zyklus von Passionskantaten „Membra Jesu nostri“ schrieb, liegt weitgehend im Dunkeln. Ein konkreter Aufführungsanlass in Lübeck ist nicht überliefert, sodass die Widmung an seinen Freund, den schwedischen Hofkapellmeister und Organisten Gustav Düben, einen Kompositionsauftrag von dieser Seite hat vermuten lassen. Unstrittig ist die Bedeutung, die Buxtehude dem Werk beimaß, dessen vollständiger Titel in deutscher Übersetzung lautet: „Die Heiligsten Gliedmaßen unseres leidenden Jesus in demütigster Verehrung von ganzem Herzen besungen.“ Um kurze Bibelpassagen ergänzt, stellte vermutlich Buxtehude selbst einen – im evangelischen Kontext ungewöhnlich – lateinischen Text aus der mittelalterlichen mystischen Dichtung „Rhythmica oratio“ zusammen, die damals dem Heiligen Bernhard von Clairvaux zugeschrieben wurde, aber – wie man heute weiß – von Arnulf von Löwen stammt.

Arnulfs Dichtung stellt eine Meditation über sieben Körperteile des Gekreuzigten dar – eine Struktur, der Buxtehude mit seinen sieben Kantaten folgt: 1. Ad pedes (An die Füße), 2. Ad genua (An die Knie), 3. Ad manus (An die Hände), 4. Ad latus (An die Seite), 5. Ad pectus (An die Brust), 6. Ad Cor (An das Herz), 7. Ad faciem (An das Gesicht). Den meditativen Charakter dieser nicht für einen Gottesdienst bestimmten, sondern als „Erbauungsmusik“ gedachten Abfolge unterstreicht der Komponist durch eine weitgehend gleichbleibende Struktur der einzelnen Kantaten: Sie werden jeweils von einer instrumentalen Sonate eröffnet, der ein konzertierender Chor, eine dreistrophige, gemischt besetzte Arie und eine Wiederholung des Chors folgt.

Neben den wechselnden, bis zu dreistimmigen Konstellationen in den Arien sorgen auch die variierenden Instrumentalanteile und der Tonartenplan für subtile Farbwechsel zwischen den Kantaten und den Einzelsätzen. Ohne auf vordergründige Effekte zu setzen, gibt Buxtehude jeder Kantate einen eigenen Charakter und setzt feine Akzente: In der zweiten Kantate etwa nimmt das Zittern der „Sonata in tremulo“ gleichsam eine Passage aus der ersten Strophe des Arientextes vorweg: „… Am Holz hängend als schuldiger Mensch, doch wahrer Gott, schwankend, mit fallenden Knien.“ Die Frage des Chores der dritten Kantate „Was sind diese Wunden inmitten deiner Hände?“ formuliert Buxtehude mit betörenden Vorhalten und einer magischen Wendung nach Dur. Mit der längsten Sonate und einer intimen Besetzung des innigen ersten Tutti zum Hohelied-Vers „Du hast mein Herz verwundet, meine Schwester, Braut“ unterstreicht er den besonderen Stellenwert, den er der sechsten, dem Herzen Jesu gewidmeten Kantate beimisst (im Manuskript schreibt Buxtehude „Cor“ als einzigen Körperteil groß). Anstelle einer Wiederholung des Chores steht am Ende der siebten und letzten Kantate ein kunstvoller Amen-Satz, der den Zyklus, eine der bedeutendsten und berührendsten Passionsmusiken des Barock beschließt.

An den Beginn und vor die vierte Kantate setzen Gli Incogniti heute Abend zwei Triosonaten. Sie zeigen Buxtehude als innovativen Komponisten auf der Höhe der Entwicklung dieser wichtigsten Gattung der barocken Instrumentalmusik. Sie sind – wie die „Membra“-Kantaten – in der Buxtehude-Sammlung der Familie Düben überliefert, die heute in der Universitätsbibliothek Uppsala verwahrt wird.

Dr. Juan Martin Koch (c) Kulturwald gGmbH 2026

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Voces Suaves 

Das Basler Vokalensemble Voces Suaves pflegt die historisch informierte Aufführung von Musik der Renaissance und des Barocks in solistischer Besetzung. Sein warmer und voller Klang, verbunden mit einer nuancierten musikalischen Rhetorik, machen die Interpretationen des Ensembles unverwechselbar und die Musik emotional unmittelbar erlebbar. Die langjährige Zusammenarbeit der Sängerinnen und Sänger hat zu einer grossen Vertrautheit geführt, die den Aufführungen von Voces Suaves eine besondere Intimität verleiht.

Das 2012 gegründete Ensemble konzertiert regelmäßig an bedeutenden europäischen Festivals wie den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik oder dem Heidelberger Frühling und darf sich als angesehenes Ensemble für Alte Musik bezeichnen.

Kooperationen bestehen mit renommierten Ensembles wie dem Ensemble Concerto Scirocco, der Akademie für Alte Musik Berlin, dem Concerto Romano, Capriccio Stravaganza und dem Capricornus Consort Basel. Eine langjährige Zusammenarbeit verbindet Voces Suaves zudem mit den Organisten Michele Vannelli, Jörg-Andreas Bötticher und Johannes Strobl.

Seit 2015 sind verschiedene Einspielungen von Voces Suaves bei den Labels Arcana (Outhere Music), Ambronay éditions und Deutsche Harmonia Mundi erschienen und mit diversen internationalen Preisen ausgezeichnet worden (u.a. mit dem Diapason d’or, Choc de Classica). 

Gli Incogniti

2006 gründet Amandine Beyer gemeinsam mit Freunden das Ensemble Gli Incogniti, das zu seinem Namen von der Accademia degli Incogniti (der „Akademie der Unbekannten“) inspiriert wurde, einem der aktivsten und libertärsten Zirkel von Künstlern und Gelehrten im Venedig des 17. Jahrhunderts. Die Gruppe zählt heute zu den weltweit führenden Ensembles für historisch informierte Aufführungspraxis, erforscht aber auch das klassische Repertoire.

Gli Incogniti treten regelmäßig bei zahlreichen Festivals und in den bekanntesten Konzertsälen in Frankreich und weltweit auf: Philharmonie de Paris, Théâtre des Champs-Elysées, Auditorium de Radio France, in den Opernhäuser von Bordeaux, Dijon oder Rouen, Wigmore Hall, Oji Hall in Tokio, Philharmonie du Luxembourg, BOZAR in Brüssel, Oude Muziek Utrecht, Royaumont Foundation, Arsenal de Metz, Théâtre de la Ville, Boston Festival, Printemps des Arts de Monte-Carlo, International Bergen Festival…

Auch in Deutschland ist das Ensemble regelmäßig bei renommierten Veranstaltern wie NDR Das Alte Werk, Tage Alter Musik Regensburg, Musikfestspiele Potsdam Sanssouci, Händel-Festspiele Halle, Weimarer Bach-Biennale, Philharmonie Essen, Neumarkter Konzertfreunde, oder im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth zu Gast.

Zahlreiche Zusammenarbeiten verbinden Gli Incogniti mit Giuliano Carmignola, Kristian Bezuidenhout, Andreas Staier, Maria Cristina Kiehr, Alexeï Lubimov, Hans-Jörg Mammel, aber auch mit Rosas, die Tanzkompanie von Anne Teresa de Keersmaeker oder mit der Sängergruppe La Manufacture verbale.

Gli Incogniti arbeiten exklusiv mit dem Label Harmonia Mundi. Die dort erschienenen Einspielungen, wie Vivaldi, Pachelbel, C.P.E. Bach, Haydn wurden von Presse und Publikum einhellig gelobt.

Da sie sich der Musikvermittlung an die jüngere Generation verpflichtet fühlen, veranstalten Gli Incogniti seit 2017 am Théâtre des Quatre Saisons (Gradignan, France) Kurse für Kammermusik und Körperarbeit für junge Barockensembles, Studenten oder Einsteiger.

Gli Incogniti erhält die Unterstützung des DRAC Nouvelle-Aquitaine, der Region Nouvelle-Aquitaine und des Départements de la Gironde. Sie werden regelmäßig von Adami, Spedidam und CNM Export für ihre Aufführungs- und Aufnahmeaktivitäten und von der Caisse des Dépôts für ihre Akademie gefördert. 

Amandine Beyer

Amandine Beyer studierte Violine am Pariser Konservatorium und anschließend an der Schola Cantorum in Basel, in der Klasse von Chiara Banchini. Hier wurde sie auch von Christophe Coin, Hopkinson Smith und Pedro Memelsdorff unterrichtet. 2001 gewann sie den ersten Preis beim Antonio-Vivaldi-Wettbewerb in Turin.

Seitdem gibt Amandine Beyer auf der ganzen Welt Konzerte – sowohl als Solistin und Konzertmeisterin als auch mit ihrem eigenen Ensemble Gli Incogniti, welches sie 2006 gründete. Verbunden durch die Freude am gemeinsamen Musizieren und dem Teilen musikalischer Empfindungen, widmen sie sich dem barocken und klassischen Repertoire (Bach, Vivaldi, Couperin, Haydn, Mozart….).  

Gleichzeitig widmet sie sich mit Partnern wie Pierre Hantaï, Kristian Bezuidenhout, Andreas Staier und Giuliano Carmignola der Kammermusik. Das Repertoire reicht von barock bis romantisch. 2015 gründet sie das Kitgut Quartet, ein Streichquartett auf historischen Instrumenten.

Amandine Beyers Diskographie, sowohl als Solistin als auch mit Gli Incogniti, wurde von den Kritikern hochgelobt und mit höchsten Auszeichnungen bedacht (Diapason d'Or, Choc de l'année, Gramophone Editor's Choice, 4f de Télérama, u.s.w.).

Musikvermittlung ist ihre Leidenschaft und so unterrichtet Amandine Beyer seit 2010 an der Schola Cantorum in Basel Violine.